Karin Schleeßelmann verkauft in Brockel handgeschnitzte Krippenfiguren

Sehnsucht nach dem wahren Sinn von Weihnachten

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Der Klassiker: die Krippe von Lotte Sievers-Hahn.

Brockel - Von Elisabeth Stockinger. Jedes Jahr gibt es eine Krippenfigur mehr, so lange, bis die Sammlung endlich komplett ist. Oder die handgeschnitzten Kunstwerke werden häppchenweise an Kinder und Enkelkinder verschenkt – so handhaben es viele Kunden, die in das Geschäft von Karin Schleeßelmann kommen. Die Inhaberin von „HolzKunst“ in Brockel erzählt, was die Besonderheit der handgeschnitzten Holzfiguren ausmacht.

Die Holzschnitzkunst hat in der Familie von Karin Schleeßelmann Tradition. Ihre Großmutter Lotte Sievers-Hahn gründete im Jahr 1929 die gleichnamige Firma in Brockel. „Lotte Sievers-Hahn“ war recht bald über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt für die handgeschnitzten Krippenfiguren. 1972 entstand in Brockel in unmittelbarer Nachbarschaft ein weiteres Unternehmen, „Spielform“, ebenfalls im Familienbesitz, aber eigenständig. Daraus kristallisierte sich 1972 das heutige Fachgeschäft „HolzKunst“ heraus, deren Inhaberin Schleeßelmann seit 2001 ist. „Das mag etwas verwirrend sein“, lacht sie ob der zwei Spielzeugfirmen. Fakt ist: Schleeßelmann verkauft in ihrem Laden die Holzfiguren von Lotte Sievers-Hahn. „Das ist bis heute ein wichtiges Standbein für mich.“

Denn der Einzelhandel mache derzeit eine schwierige Zeit durch. „Wo gibt es noch ein Fachgeschäft für Spielzeug und Kunsthandwerk?“, fragt Schleeßelmann. Heutzutage könnten die meisten Dinge per Mausklick im Internet bestellt werden. Ihr Laden am Bahnhof in Brockel ist fast schon so etwas wie eine Ausnahme: „Uns muss man aber finden.“

„Die Krippenfiguren von Lotte Sievers-Hahn kennen manche Kunden noch von ihrer Großmutter“, erzählt Schleeßelmann weiter. Sie würden die Tradition zumeist fortsetzen und ihren Kindern und Enkeln ebenfalls die Figuren schenken. Andere wüssten in der heutigen schnellebigen Zeit vielleicht gar nicht mehr, womit sie anderen zu Weihnachten eine Freude machen können. „Das ist die Sehnsucht nach dem wahren Sinn von Weihnachten“, hält Schleeßelmann fest. Maria, Josef und das Jesuskind, der Ochse, der Esel und die Heiligen Drei Könige: „Wir feiern nicht den Weihnachtsmann, sondern wir feiern die Weihnachtsgeschichte.“ Viele ihrer Kunden nehmen längere Wege auf sich, reisen einmal im Jahr aus Hamburg, Zeven und Walsrode an, nur um sich eine neue Figur zuzulegen.

Die Krippenfiguren sind echte Handarbeit: vom Aussägen über das Schnitzen bis hin zum Bemalen. Das ist echte Kunst, sagt die Inhaberin. Und die habe nunmal ihren Preis. 2001 hat das Schnitzen allerdings eine Tochterfirma in der Slowakei übernommen. „In Deutschland gibt es immer weniger Handwerk“, erklärt Schleeßelmann die Veränderung. Schnitzkunst sei heutzutage einfach nicht mehr so beliebt wie noch vor Jahrzehnten. „Der Schritt, in die Slowakei zu gehen, war nicht einfach, aber er war richtig.“

Karin Schleeßelmann hat natürlich auch eine Krippe von Lotte Sievers-Hahn zuhause unter dem Tannenbaum. Ihre ist allerdings noch handgeschnitzt, von der Oma persönlich.

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