Debatte um Erdgasförderung

Institut findet keine belastete Luft an Botheler Gasanlagen

Eine Messdose in der Nähe einer Gasförderanlage – eine von vieren im Landkreis.
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Eine Messdose in der Nähe einer Gasförderanlage – eine von vieren im Landkreis.

Messungen eines Instituts im Auftrag des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie haben ergeben, dass Anwohner der Gasförderanlagen keine belastete Luft atmen müssen. Auch im Bereich Bothel waren Messdosen aufgebaut. Kritiker zweifeln die Methode aber an.

Bothel – Die Luft, die die Menschen an den Erdgasförderstätten atmen, ist „nicht mit Benzol oder ähnlichen Stoffen belastet und sie liegt deutlich unter den Grenz- und Beurteilungswerten zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt“. Zu diesem Ergebnis kommt eine Messung des Prüfinstituts Müller-BBM, das im Auftrag des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) ein Jahr lang niedersachsenweit die Luft an 70 Wohnorten mit geringer Entfernung zu einer Erdgas-Förderanlage durchgeführt hat 40 Messpunkte in Niedersachsen sind Anlagen von „ExxonMobil“ zuzuordnen. Unter anderem in Rotenburg, Brockel, Gyhum und Hemslingen.

Und das sind beileibe nicht genug, sagen die Gegner der Erdgasförderung aus der Samtgemeinde Bothel. „Nur vier Messungen im Landkreis sind für mich nicht mehr als Nullproben. Und dann ein Marmeladenglas mit einem einzigen Jahresdurchschnittswert?“, fragt Birgit Brennecke aus Hemslingen. Sie erinnert an die Human-Biomonitoring-Studie (HBM), bei der 100 Personen zwei Wochen lang im Frühjahr und im Herbst ihren gesammelten Urin zur Verfügung gestellt hatten, um zu ermitteln, ob Menschen, die in der Nähe von Förderstätten leben, stärker mit aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet sind als eine Vergleichsgruppe, die weiter weg wohnt. Eine höhere Gefährdung wurde damals nicht ermittelt.

„Warum wohl“, fragt Brennecke. Denn es habe ein deutliches Runterfahren der Arbeiten auf den Förderplätzen und kaum Fackelungen gegeben. Das habe eine Anfrage im Landtag bestätigt. „Was kann uns jetzt schon ein Jahresdurchschnittswert beweisen?“, so Brennecke, die nicht „an reine Heideluft aus den Fackeln“ glaubt. Sie kann der Müller-BBM-Studie auch keinen Glauben schenken, weil nur eine Messtasse pro Wohnanlage verwendet worden sei, statt wenigstens vier Messungen für jede Windrichtung rund um die Anlagen zu installieren. „Das soll seriös sein?“

Für den Bundesverband ist das Ergebnis der Studie hingegen eine „wichtige und beruhigende Information“, wird BVEG-Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Möhring in einer Mittelung zitiert. „Wir machen uns messbar und kommen damit dem gestiegenen Interesse nach Transparenz in den Förderregionen nach. Gleichzeitig schaffen wir die Basis für eine faktenbasierte Bewertung des Einflusses der Erdgasförderung auf unsere Umgebung.“

Laut Studie sind im Mittel Benzolkonzentrationen von 0,4 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen worden. Die durchschnittlichen Werte an den einzelnen Messpunkten lagen zwischen 0,3 und 0,6. „Der gesetzliche Grenzwert von fünf Mikrogramm ist also rund zehn Mal höher.“ An verkehrsnahen Messstationen in Niedersachsen lägen die Benzolkonzentrationen im Jahresmittel bei etwa 0,9 Mikrogramm pro Kubikmeter, also ungefähr doppelt so hoch wie die gemessenen Durchschnittswerte an den Erdgasförderplätzen, teilt der Bundesverband mit. Zu einem ähnlichen Ergebnis kämen die Messungen der aromatischen Kohlenwasserstoffe Toluol, Ethylbenzol und Xylole. Die Konzentrationen an den 70 Messpunkten hätten sogar noch weiter unterhalb der jeweiligen Ziel- und Orientierungswerte gelegen.

Dr. Alexander Ropertz, Geschäftsführer des Prüfinstituts Müller-BBM folgert: „Es wird deutlich, dass sich die gemessenen Werte auf einem typischen landesweiten Hintergrundniveau bewegen, das wir auch in Gegenden sehen, in denen keine Erdgasförderung stattfindet. Ein negativer Einfluss der Erdgasförderung auf die Umgebungsluft lässt sich aus den Messergebnissen nicht feststellen.“

Birgit Brennecke setzt auf die Niedersächsische Landesregierung: „Nächstes Jahr steht Geld im Landeshaushalt für ein paar ordentliche Messekampagnen.“ Da die Gaskonzerne keinen Förderzins mehr abführen müssten, hätte die so um die Gesundheit der Nachbarn besorgte Industrie, etwas mehr Geld für eine seriöse Messung ausgeben können. „So bleibt es wieder nur eine Werbemaßnahme.“

Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle will sich die Ergebnisse, die demnächst im Detail vorliegen, noch etwas genauer anschauen, um seine Schlüsse zu ziehen:. „Fairerweise muss man aber sagen, dass die Messdosen schon an Wohngebäuden angebracht waren, die den Anlagen am nächsten sind. Darum will ich die Studie nicht abwerten, weil ja die Möglichkeit besteht, dass wir uns auf einer falschen Fährte befinden, was die Ursache für die erhöhte Krebsrate in der Samtgemeinde angeht.“ Diese vorab veröffentlichten Ergebnisse seien ein weiterer Mosaikstein auf der Suche nach der Ursache. „Wir werden aber nicht nachlassen und die Untersuchungen des Landes helfen vielleicht wieder ein Stück weiter.“

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