Baumsterben macht Speicherung von Treibhausgasen im Wald schwieriger

Größte Krise seit Jahrzehnten

Joost Renken (l.) verstärkt sehr zur Freude des ersten Vorsitzenden Hans-Jürgen Bostelmann (r.) den Vorstand. Foto: go

Wensebrock - Von Heinz Goldstein. Die Forstwirtschaft steckt bundesweit in einer der größten Krisen der letzten Jahrzehnte. Auch die Waldbesitzer im Kreis Rotenburg haben alle Hände voll zu tun, den Fortbestand ihrer Wälder und der damit verbundenen Wirtschaftlichkeit zu erhalten. Das ist das Fazit der Mitgliederversammlung des Vereins Forstbetriebswirtschaft Kreis-Waldmärkerschaft, die am Freitag in Wensebrock mit 60 anwesenden Mitgliedern über die Bühne gegangen ist.

„Das verregnete Jahr 2017 und die Trockenheit in den zwei darauffolgenden Jahren sowie der Sturm Frederike 2018 sind der Grund unserer Besorgnis“, erklärte der Leiter der Geschäftsstelle des Forstamtes Neuenkirchen, Nils Ermisch. Zunächst habe der Regen und Stauwasser über mehrere Monate dazu geführt, dass vielfach die Feinwurzeln der Bäume starben. Unter diesen Extremereignissen hätten besonders die Fichten und auch viele Buchen gelitten, so der Waldexperte. Hinzu sei es im Jahrhundertsommer 2018 bis in dieses Jahr hinein zu Borkenkäferkalamität (Massenvermehrung) gekommen. Das Insekt setzt sich unter der Borke oder im Holz von Bäumen in selbstgebohrten Gängen fest und pflanzt sich dort fort. Die meisten befallenen Bäume sterben ab.

Auch der Vorsitzende des Vereins, Hans-Jürgen Bostelmann, sprach im Jahresrückblick und dem anschließenden Fazit zur aktuellen Lage der rund 900 Mitglieder mit besorgtem Gesicht über die Krise. Immerhin bewirtschaften die Mitglieder rund 9 000 Hektar Waldfläche in der Region. Er und Ermisch schilderten die aktuelle Situation vor Ort im Detail. Das Revier in Visselhövede war auch in diesem Jahr wieder eines der am stärksten durch Borkenkäfer betroffenen Reviere im gesamten Fortamt. Aber auch in Sottrum und Scheeßel gab es Schadensmeldungen in der Fichte. Durch Unterstützung von geschulten Kräften bei Früherkennung und Bekämpfung des frischen Borkenkäferbefalls sowie Systemen zum Abfangen der Schädlinge soll die Plage eingedämmt werden. Durch Vermeidung von Reinbeständen aus einer Baumart (besonders Fichte), also Mischwald, soll zudem das Risiko des Baumsterbens verringert werden. Die Wettersituation 2020 werde sich entscheidend auf die Reviere auswirken, hieß es auf der Versammlung.

Bostelmann stellte fest, wie wichtig der Wald für die Kompensierung der Treibhausgasemissionen ist. „2017 sind in deutschen Wäldern in der lebenden Biomasse 1,23 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert worden“, legte Bostelman eine Statistik des Bundes vor. Für das Klima bedeute die Zahl, dass das Waldwachstum der Atmosphäre vor zwei Jahren 62 Millionen Tonnen Kohlendioxid entzogen hat.

Joost Renken wird sich als neu gewähltes Vorstandsmitglied für die Waldbesitzer der Region gemeinsam mit Hans-Jürgen Bostelmann, Jochen Lange (Vizevorsitz), Sandra Intemann (Rechnungsführerin), Hannes Wilkens (Schriftführer) sowie Bernd Tewes (Beisitzer) einsetzen. Das war das Ergebnis der Vorstandswahlen während der Versammlung.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Viele tote Urlauber bei Vulkanausbruch in Neuseeland

Viele tote Urlauber bei Vulkanausbruch in Neuseeland

„Hello Abstiegskampf, my old friend“ - die Netzreaktionen zu #SVWSCP

„Hello Abstiegskampf, my old friend“ - die Netzreaktionen zu #SVWSCP

Gutachten: Berliner Mietendeckel nicht verfassungswidrig

Gutachten: Berliner Mietendeckel nicht verfassungswidrig

Hartes Ringen bei UN-Klimagipfel - Thunberg nutzt Medienhype

Hartes Ringen bei UN-Klimagipfel - Thunberg nutzt Medienhype

Meistgelesene Artikel

Der Tiger wechselt das Revier

Der Tiger wechselt das Revier

Ausschuss kippt Haushaltsentwurf

Ausschuss kippt Haushaltsentwurf

Die Gemeinden im Wachstum

Die Gemeinden im Wachstum

Für mehr Zivilcourage

Für mehr Zivilcourage

Kommentare