Interview mit der scheidenden Hemslinger Grundschulleiterin Andrea Himmel-Merz / Vorreiter bei Inklusion

„Gemeinsames Lernen immer mehr entwickelt“

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Andrea Himmel-Merz verlässt Hemslingen.

Hemslingen - Nach 26 Jahren als Leiterin der Hemslinger Grundschule wechselt Andrea Himmel-Merz beruflich in den Harz. Kurz vorm Kofferpacken nahm sie sich Zeit für ein Gespräch.

Frau Himmel-Merz, ein Abschied nach 26 Jahren, das ist bestimmt nicht einfach?

Andrea Himmel-Merz: Ich gehe mit einem weinenden und einem lachendem Auge. Meinen Abschied haben alle Schüler, Kolleginnen und Elternvertreter gemeinsam im Zeichen des Regenbogens gestaltet und mich sowie alle Gäste sehr bewegt. Andererseits freue ich mich auf meine neue Aufgabe und das Zusammenleben mit meinem Mann.

Können Sie sich noch an den ersten Tag hier an der Schule erinnern?

Himmel-Merz: Das war 1989. Ich habe die Schule besucht, bin über das weitläufige Schulgelände gelaufen und fühlte mich gleich wohl. Als jemand, der gern in der Natur ist, sah ich die Möglichkeiten für zahlreiche Projekte. Als zweites fand ich es spannend zu hören, dass die Blaskapelle Hemslingen im Schulgebäude aktiv war. Ich mache selbst viel Musik. Und bin der Überzeugung, dass Musik eine sehr verbindende Wirkung hat.

Warum ist Musik in der Schule so wichtig?

Himmel-Merz: Wir profitieren von der Zusammenarbeit mit der Blaskapelle, deren Arbeit wir im Musikunterricht aufgreifen.

Die Früchte Ihrer Arbeit sehen Sie an Ihren ersten musikalisch aufgewachsenen Schülern, die jetzt ja schon groß sind. Was macht das mit den Kindern?

Himmel-Merz: Es sind junge Menschen, die inzwischen wiederum Aufgaben übernehmen und Verantwortung tragen, die unseren jetzigen Schülern ihre Musikerfahrungen weitergeben und das gemeinsame Musizieren von Jung und Alt ermöglichen. Mit der Musik haben wir auch die Möglichkeit, unsere Schulfeiern zu gestalten. Beim Jahreszeitensingen zum Beispiel lernen die Schüler schon mit sechs oder sieben Jahren vorzusingen, ein Gedicht vorzutragen oder mit ihrem Instrument zu spielen. So wurde uns von der Schul-Inspektion ein hohes Niveau im Hinblick auf das Präsentieren und Reflektieren der Kinder bescheinigt.

Stichwort Inklusion: Die haben Sie praktiziert, bevor der Begriff in aller Munde war. Waren Sie Vorreiter?

Himmel-Merz: Wir haben 2003 mit der Kooperation mit der Lindenschule ganz vorsichtig angefangen. Da gab es zu Beginn auch viele Sorgen und Fragen der Eltern. Das hat sich ganz schnell beruhigt, weil die Kinder nichts besonderes erzählt haben – es war schnell normal, gemeinsam die Schule und den Pausenhof zu nutzen. Das gemeinsame Lernen aller Kinder haben wir nach und nach gemeinsam weiterentwickelt.

Ist die Politik mit der Einführung von Inklusion auf dem richtigen Weg?

Himmel-Merz: Ja, der Gedanke ist richtig, aber die Voraussetzungen stimmen nicht. Wir haben ja die Win-Win-Situation, dass die Mitarbeiterinnen der Lindenschule mit in die Klassen gehen und alle Kolleginnen zusammen sind Ansprechpartner für die Kinder. Aber die gemeinsame Unterrichtsvorbereitung braucht Zeit. Dafür würde ich mir offizielle Zeitfenster im Stundenplan wünschen. Und: Unabhängig von der Lindenschule haben wir viele Kinder, die Unterstützung und Förderung brauchen. Die Stunden der Förderschullehrkraft sind sehr knapp bemessen und reichen nicht aus.

hey

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