Meyn hofft auf Nachahmer

Für mehr Artenvielfalt: Hemslinger pflanzt Hecke auf seinem Acker

Henry Meyn und Sabine Holsten auf ihrer Ackerfläche in Hemslingen.
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Henry Meyn und Sabine Holsten haben eine 610 Meter lange Hecke auf einem Teil der Ackerfläche gepflanzt.

Hemslingen - Henry Meyn geht einen anderen Weg als viele seiner Berufskollegen. Denn statt jeden Quadratmeter seiner landwirtschaftlichen Flächen für Ackerbau und Viehzucht zu nutzen, hat er auf gut 3 000 Quadratmetern eine Hecke aus heimischen Gehölzen gepflanzt, die spätestens im übernächsten Jahr, „wenn alles so richtig angewachsen ist“, für mehr Artenvielfalt auf seinem Acker in Hemslingen sorgen soll.

Und das nicht etwa am Rand des riesigen Feldes am Heideweg, sondern mittendrin und bis hinunter zum Trochelbach, der dort noch recht schmal ist.

„Na klar, der Pächter war nicht unbedingt erfreut, dass er jetzt einige Kurven mehr beim Säen und Ernten fahren muss. Als Grundeigentümer haben wir aber eine Verpflichtung zum verantwortungsvollen Handeln zum Wohle der Allgemeinheit“, sagt der Hemslinger Landwirt, der ebenso wie seine Frau Sabine Holsten als Mitglied bei den Grünen im Bereich der Samtgemeinde Bothel aktiv ist.

Natürlich haben Meyn und Holsten die 1 000 Pflanzen in drei Reihen, die insgesamt 610 Meter lang sind, nicht allein gepflanzt, sondern eine Fachfirma hat die Arbeit mit Spezialmaschinen übernommen. „Das hat rund 4 000 Euro gekostet, ist aber besser investiert, als das Geld zur Bank zu bringen“, sagt Sabine Holsten, die auch vom Naturschutzamt des Landkreises und über weitere Töpfe einige Fördergelder eingeworben hat.

Ein großes Übel – auch für die Landwirte selbst – sei für die Grundeigentümer, wenn sie aus finanziellen Gründen gezwungen würden, das Letzte aus den Flächen herauszuholen. „Das gilt auch für ehemalige Landwirte oder deren Erben sowie auch Aufkäufer, die nicht aus der Landwirtschaft kommen“, betont Holsten. Das sogenannte Landgrabbing gebe es nämlich nicht nur in Afrika und in den neuen Bundesländern, sondern „auch hier bei uns. Ich persönlich weiß zumindest von Einzelfällen“, so Holsten, die gemeinsam mit ihrem Mann per Hand gemulchtes Laub zwischen den Pflanzreihen verteilt hat, damit der Wind den Boden nicht zu sehr austrocknet und den Büschen damit die Nahrung nimmt.

„Wenn wir wieder Strukturen schaffen, die auch in der Landwirtschaft eine Vielfalt entstehen lassen, gewinnen wir alle. Nicht nur in Bezug auf die Ästhetik. Gegliederte Landschaften mit den verschiedenen Ökosystemen nützen auch dem Bewirtschafter“, betont Henry Meyn. Leider sei diesbezüglich noch nicht so viel Verständnis vorhanden. Viele Landwirte seien noch in den alten Denkmustern gefangen, die ihnen jahrelang vorgebetet worden seien. Holsten: „Zu oft herrscht noch das Muster vor: Umwelt- und Naturschützer gegen die Landwirte.“ Dass es auch anders sein könne, werde auf vielen Flächen der Region eindrucksvoll demonstriert. „Zumal jeder einzelne Landwirt selbst beeinflussen kann, was auf seinen Flächen geschieht. Hecken wegreißen, Bäume fällen, Zerfleddern von Baum und Buschreihen gehören jedenfalls nicht dazu“, unterstreicht Sabine Holsten.

„Wir möchten den Flächeneigentümern und Pächtern einen Grund zum Nachdenken liefern und mit unserer Pflanzaktion ein Beispiel geben, dass Landwirtschaft und Naturschutz auch harmonieren können“, begründet Meyn, der auf Nachahmer hofft.

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