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Im Landkreis ausgestorbener Vogel: Chance für das Birkhuhn

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Von: Wieland Bonath

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Holger Bargemann mit dem Präparat des letzten im Kreisgebiet zum Abschuss freigegebenen Birkhahns.
Holger Bargemann mit dem Präparat des letzten im Kreisgebiet zum Abschuss freigegebenen Birkhahns. © Bonath

Holger Bargemann ist seit jeher von Birkhühnern fasziniert. Der Vogel ist im Landkreis Rotenburg seit fast 50 Jahren ausgestorben. Doch es gibt Hoffnung auf Rückkehr, denn in der Region tauchen sie wieder auf.

Worth – Am 28. April 1974 um 4 Uhr, also vor 48 Jahren, wurde von einem Jäger in der Gemarkung Vahlde der letzte offiziell freigegebene Birkhahn im Landkreis Rotenburg geschossen. Nabu-Mitglied Holger Bargemann (63) aus Worth hat den blau-schwarzen Vogel in Balzpose mit dem markanten halbmondförmigen roten Fleck über den Augen als Präparat mitgebracht. Inzwischen ist das Birkhuhn im Kreis Rotenburg als weiteres Teil der Artenvielfalt ausgestorben. Holger Bargemann glaubt nicht daran, dass Birkhühner künftig Chancen haben, im Landkreis erneut heimisch zu werden. Dazu fehlten inzwischen die passenden Lebensgrundlagen.

Noch vor 50 Jahren hatte der Ornithologe Ludwig Müller-Scheessel die Zahl der Birkhühner im Altkreis Rotenburg mit 265 angegeben. Davon unter anderem in der Gemarkung Stemmen 30 Tiere, 20 in Westervesede, 16 in Wittkopsbostel und 20 dieser Vögel im Raum Fintel.

Inzwischen ist die Birkhuhn-Population im Wümme-Oste-Kreis erloschen. Es gibt im Kreis Rotenburg keine Birkhühner mehr. Bargemann bedauert: „Leider ist nicht damit zu rechnen, dass diese schönen und für unsere Heimat einst typischen Vögel wieder ansässig werden. Ursache dafür ist unter anderem der stärker werdende Tourismus, der oft einhergeht mit Störungen der scheuen Birkhühner.“

Lüneburger Heide wird Lebensraum

Wenige Kilometer entfernt, quasi vor der Haustür, ist die Situation inzwischen positiver. Im Heidekreis, im Naturraum Lüneburger Heide bieten verschiedene Gebiete aufgrund ihrer Struktur, Größe und Abgeschiedenheit noch geeignete Lebensräume. Truppenübungsplätze bei Munster, von Wolfsrudeln in den vergangenen Jahren immer häufiger angenommen, werden zunehmend von Birkhühnern als Lebensraum ausgewählt.

Fast paradox, aber nach glaubhaften Informationen sind in Einzelfällen Birkhühner bis in die Heidedörfer zur Nahrungssuche gekommen. Über längere Zeit, so eine Einwohnerin aus Heber (Heidekreis) sei morgens regelmäßig ein Birkhahn eingeflogen und habe sich in ihrem Garten mit Nahrung versorgt.

Holger Bargemann, bereits seit 47 Jahren Nabu-Mitglied, ist in dem Naturschutzverein nicht nur Eisvogelspezialist, sondern schon als junger Mann von Birkhühnern fasziniert. Er erinnere sich noch deutlich daran, wie er im Ekelmoor bei Stemmen und am Tister Bauernmoor, als dort noch Torf abgebaut worden sei, die Balz von sechs Birkhühnern beobachtet habe. Oder 1975 bei ersten Renaturierungsarbeiten im Großen und Weißen Moor am Bullensee bei Kirchwalsede: „Plötzlich stieg ein Birkhahn auf. Es war der letzte dieser Vögel, den ich mit eigenen Augen gesehen habe.“

800 Paare in Deutschland

„Das“, bedauert Bargemann, „ist allerdings Geschichte. Das Birkhuhn ist im Landkreis Rotenburg ausgestorben.“ In ganz Deutschland betrage der aktuelle Stand dieser streng geschützten Tiere etwa 800 Paare, in Niedersachsen werde ihre Zahl mit circa 250 Tieren angegeben.

Holger Bargemann: „Mein Anliegen ist, die isolierten Restbestände des Birkhuhns in der Heide durch Blutauffrischung aus Schweden zu stabilisieren und eine Inzucht zu vermeiden. Als gelungenes Beispiel will ich die Rhön nennen. Dort gab es nur noch 20 Tiere, die schon längere Zeit keine Küken mehr aufgezogen hatten. In der Rhön haben sich Biologen, Umweltschützer und Vertreter von Behörden zusammengesetzt und beraten, wie sich der Abwärtstrend bei den Birkhühnern stoppen lässt.“

Die zuständigen schwedischen Institutionen, so Bargemann, seien sofort bereit gewesen, die Pläne in der Rhön in den Jahren 2019 und 2020 zu unterstützen und hätten 25 Tiere, 15 Hennen und 10 Hähne, zur Verfügung zu stellen. Diese Birkhühner seien beringt und mit Sendern ausgestattet worden. Auf diesem Wege habe sich nachweisen lassen, dass sich schwedische mit einheimischen Birkhühnern gepaart hätten. Bald danach hätte eine führende Henne mit Küken beobachtet und gefilmt worden. Holger Bargemann: „Ein geglückter Versuch und der Beweis dafür, dass es Wege gibt, um extrem bedrohte Tierarten in ihrem Bestand zu erhalten.“

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