Unter idealen Bedingungen

Hirsch- und Nashornkäfer siedeln sich in Worther Biotop an

Plötzlich tauchen Hirschkäfer (l.) und Nashornkäfer im Biotop auf.
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Plötzlich tauchen Hirschkäfer (l.) und Nashornkäfer im Biotop auf.

Holger Bargemann aus Worth hat nicht schlecht gestaunt, als er die neuen Bewohner seines Biotops entdeckt hat. Dort leben jetzt Hirsch- und Nashornkäfer – zwei selten gewordene Insektenarten. Das Biotop stellt einen idealen Lebensraum für sie dar.

Worth – Das hat Holger Bargemann aus dem kleinen Wasserdorf Worth, seit 47 Jahren Mitglied des Nabu Rotenburg und Spezialist für Eisvögel, lange nicht erlebt: Die Population der „fliegenden Edelsteine”, wie die seltenen und streng geschützten Höhlenbrüter ebenfalls genannt werden, ist zusammengebrochen. Es gibt seit dem vergangenen Winter im Kreis Rotenburg und darüber hinaus so gut wie keine Eisvögel mehr.

Dafür hat der pensionierte Postbeamte und begeisterte Naturschützer Bargemann ein anderes Phänomen beobachtet: In seinem Biotop auf einer 13 Hektar großen Waldfläche mit Mischwaldbestand, darunter alte Eichen und Buchen, entdeckte Bargemann die seltenen Großinsekten Hirschkäfer und Nashornkäfer. Der Naturschützer hat für beides eine Erklärung. Die Natur, so der 62-Jährige, reagiere folgerichtig auf bestimmte Einflüsse.

Bargemann zum plötzlichen, fast vollständigen Verschwinden der Eisvögel: Im Februar habe die etwa 14-tägige geschlossene Schnee- und Eisdecke dazu geführt, dass die Eisvögel plötzlich kein Futter mehr gefunden hätten. Die Population sei zusammengebrochen, die sperlinggroßen bunt schillernden Kleinfischjäger seien „ganz einfach” verhungert. Erst im vergangenen August haben er und zwei ihm bekannte Ornithologen an der Wümme und Wiedau die ersten Eisvögel beobachtet.

„Dadurch, dass der Eisvogel bis zu drei Jahresbruten durchführt”, hofft Bargemann, „werden diese Bestände in den nächsten Jahren hoffentlich wieder ausgeglichen. Ich glaube, dass es bestimmt fünf bis sieben Jahre dauert, um den Eisvogelbestand wieder aufzubauen. Voraussetzung ist allerdings, dass die nächsten Winter einen milden Verlauf haben.”

Etwa 20 Minuten genügten, um am 10. August vergangenen Jahres gegen 16.15 Uhr im Staatsforst Hartwedel, einem der ältesten Waldbestände im Landkreis Rotenburg, unter anderem alte Eichen, Hain- und Rotbuchen zu entwurzeln und Nadelbäume wie Streichhölzer abzuknicken. Eine Windhose hatte große Teile des alten Waldstücks zwischen Hemsbünde, Bothel und Hastedt, ganz in der Nähe von Holger Bargemanns Biotop mit ebenfalls teilweise alten Laubbäumen, weitgehend vernichtet. Die umfangreichen Wiederaufforstungsmaßnahmen im Bereich des Hartwedel sind inzwischen abgeschlossen. Die gepflanzten Bäume benötigen Jahrzehnte, um zur Größe der gefallenen heranzuwachsen.

Der Naturschützer hat inzwischen diese überraschende Beobachtung gemacht: Hirschkäfer, Europas größte Käferart, bis zu acht Zentimeter groß, mit dem charakteristischen „Geweih”, das unter anderem dazu dient, um Rivalen kampfunfähig auf den Rücken zu werfen und die in der Roten Liste als stark gefährdet gelten, tauchten plötzlich in dem Biotop des Nabu-Mitglieds auf. Nie zuvor hatte Holger Bargemann auf seiner von kleinen Teichen durchsetzten Waldfläche Hirschkäfer gesehen.

Das Gleiche gilt für einen anderen Käfer, für den in Deutschland durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützten Nashornkäfer. Die zwischen zwei und vier Zentimeter langen walzenförmigen Käfer mit dem typischen Horn, beim Männchen erheblich ausgeprägter als beim weiblichen Käfer, entwickeln sich über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren als Larven im Erdreich.

Bargemann erklärt das Auftauchen der sehr seltenen Großinsekten in seinem Biotop so: Als in diesem Jahr die Hirschkäfer und Nashornkäfer im Hartwedel an die Erdoberfläche gekommen seien, hätten diese Tiere in dem vernichteten Waldgebiet einen Lebensraum vorgefunden, in dem sie sich nicht hätten orientieren können. Holger Bargemann: „Meiner Meinung nach haben sie sich orientierungslos in diesem angrenzenden Biotop niedergelassen.”

Ein neues Eldorado für Hirsch- und Nashornkäfer am Rande von Worth? Die Häufigkeit der seltenen Käfer auf diesem Fleckchen Erde deutet darauf hin. Die idealen Lebensbedingungen warten hier jedenfalls auf die Groß-insekten: Holger Bargemann bietet das Totholz, das bei dem Tornado im Sommer 2020 auch hier zurückgelassen wurde, quasi als „neue Wohnungen” an.

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