Ein Kind fehlt

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien

Kirchwalseder Eltern protestieren gegen die Einführung einer Kombiklasse mit Beginn des neuen Schuljahrs.
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Kirchwalseder Eltern protestieren gegen die Einführung einer Kombiklasse mit Beginn des neuen Schuljahrs.

Kirchwalsede – 13 plus 11 ergibt 24, und eben nicht 25. „Leider“, sagen die Eltern der kommenden und der aktuellen ersten Klasse der Kirchwalseder Grundschule. Denn genau diese kleine Differenz sorgt dafür, dass, Stand Mitte Juni, die beiden Klassen nach den Sommerferien als sogenannte Kombiklasse unterrichtet werden.

Das hatte die Schulleitung den Eltern am 4. Juni mitgeteilt. Der Grund dafür ist ein einfacher: In zwei aufeinanderfolgenden Schuljahren kann aktuell lediglich eine Schülerzahl von insgesamt 24 erreicht werden. Und nun kommt eine Verwaltungsvorschrift mit der Nummer 3.2 ins Spiel, die besagt, dass „zur Klassenbildung und Lehrkräftestundenzuweisung diese Schuljahrgänge in einer kombinierten Klasse zusammengefasst“ werden müssen.

Diese Regelung lehnen aber die Eltern beider Klassen vehement ab und haben der Landesschulbehörde und auch dem Kultusministerium einen Protestbrief geschickt, in dem sie auch die Gründe ihrer Haltung erläutern.

Einer davon ist natürlich Corona: „Durch die Pandemie ist es zu erheblichen Unterrichtsausfällen gekommen. Der vorgesehene Lernstoff konnte gar nicht vermittelt und die Lernziele nicht erreicht werden“, heißt es in dem Papier.

Hinzu komme, dass aufgrund des langen Wechselunterrichts und Schulausfalls im Szenario C sowie den verlängerten Ferien ein gemeinschaftliches Lernen und soziale Bindungen auf der Strecke geblieben seien.

„Der Ansatz, dass die jüngeren von den älteren Schülern lernen können, greift in diesem Fall nicht, da es kaum lernsoziale Grundlagen gibt, von denen sie profitieren könnten“, betont Annika Kunike. Stattdessen kämen auf die Lehrkräfte, Eltern und Schüler die Herausforderungen zu, mit den Pandemie-Spätfolgen adäquat umzugehen. „Dies betrifft nicht nur die Lerndefizite, sondern auch den Abbau von Ängsten, Verunsicherungen und Verhaltensauffälligkeiten durch die Folgen sozialer Isolierung und den Wegfall von außerschulischen Aktivitäten“, begründen die Eltern.

Und sie fürchten, dass dieser möglichen Kombiklasse für lange Jahre ein Alleinstellungsmerkmal anhaftet, denn durch die bereits hohe Auslastung des Kindergartens sowie der Krippe und der hohen Anmeldezahlen für das übernächste Schuljahr, sei davon auszugehen, dass es in jedem Jahr wieder mindestens eine erste Klasse geben werde. „Unsere Kinder haben dann einen Nachteil gegenüber anderen Jahrgängen“, so die Eltern, die das nicht hinnehmen wollen.

Außerdem stünde in der Verwaltungsvorschrift weiter unter 3.3, dass die im Laufe des Schuljahres zu erwartenden Erhöhungen bei den Schülerzahlen bereits vorab bei der Klassenbildung berücksichtigt werden müssten. „Wir bekommen hier drei neue Baugebiete, sodass die Mindestschülerstärke bis zum Beginn des neuen Schuljahres noch erreicht oder gar überschritten werden kann.“ Mögliche Quersteinsteiger durch das im Ort vorhandene Kinderheim seien dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Die Eltern befürchten auch, dass es im Fall einer Kombiklasse kaum zu einer adäquaten Betreuung der Schüler kommen kann, weil die „eine Klassenkraft nicht nur den Lehrstoff aufholen und die neuen Erstklässler integrieren, sondern auch die erforderlichen Fördermaßnahmen für Schüler mit eingeschränkten Sprachkenntnissen einleiten muss“. Es könne gut sein, dass es mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gebe, zumal das wegen der nicht oder nur teilweise erfolgten Schuluntersuchungen im Vorfeld gar nicht festgestellt worden sei. Die Schule habe keine Erfahrung mit Kombiklassen, der Lehrerin fehle die Fortbildung zu diesem Thema und sie müsse ein erhöhtes Arbeitsaufkommen erledigen. „Das kann schnell für Überforderung und Frustration sorgen“, betonen die Eltern, die jetzt Unterschriften gesammelt haben, die der Landesschulbehörde übergeben werden, um vielleicht doch noch eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken,

„Aber wir werden auch zweigleisig fahren“, sagt Annika Kunike. Gemeinsam mit anderen Eltern wird sie jetzt in den Nachbardörfern Klinken putzen gehen, um irgendwie dieses eine fehlende Kind noch zu bekommen. „Es können ja Eltern aus Wittorf oder aus den Dörfern des Kreises Verden sein, die die Vorzüge unserer kleinen Kneipp-Schule als wichtig für ihr Kind ansehen“, hoffen die Eltern, dass sich in den nächsten Wochen noch etwas tut.

Denn mit einer Ausnahmegenehmigung sieht es eher schlecht aus, wie Elke Oppermann von der Landesschulbehörde Außenstelle Rotenburg betont: „Es gibt diese klare Regelung, wobei wir schon die Teilungsgrenze ein wenig nach unten korrigiert haben, weil sie in Grundschulen eigentlich bei 26 liegt. Aber mehr geht im Rahmen des Klassenbildungserlasses wirklich nicht.“

Einfach Kinder aus einem anderen Landkreis in Kirchwalsede zu unterrichten, funktioniere ebenfalls nicht so einfach, denn es gebe Einzugsbereiche und eine Genehmigung, diese zu übergehen, sei nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. „Gerne“ ist Oppermann bereit, den Eltern die Thematik während eines Infoabends zu erläutern. Sie warnt aber davor, „unnötig Druck“ bei anderen Eltern aufzubauen, deren sogenanntes Kannkind vorzeitiger als geplant einschulen zu lassen, nur weil die Mindestklassenstärke für eine separate neue erste Klasse nicht erreicht werde. „Wir müssen immer das Wohl des Kindes im Blick haben. Wenn wir nach zwei Monaten feststellen, dass es doch besser noch im Kindergarten geblieben wäre, ist das richtig schlimm und sicher nicht der Weg zum Glück, sondern der liegt eher in der Kooperation“, so Oppermann.

Eine Überforderung der Lehrkräfte sieht die Vertreterin der Behörde nicht: „Kinder in allen Klassen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Damit umzugehen und zu versuchen, alle mitzunehmen, ist das tägliche Geschäft der Lehrer.“ Der Stichtag ist übrigens der Einschulungstag Anfang September. „Bis dahin ist ja noch Zeit und vielleicht gibt es noch einen Zuzug einer Familie in den Walseder Raum.“

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