Behörden sperren Reinigungsanlage der Gasindustrie / Exxon betont Sicherheit

Gefahr nicht ausgeschlossen

Der Betriebsplatz im Heidekreis: Geeignet, um hochgiftige Stoffe aufzufangen? - Foto: Reinhard Vorwerk

Bellen/Neuenkirchen - Ein neuer Skandal beim Thema Erdgasförderung in der Region? Der Verdacht steht im Raum, dass auf einem Betriebsgelände der Firma Arens Rohrsysteme in Neuenkirchen-Brochdorf (Heidekreis) Rohre illegal gelagert und gereinigt wurden, die stark mit Giftstoffen belastet sein können – mit möglicherweise gravierenden Folgen für die Umwelt. Das Thema beschäftigt seit einigen Tagen mehrere Verwaltungen und Aufsichtsbehörden.

Ins Rollen gebracht hat das Ganze Andreas Rathjens, Umweltaktivist aus Sittensen und nach eigener Aussage seit Jahrzehnten kritischer Beobachter der Erdgas- und Erdölförderaktivitäten in der Region, insbesondere im Förderfeld Söhlingen, das sich auch auf das Neuenkirchener Gebiet erstreckt. Sowohl die Böhme-Zeitung als auch der NDR hatten das Thema aufgenommen und bereits darüber berichtet.

So heißt es vom NDR-Magazin „Markt“, an den Rohren, die nach der Förderung gereinigt werden müssten, entstehen Krusten, die giftiges Quecksilber sowie Radium 226 enthalten können. Die Rohre müssten gereinigt werden, damit Ablagerungen nicht das Rohr verstopfen – eigentlich unter strengen Umweltschutz- und Sicherheitsmaßnahmen. Doch die hätte die Anlage nicht erfüllt.

Bisher an Standorten im Nachbarkreis Rotenburg zu finden, habe die Arens GmbH seit 2015 eine Betriebsstätte zwischen Brochdorf und Delmsen im Heidekreis, so die Böhme-Zeitung. Dort werde Bohrstellenmaterial gereinigt – teilweise ohne Einhaltung der Sicherheitsvorgaben, heißt es von Aktivist Rathjens. Statt aus einer Auffangwanne „wie auf einer Tankstelle“ bestehe der Bodenbelag überwiegend aus Schottersteinen, durch die gefährliche Stoffe in den Untergrund gelangen. Das sei problematisch, zumal sich wenige hundert Meter entfernt der Förderbrunnen der Wasserversorgungsanlage Delmsen befinde.

Und tatsächlich bestätigen die Behörden, dass der Betriebsplatz nicht beim Gewerbeamt angemeldet war. Das Gewerbeaufsichtsamt Celle habe demnach den Heidekreis über die Beschwerde zu möglichen Missstände auf dem Firmengelände informiert, so Landkreissprecher Andreas Pütz. Daraufhin hätten Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde dort eine Kontrolle durchgeführt. Pütz: „Vor Ort findet demnach eine Reinigung von Rohren und Armaturen in einer Waschwanne statt, die nach erster Einschätzung die allgemeinen Grundsätze des vorsorgenden Umweltschutzes nicht erfüllt.“ Die Konsequenz: „Aufgrund der potenziellen Gefährdung hat der Heidekreis die ungenehmigte Nutzung untersagt.“ „Daran halten wir uns natürlich“, versicherte Unternehmenssprecher Lothar Harders auf eine Anfrage der Böhme-Zeitung. Seit Eingang der Anordnung werde dort kein Bohrgerät mehr gereinigt.

Der demnach bislang illegal arbeitende Betrieb reinigt laut NDR auch im Auftrag des in der Region maßgeblichen Mineralölkonzerns „ExxonMobil“. Es seien Rohre gefilmt worden, die den Namen der Exxon-Erdgasbohrstelle Söhlingen Ost Z8 tragen. Aus der Exxon-Betriebszentrale in Bellen wurde die Zusammenarbeit bestätigt. Es gebe aber strenge Kriterien für die Partnerfirmen. Wenn der Reinigungsplatz nicht ordnungsgemäß angemeldet sei, stehe es außer Frage, dass das „formal nicht in Ordnung“ ist. Allerdings sei die Frage, ob auch Giftstoffe ausgetreten sind, eine ganz andere. Eine Umweltgefahr lasse sich nicht direkt ableiten. Derzeit spreche noch nichts dagegen, die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen aus Saterland (Kreis Cloppenburg) zu beenden. Ob es sich um zu reinigende Rohre gehandelt habe, die ab dem kommenden Jahr in der neuen, eigenen Aufbereitungsanlage behandelt werden, lässt Exxon offen. Detaillierter werde man sich, „vor dem Hintergrund, dass voraussichtlich formelle Verfahren gegen die Firma Arens Rohrleitungsbau eingeleitet werden“, nicht äußern.

„Der Betrieb ruht vorerst“ , heißt es von der Firma Arens. Von Ruhe auf dem Betriebsgelände könne nach Aussage Rathjens‘ allerdings keine Rede sein. Seit einigen Tagen gebe es dort regen Lkw-Verkehr. Dabei würden bei der Erdgasförderung eingesetzte Gerätschaften zu anderen Standorten der Firma im Bereich Söhlingen/Bothel gebracht – „um sie dort zu reinigen“, ist er sicher. - mk

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