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Heckenpflege in Kirchwalseder Feldmark

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Von: Jens Wieters

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In der Kirchwalseder Feldmark war Dienstag harte und wissenschaftlich fundierte Arbeit angesagt.
In der Kirchwalseder Feldmark war Dienstag harte und wissenschaftlich fundierte Arbeit angesagt. © Wieters

Zwei Tage lang haben sich Bauhof-Mitarbeiter und andere Landschaftspfleger in Kirchwalsede fortgebildet. Sie wissen jetzt, wie Hecken richtig gepflegt werden, um für mehr Artenvielfalt zu sorgen.

Kirchwalsede – Mit einem zweitägigen Seminar zur landschaftsgerechten Heckenpflege haben der BUND Niedersachsen und die Stiftung Kulturlandpflege interessierte Personen, die sich beruflich und privat in der Landschaftspflege engagieren, in Kirchwalsede fortgebildet. Dabei ging es um die Bedeutung von Hecken sowie theoretische und technische Grundlagen fachgerechter Heckenpflege.

Geleitet wurde das Seminar von Björn Rohloff von der Stiftung Kulturlandpflege. Der führt gemeinsam mit dem BUND Niedersachsen die Kurse im Rahmen des Projektes „Eigene Vielfalt – Gemeinsam zum Biotopverbund mit Naturschutz und Landwirtschaft“ durch. Er beantwortet einige Fragen zum Thema.

Jeder, der die Arbeiten beobachtet, denkt sicher: die schönen, gesunden Bäume, warum müssen die weg?

Damit die Sträucher darunter sich stärker entwickeln. Bleiben die Bäume stehen, nehmen sie den Sträuchern Licht und Nahrung. Und genau das ist bei diesem Landschaftselement natürlich nicht gewollt.

Früher wurde nicht nur in heimischen Gärten, sondern auch an Äckern und Feldern mal eben auf Höhe gekürzt. Was machen die Fachleute heute anders und warum?

Die traditionelle Heckenpflege von einst diente sehr oft dazu, die Funktion der Hecken als lebender Zaun sicherzustellen. Durch regelmäßigen Schnitt blieben die Hecken unten dicht und sicherten die angrenzenden Flächen gegen den Übertritt von Vieh. Heute ist diese althergebrachte Funktion weitgehend entfallen und damit auch der regelmäßige Pflegebedarf. Heute werden wegbegleitende Gehölze häufig nur im Sinne der Verkehrssicherheit mit einem Lichtraumprofil versehen, welches auch größeren Fahrzeugen die Durchfahrt ermöglicht.

Wie können private Gartenbesitzer etwas für den Lebensraum Hecke tun?

Durch regelmäßigen Schnitt von Sträuchern werden dichtwüchsige, verästelte Bereiche geschaffen, wo Singvögel gerne ihr Nest anlegen.

Also bieten Hecken den Piepmätzen viel mehr Sicherheit?

In diesen Bereichen ist das Risiko, dass die Gelege den Katzen oder Mardern zum Opfer fallen, viel geringer.

Was sollten die Gartenbesitzer in die Erde stecken als Heckenanpflanzung?

Grundsätzlich sollten heimische Gehölze verwendet werden. Generell kann man bei Nachpflanzungen Sträucher stärker berücksichtigen als Bäume, denn aufgrund der nachlassenden Pflege dominieren in vielen Heckenlandschaften mittlerweile die Bäume über die Sträucher. Typische Heckensträucher in der Norddeutschen Tiefebene sind Weißdorn, Holunder, Pfaffenhütchen, Roter Hartriegel und viele andere mehr.

Dann muss aber auch der Boden mitspielen, oder?

Ein klares Ja! So liebt zum Beispiel der Holunder stickstoffreiche Verhältnisse. Ginster und Hundsrose kommen auf sehr trockenen Standorten zurecht. Der seltene Gagelstrauch wächst auf Moorböden.

Nehmen wir an, meine Hecke ist gut angewachsen. Wie oft sollte sie geschnitten werden?

Das kommt auf das Pflegeziel und die Pflegetechnik an. Wenn Hecken regelmäßig in Form gehalten werden sollen, kommt ein jährlicher Schnitt oder einer alle zwei Jahre infrage. Werden Hecken entsprechend der klassischen Technik „auf den Stock“ gesetzt, dann geschieht dies am besten abschnittsweise, um verschieden hohe Stadien in der Hecke bereitzustellen. Das Intervall beträgt dann je nach Wuchskraft der Hecke am besten sechs bis zwölf Jahre.

Wann ist die beste Zeit, um die Heckenschere anzusetzen?

Der Gesetzgeber schreibt für die freie Landschaft vor, dass Gehölze nur in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 28. Februar geschnitten werden dürfen. Dies ist auch die beste Zeit dafür.

Immer öfter sieht man Höhenunterschiede in den Hecken nach dem fachlichen Schnitt. Was hat es damit auf sich?

Aus Naturschutzgründen wird bei manchen Pflegeeinsätzen ein sogenanntes Wellenprofil in der Hecke angestrebt. Das heißt, dass sich niedrigwüchsige und mittelhohe Bereiche abwechseln, um Insekten und Vögeln möglichst hohe Strukturvielfalt zu bieten.

Haben Sie schon Erfolge verzeichnet mit der richtigen Heckenpflege?

In jedem Fall! Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie sich Hecken nach einem Pflegeschnitt verjüngen, indem frische Triebe im Frühjahr ausschlagen und im unteren Bereich ein dicht verästeltes Blattwerk bilden. Häufig findet man Vogelnester in den Astquirlen, die sich um die Schnittstelle gebildet haben.

Bieten Sie Heckenpflegeseminare für private Gartenbesitzer an?

Unsere Seminare mit der Landschaftspflegeschule und auch die im Rahmen des Projektes „Eigene Vielfalt“ des BUND stehen für alle Personengruppen offen. Allerdings liegt der Fokus nicht auf Gartenpflanzen, sondern auf heimischen Gehölzen in der freien Landschaft.

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