Holger Bargemann aus Worth kümmert sich um Eisvögel / Biotope aus Kartoffelacker

Höhle für „fliegende Edelsteine“

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Nabu-Mitglied und Naturfreund Holger Bargemann an der aus Lehm gebauten künstlichen Nisthilfe für den „fliegenden Edelstein“.

Worth - Von Wieland Bonath. Naturschützer und Ornithologen werden plötzlich zurückhaltend und einsilbig, wenn es um einen sehr seltenen, faszinierenden Vogel geht: den Eisvogel, jenen sperlinggroßen bunt schillernden Kleinfischjäger. So auch der pensionierte Postbeamte Holger Bargemann (56) aus dem winzigen Worth, einem der Wasserdörfer.

Er ist seit vielen Jahren Rotenburger Nabu-Mitglied und wirkt in der Arbeitsgruppe „Eisvogel“ mit. Bargemann hat sich in den „fliegenden Edelstein“, wie der seltene Höhlenbrüter auch genannt wird, richtig verliebt.

Sein Herz gehört allerdings der gesamten Natur, der Tier- und der Pflanzenwelt. Deshalb hat der freundliche Mann vor Jahren auch sofort zugegriffen, als sich die Gelegenheit bot, ganz in der Nähe seines Dorfes günstig zwei insgesamt 13 Hektar große Waldflächen zu erwerben. Sie hat er mit viel Arbeit und Fachwissen in zwei Biotope verwandelt. Mit 60 Nistkästen und einer kleinen Seenlandschaft.

Dort hält sich der Naturfreund fast jeden Tag auf, beobachtet mit dem Fernglas an den klaren Gewässern Eisvogel, Flussregenpfeifer und die zahlreichen Nil- und Kanadagänse. Vor wenigen Jahrzehnten wurden dort noch Kartoffeln angebaut und später Sand abgefahren. Das Grundwasser schuf später die kleinen Seen mit den winzigen Inseln. Der Worther schaut auch immer nach den seltenen Pflanzen, zum Beispiel dem Fleisch fressenden Sonnentau.

An einem Steilufer hatte Bargemann mit Nabu-Freunden eine künstliche Nisthilfe für den Eisvogel angelegt. Eine von 13 Bruthilfen, die bisher im Altkreis eingerichtet wurden. Dieser Ersatz für die immer weniger gewordenen natürlichen Steilufer an fließenden und stehenden Gewässern werden vom Eisvogel gern angenommen.

Dort legt das Weibchen sechs bis sieben weiß glänzende Eier ab, aus denen nach 18 bis 21 Tagen die Jungen schlüpfen. Pro Jahr kommt es bis zu zwei, in Ausnahmefällen sogar zu drei Bruten. Die Population ist stark witterungsabhängig. Geschlossene Eisdecken können den Hungertod des Eisvogels bedeuten. Dann kann er seine spezielle Jagdtechnik, kopfüber und wie ein Pfeil die Wasseroberfläche durchstoßen, nicht ausüben. Deshalb ist dieser außergewöhnliche Vogel so sensibel. Wird er gestört, verlässt das Weibchen seine Kleinen und kümmert sich nicht darum, wenn sie verhungern. Einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Eisvögel vor neugierigen „Naturfreunden“ geschützt werden.

Holger Bargemann muss passen, er kann, was die Zahl der Eisvögel im Südkreis betrifft, keine exakten Zahlen nennen: „Vor drei bis vier Jahren war der Bestand fast komplett eingebrochen. In den beiden letzten milden Wintern hat sich die Population wieder etwas erholt. Es ist immer ein rauf und runter.“

Der Naturfreund bedauert den Strukturwandel mit seinen nachhaltigen Auswirkungen auf die Natur. Besonders die Abnahme der Grünflächen habe einen Teil der Wiesenvögel betroffen: Kiebitz, Brachvogel oder Uferschnepfe seien fast verschwunden.

Hier sei die Politik gefordert, hier müssten, wie in der Vergangenheit, Subventionen gezahlt werden. Den Bauern könne kein Vorwurf gemacht werden. Sie hätten ohnehin um das Überleben zu kämpfen.

Bargemann erkennt die Bemühungen des Landkreises um den Naturschutz, die Schaffung von Schutzgebieten an. Er ergänzt: „Privat und als Nabu-Mitglied habe ich mich entschlossen, vor einigen Jahren zuzugreifen, als sich die Gelegenheit bot, die beiden Flächen für die zwei Biotope zu erwerben.“

Vogel steht auf der Roten Liste

Den Eisvogel, den bunt schillernden Kleinfischjäger, gibt es seit Jahrhunderten in Norddeutschland. Oft vermuten Laien aufgrund seines Aussehens, dass der Vogel aus einer Voliere geflüchtet sei. Er lebt in vielen Teilen der Erde: in Westeuropa, in Indien und Taiwan sowie im Norden bis zum 60. Breitengrad. Der europäische Gesamtbestand wird auf 120 000 Brutpaare geschätzt, davon brüten 4 500 bis 7 000 in Deutschland. In Europa wird seit längerem ein Rückgang beobachtet. Deshalb steht der Eisvogel, der bereits 1973 und 2009 Vogel des Jahres war, auf der Roten Liste.

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