Hemslinger Brockwischenhus erlebt atmosphärisch dichtes Konzert

Thorsten Finner statt König Fußball

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Das Publikum schätzte die Natürlichkeit von Thorsten Finner und seinem Duopartner Jochen Kaiser (r.).

Hemslingen - König Fußball geht vor Kultur – diesen Eindruck mochte zunächst gewinnen, wer am Freitagabend die Nase durch die Tür des nur zu gut zur Hälfte besetzten Brockwischenhuses steckte. Hatte Lokalmatador Thorsten Finner einige Wochen vorher in Scheeßel noch locker den alten Bahnhof gefüllt, so nahm sich die Resonanz mit rund 70 Zuschauern eher bescheiden aus.

Gleichwohl: Diejenigen, die der Musik des Frontmanns der Band Everlaunch („Der ist richtig berühmt!“, wie Profimusikerin Daniela Ziech ein bisschen ehrfürchtig bemerkte), den Vorzug gegeben hatten, wurden nicht enttäuscht. Stimmlich sattelfester als noch beim Release-Gig zu Jahresanfang, hatte der Rotenburger mit Keyboarder Jochen Kaiser aus Verden einen guten Griff getan: Ebenso kongenial wie unaufdringlich setzte er mit kleinen Nebenstimmen Akzente und sorgte für eine echte Bereicherung. Wie beim hingehauchten „Wonderful life“, einem der wenigen Coversongs – dem gab Finner mit seiner melancholischen Interpretation die typisch Finnersche Prägung: Oft nachdenklich, verhalten, wie ein Großteil seiner auf der dänischen Insel Fanö entstandenen „Seaside Stories“, dem ersten Soloalbum. Das kannten wohl die meisten Zuschauer nicht¨– das war anfänglich zu spüren.

Mit direkter Publikumsansprache war das Eis jedoch schon nach wenigen Songs gebrochen: Zu „Stormy Sky“ bekam der nach einem erfüllenden Gig in Hamburg sichtlich entspannte Sänger den geforderten Publikumschor, der Rest des rund eineinhalbstündigen Konzerts glich einem Durchmarsch. Ob die gerade erst dem Bruder vorgespielte, ihm gewidmete Ode „Brotherly Love“ oder Abgehsong „Bearded Man“ – unverkrampfte Ansagen und der Dialog mit den Zuschauern ließen die Finnersche Musik erlebbarer machen.

„Der hat gar keine Starallüren, sondern ist unheimlich natürlich – schon klasse!“, begeisterte sich die Hemslingerin Wienke Depke, die Finners Solopfade bisher nicht verfolgt hatte, „und dank der Ansagen kann man sich gut in die Stücke und ihren Hintergrund hinein versetzen!“

Gänzlich brach das Eis im zweiten Teil des Abends – da hätte es der Coversongs „You’ve got to hide your love“, „Wonderwall“ gar nicht bedurft. Gefeiert wurde auch Everlaunch-Hit „Run Run Run“, der nicht zuletzt wieder einmal dank Wurli-Mann Kaiser neue musikalische Dimensionen auch ohne Band bekam. Und wenn Finner am Anfang des Konzerts noch pseudo-selbstkritisch kokettiert hatte: „Nach 17 Jahren Musik noch nicht richtig singen und Gitarre spielen zu können – macht nichts: Es kommt auf das Gefühl an!“, dann mochte man ihm nach rund eineinhalb Stunden nur beipflichten: In punkto Begeisterung konnte er es mit König Fußball aufnehmen. hey

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