Gebete auf dem Acker gegenüber der Exxon-Betriebsanlage in Bellen

Gemeinsam mit Gott zum Ziel

Pastor Ralf AltebockwinkeL (v.l.), Wilfried Wildeboer, Werner Hagedorn und Thomas Burmester sprachen über den Sinn der Rotenburger Gebete. Foto: Goldstein
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Pastor Ralf AltebockwinkeL (v.l.), Wilfried Wildeboer, Werner Hagedorn und Thomas Burmester sprachen über den Sinn der Rotenburger Gebete.

Brockel - Die Fronten zwischen Erdgasförderunternehmen wie unter anderem „Exxon Mobil“ und Bürgern des Landkreises Rotenburg, die eine Gefahr für ihre Gesundheit durch Fracking befürchten, haben sich immer weiter verhärtet. Einen Kompromiss, mit dem beide Parteien leben könnten, gibt es zurzeit noch nicht. Seit einem Jahr hat die Bürgerinitiative (BI) „Frackloses Gasbohren“ im Landkreis auch die Pastoren örtlicher Kirchengemeinden bei einigen Aktionen gegen das Fracking mit an Bord.

Diese gemeinsamen Veranstaltungen des Ökumenischen Arbeitskreises und der BI unter dem Titel „Rotenburger Gebete – Schöpfung bewahren“ erfüllen einen wichtigen Zweck, so die Veranstalter. „Sie sind eine besondere Art und Weise, auf die Dringlichkeit des Themas aufmerksam zu machen“, sagt Wilfried Wildeboer, Mitglied der BI. „Wir informieren und beten an den Punkten, wo es unter den Nägeln brennt“, führt Werner Hagedorn, BI-Mitglied und Pastor im Ruhestand, weiter aus.

Im Gespräch mit Pastor Ralf Altebockwinkel von der Kirchengemeinde Brockel, Hagedorn und Wildeboer sowie dem Förster Thomas Burmester aus Bellen, erklären die Mitgestalter der „Andacht“ in Bellen, worüber sie am Sonntag ab 14.30 Uhr informieren wollen, was gerade an diesem Ort für sie so besorgniserregend ist und wie und warum Gott ins Spiel kommt.

„Ich bin seit zwei Jahren Pastor in Brockel und komme durch den nahezu täglichen Kontakt mit den Gemeindemitgliedern am Thema nicht vorbei. Ob im TV, Radio oder Printmedien – Erdgasbohrung ist hier allgegenwärtig“, erklärt Altebockwinkel. Viele Bürger seien deshalb in großer Sorge. „Als Kirche haben wir eine gewisse Verantwortung gegenüber Gott und den Menschen. Wenn wir Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde anbeten, können wir im täglichen Leben nicht tatenlos zuschauen, was durch Menschenhand hier mit der Umwelt passiert.“ Auf der einen Seite seien die Verbraucher, die durch Abnahme von Erdgas Unternehmen unterstützen und auf der anderen Seite die Lieferanten, die für sich das Optimum an Gewinn erreichen wollen. „Irgendwie sind wir alle, Verbraucher und Energiekonzerne, an diesem Konstrukt beteiligt.“

Wichtig sei die Transparenz der Konzerne über Förderung, Pannen und Umweltfaktoren. „Unser Glaube fordert uns auf, auf diesem Gebiet die Augen offenzuhalten.“ Der Pastor fühle sich aufgefordert, die BI zu unterstützen und auf Missstände, die er erkennt, hinzuweisen. Der Glaube fordere gerade von ihm aktives Handeln. Doch was kann Gott tun, um auf die Situation einzuwirken? Eine Frage, auf die der Pastor gleich eine Antwort weiß: „Schon allein dadurch, dass wir uns dort hinstellen und Gott mit ins Spiel bringen, kommt eine weitere wichtige Komponente mit in die Diskussion. Wir Christen sind alle für unser Handeln vor Gott verantwortlich.“ Der Pastor ist sich sicher, dass Gott zu jedem Einzelnen in irgendeiner Weise in Kontakt tritt – ob über das Gewissen oder durch eine Motivation, die anstachele, in bestimmter Art und Weise zu handeln.

Durch die Rotenburger Gebete werden Leute aufgerüttelt, die aktuelle Lage zu erkennen und sich sachlich in die Diskussion einzuklinken. Auch unter den Exxon-Mitarbeitern seien Christen, die darüber nachdenken sollten oder es bereits tun, ob sie auf dem richtigen Weg sind. „Das muss jeder für sich selbst ausmachen. Darüber mag ich nicht urteilen oder gar darüber richten.“

Ihm sei aber auch eines wichtig: „Während meiner Predigt in Bellen werde ich nicht anklagen, sondern mich an das Bibelwort ,Ihr sollt nicht richten’ halten.“ Denn es gehe ihm darum, die Situation, so wie sie ist, darzulegen und die Sorgen der Beteiligten zur Sprache zu bringen – aber niemanden zu verurteilen. Er könne nur einen Finger auf bestimmte Wunden legen.

Der „weltliche“ Redner am Sonntag ist Thomas Burmester. Er wohnt in der Nähe der Exxon-Anlage in Bellen und ist einer der betroffenen verunsicherten Bürger. Er sieht eine Gefahr für seine Gesundheit durch den Bau einer geplanten Reststoffbehandlungsanlage. Für deren Auslastung sollen Rückstände der Erdgasförderung aus einem Umkreis von maximal 60 Kilometern nach Bellen gebracht werden. Dabei handelt es sich nach Exxon-Angaben um Reinigungs- und Filtratwasser, feste Reststoffe und Bauteile von Wartungsarbeiten.

Die Baugenehmigung habe das Landesbergamt (LBEG) erteilt, erklärt Hagedorn den Kern der Aufregung. So harmlos sei die Situation aber nicht, erklärt Burmester und spricht über seine Befürchtungen als Anwohner der Region. Nun sei der Ausbau des Betriebsgeländes aber in aller Munde. Gegen den Bau haben die Samtgemeinde Bothel, die Gemeinde Brockel, der BUND sowie eine Gruppe von Anliegern mittels einer renommierten Anwaltskanzlei Widerspruch eingelegt. So auch Burmester, der als Betroffener die Gefahr nicht vor seiner Haustür haben möchte.

„Ich stehe als Förster der Natur sehr nahe und habe ein Gefühl für Gefahren, die der Natur drohen“, sagt Burmester. Zurzeit bestehe zwar keine akute Gefahr, aber er habe Angst, dass etwas passieren kann. Es seien in der Vergangenheit Gefahren durch Leckage und Kontanminierungen des Bodens an anderen Stellen nachweislich vorgekommen, argumentiert er. „Wenn der Abfall der Erdgasgewinnung oder die verunreinigten, teilweise kontaminierten Werkteile aus dem gesamten Elbe-Weserdreieck kommen, steigt die Gefahr, dass dabei mehr passiert als bereits geschehen.“ Bisher sei die Reinigung dezentral an Ort und Stelle der Gasanlagen durchgeführt worden.

Zurzeit ist in Bellen an Hand von Bohrungen und Messungen festgestellt worden, dass dort noch alles in Ordnung ist. Das soll so bleiben. Als Mitglied der BI haben Burmester und weitere Mitglieder auf verschiedenen Wegen versucht, dagegen anzukämpfen. Die erwähnte Klage läuft. Nun will er mit seiner aktiven Teilnahme bei den Gebeten als Sprecher der IG und Förster die Menschen für díe Themen Fracking und mögliche Gefahren durch die Reststoffbehandlungsanlage sensibilisieren.

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