Botheler Klärwerk checkt Bäche: Regionstypische Nitratwerte

„Kein klares Signal für zu viel Gülle“

Mit weniger Belastung als bei Moordorf gemessen wurde, verlässt die Wiedau die Samtgemeinde Bothel.
+
Mit weniger Belastung als bei Moordorf gemessen wurde, verlässt die Wiedau die Samtgemeinde Bothel.

Bothel – Auf Antrag der SPD-Fraktion im Samtgemeinderat hatte das Gremium 2019 beschlossen, die Gewässerqualität in der Samtgemeinde Bothel zu untersuchen. Erste Ergebnisse hat Klärwerksleiter Andreas Denell während der jüngsten Ratssitzung präsentiert. „Die Nitratwerte sind typisch für unsere Region, und es gibt deutliche Anzeichen für vom Menschen verursachte Effekte“, sagte der Fachmann. Weiter beeinflussen Starkregen und Hochwasser die Werte negativ. „Es gibt aber kein klares Signal für erhebliche Verunreinigung mit Gülle“, machte Denell deutlich. Vor der zusammenfassenden Bewertung der Messresultate erläuterte er das genaue Vorgehen bei den monatlichen Messungen und gab für die beobachteten Gewässer einen kurzen Überblick.

Der Leiter der Botheler Kläranlage hatte nach dem Beschluss im vergangenen Jahr in kurzer Zeit ein Konzept zur kostengünstigen Messung der Fließgewässer beim Einlauf und beim Verlassen der Samtgemeinde erarbeitet. Die wissenschaftliche Expertise von Heinrich Keusen vom Wasserlabor des Landkreises Rotenburg floss ebenfalls in die Untersuchungsreihe der Bäche ein. „Ich war sofort Feuer und Flamme für die Untersuchung“, sagte Denell.

An insgesamt 14 Probenpunkten nahmen die Mitarbeiter seit Oktober 2019 jeden Monat eine Wasserprobe, die im Labor der Kläranlage genau analysiert wurde. Ziel war es, die Belastung des Wassers mit Stickstoff festzustellen. Dazu wurden die Werte für Nitrat und für Ammoniumnitrat gemessen, Stoffe aus den Düngemitteln der Landwirtschaft. Ursprünglich war von zehn Messpunkten ausgegangen worden. „Es sind dann etwas mehr geworden. Man kann noch mehr untersuchen, aber das würde den Rahmen sprengen“, erläuterte Denell. Die genormte Analysemethode würde nicht wesentlich anders aussehen, aber dennoch seien die Botheler Resultate nicht gerichtsverwertbar. Zwei Punkte klammerte er gleich zu Beginn aus, weil am Hinnenberggraben zwischen Süderwalsede und Westerwalsede einfach zu wenig Wasser enthalten war und im Federlohmühlenbach das moorige Wasser eine zu hohe Grundbelastung durch die Zersetzungsprozesse im Moor trage.

Zwei Messpunkte am Trochelbach waren besonders durch erhöhte Ammoniumwerte auffällig, die im zeitlichen Zusammenhang mit dem Hochwasser im Februar hängen sollen. „0,34 Milligramm Ammonium pro Liter Wasser, das ist schon ein Hammer“, so Denell. Die Wiedau hatte ebenfalls einen Ausreißer beim Hochwasser mit 4,92 Milligramm Nitrat im Februar, wobei der Wert beim Ausfluss in Richtung Rotenburg überraschenderweise deutlich geringer war. Die Messungen würden alle stets am gleichen Tag an allen Messpunkten durchgeführt. „Die Rodau hat bessere Werte als die Wiedau und hat am Oberlauf keine Auffälligkeiten“, sagte Denell. Am Unterlauf pendelten die Werte zwischen drei und fünf Milligramm Nitrat, wobei der Peak mit 4,69 Milligramm Nitrat ebenfalls während des Hochwassers auftrat. Der Hasselbach an der Bundesstraße 440 habe mit 7,51 Milligramm Nitrat und erhöhten Ammoniumwerten die auffälligste Belastung, was aber mit dem riesigem Waldgebiet, aus dem dieses Gewässer komme, zu erklären sei. „Im Wald gibt es keine vernünftigen Werte“, informierte Denell. Die Grundbelastung sei zu groß, ähnlich wie im Moor.

Die Ratsleute nahmen die ersten Ergebnisse mit großem Interesse auf und Gabriele Hornhardt (WSB) bezeichnete die neue Düngeverordnung als Glaskugel, was Denell bestätigte. „Wir brauchen kein schlechtes Gewissen haben. Die Gewässer verlassen nicht mit mehr Belastung die Samtgemeinde“, sagte Hans-Hinnerk Meyer (CDU). „Eine bedarfsgerechte Düngung sollten wir hinbekommen“, ergänzte sein Parteifreund Ludger Brinker und wies daraufhin, dass die Düngung möglichst vollständig von den Pflanzen aufgenommen werden sollte. „Die Zahlen sind überraschend positiv“, sagte der Antragssteller Werner Meyer (SPD). Die zugewachsenen Gewässer seien der Auslöser für den Antrag im vergangenen Jahr gewesen. „Die Vorfluter sind aber schon dennoch wieder total zugewachsen“, so Meyer.

„Wir sollten die Messungen weiter fortführen. Die Natur hat auch viele Nitratbelastungen durch Laub parat“, sagte Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle. Neben der Überprüfung der Qualität sei es aber in Zukunft auch wichtig, das Wasser in der Fläche zu halten, statt nur zu entwässern. Daher komme das Thema Regenrückhaltebecken bald zusätzlich auf die Agenda.

In Hassel zum Beispiel hat die Gemeinde Hemsbünde zu diesem Zweck übrigens schon eine Fläche erworben.  lee

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Beirut: Gewalt bei Protesten - Premier schlägt Neuwahlen vor

Beirut: Gewalt bei Protesten - Premier schlägt Neuwahlen vor

Bis zu 38 Grad - und die Hitze bleibt

Bis zu 38 Grad - und die Hitze bleibt

Hochsommerliche Hitze stellt sich ein

Hochsommerliche Hitze stellt sich ein

Tierische Begegnungen in Badeseen

Tierische Begegnungen in Badeseen

Meistgelesene Artikel

Zwei Stunden geballte Heimatkunde

Zwei Stunden geballte Heimatkunde

Dankbar für die Notlösung

Dankbar für die Notlösung

Danke Ferdi! Hunderte feiern eine Auszeit von der Krise

Danke Ferdi! Hunderte feiern eine Auszeit von der Krise

Neuanfang in der Gemeinde

Neuanfang in der Gemeinde

Kommentare