Kommunalwahl im September

Frau mit vielen Zielen: Hornhardt will Landrätin werden

Dr. Gabriele Hornhardt lehnt an einer Kanone.
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Sie will zwar nicht aus ihrem Garten mit Kanonen auf Spatzen schießen, aber Landratskandidatin Dr. Gabriele Hornhardt hat klare Vorstellungen von politischer Arbeit, bei der immer das Gemeinwohl Priorität habe.

Kurz vor Fristende hat Gabriele Hornhardt ihre Kandidatur für den Landratsposten eingereicht. Die Kirchwalsederin ist keine Unbekannte in der Politik im Landkreis, eckt gerne mal an. Sie möchte sich mehr für den Umweltschutz einsetzen, erläutert sie.

Kirchwalsede – Nein, der junge Reiher, den Gabriele Hornhardt im vergangenen Winter mit „Fisch vom Aldi“ aufgepäppelt hat und der ihr jetzt „zum Dank“ die ganzen Frösche aus dem Naturteich klaut, war es nicht, der die Kirchwalsederin politisch zum Umdenken bewegt hat. „Es war das große Ganze. Es geht darum, dass wir mit unserer Umwelt nicht mehr so weitermachen können wie bisher“, sagt die Frau mit dem in der politischen Altherren-Riege eher als streng konservativ bekannten Nachnamen und dem Doktortitel vorne weg.

Und weil es ihr um alles geht, will sie am 12. September zur Landrätin des Landkreises Rotenburg gewählt werden – als Kandidatin ohne Parteibuch in der Tasche, aber mit der Rückendeckung der Grünen und natürlich der „Bürgerliste Kirchwalsede – Deine Meinung zählt!“ (BLM), für die sie auch für den Gemeinderat Kirchwalsede, den Kreistag und den Samtgemeinderat Bothel kandidiert.

„Von den großen Parteien fühle ich mich den Grünen politisch auch am nächsten“, sagt die 63-Jährige, die aus einer CDU-Familie stammt. „Mein Vater Fritz-Alexander Hornhardt hat uns Kinder schon früh mit der kommunalen Politik vertraut gemacht. Aber aufgrund seiner fast unzähligen Ämter war er selten Zuhause. Aber natürlich hat er mich entscheidend geprägt“, betont die Juristin im Straf- und Verwaltungsrecht, die seit 1989 in der Verkehrsverwaltung des Bundes tätig ist.

Aus altem CDU-Haus

Dass der Vater oft am Abendbrottisch fehlte, sei aber im ganzen Trubel untergegangen, denn „wir haben quasi in dem Kinderheim gelebt, das meine Eltern nach und nach in Kirchwalsede aufgebaut haben.“ Privatsphäre habe es zu Beginn kaum gegeben. Aber durch das Erleben der Pädagogik der Erzieher habe sie auch den Blick auf das Gemeinwohl schärfen können, dem „mein Vater sich mit Haut und Haaren verschrieben hatte“. So sei ihr der Weg in die Union faktisch in die Wiege gelegt worden: „Es war einfach klar, zur CDU zu gehen.“

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In Hannover habe sie sich bei den Ortsverbänden der Christdemokraten engagiert, bis dann erste Zweifel kamen, „als der damalige Ministerpräsident Christian Wulff das Blindengeld zunächst gekürzt und dann gänzlich abgeschafft hat. Das fand ich damals zutiefst unsozial, bei den Schwächsten zu sparen. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die jemanden einen anderen Weg einschlagen lassen.“

Dennoch blieb Hornhardt noch einige Jahre in der CDU, saß sogar im Rotenburger Kreistag, habe sich aber immer mehr von der Partei entfernt. „Es war eine regelrechte Entfremdung, weil nie ergebnisoffen diskutiert wurde, sondern die Entscheidungen von den Altvorderen vorgegeben wurden.“ Die Frauen in der Partei hätten immer ein „bisschen mitregieren“ dürfen, aber richtig zu sagen hatten sie nichts“.

Es war eine regelrechte Entfremdung, weil nie ergebnisoffen diskutiert wurde, sondern die Entscheidungen von den Altvorderen vorgegeben wurden.

Gabriele Hornhardt

2015 folgte der große Knall mit dem Austritt aus der CDU, der für viel Wirbel gesorgt hatte. „Aber ich lasse mich halt nicht verbiegen, bleibe authentisch und lasse mir nicht den Mund verbieten“, stellt die Hobbyreiterin klar, die die Pflege ihrer Ponys als Ausgleich für die politische und berufliche Arbeit betrachtet.

Dass ihr aufgrund ihrer häufig resoluten Art das Image anhaftet, eine schlechte Verliererin zu sein, will die frühere Rotenburger Ratsgymnasiastin so nicht stehen lassen: „Ich akzeptiere jedwede politische Entscheidung, die demokratisch gefasst worden ist. Aber sie muss auch immer auf einer rechtlichen Grundlage basieren und nicht im Nachhinein legitimiert werden, weil zum Beispiel Bauvorhaben doch erheblich teurer und von den entscheidenden Gremien mal einfach nebenbei durchgewunken werden. Man braucht halt ein Mandat.“

So zu denken verstehe sie auch nicht als Paragrafenreiterei, sondern sie sei ein Mensch, der für sein Handeln, „vor allem für das politische“ immer Recht und Gesetz im Auge habe. Fünfe auch mal gerade sein zu lassen, sei nicht wirklich ihr Ding: „Eine Vier ist nun mal eine gerade Zahl und eine Fünf nicht“, sagt die Frau, die sich als „sehr sozial eingestellt“ einstuft und unter anderem auch darum auch Mitglied im Kirchwalseder DRK ist, und die es „gerne“ mag, im Garten oder auf der Weide körperlich hart zu arbeiten.

Landkreis ist ihr zu groß

Gleich an die Ponyweide grenzt ein Carport, „in dem wohl schon bald ein Elektro-Auto“ stehen wird. Ein Thema, dass sie im Falle einer erfolgreichen Wahl ganz nach oben auf die Agenda stellt. „Ich finde, Kommunen müssen gerade beim Klimaschutz vorangehen, ihre Fahrzeugflotten auf Elektroantriebe umstellen oder auch kommunale Flächen mit Fotovoltaikanlagen bestücken. Das macht das Thema auch bei den Bürgern des Landkreises populärer.“

Der ist ihrer Ansicht nach sowieso „zu groß“ dimensioniert. Aber weil auch sie als mögliche Landrätin daran wohl so schnell nichts ändern kann, schwebt ihr vor, die einzelnen Städte und Gemeinden näher zusammenzubringen, damit der Visselhöveder weiß, was gerade in Gnarrenburg Gesprächsthema ist und auch andersherum. „Das könnte digital auf einer neuen Landkreis-Homepage viel besser funktionieren“, so die Mutter eines erwachsenen Sohnes, die aber als Single in dem hübschen Backsteinhaus mit dem hungrigen Reiher am Teich am Rande Kirchwalsedes lebt.

Und ihre Prognose für das eigene Abschneiden am 12. September: „Manchmal sind Wahlen wirklich wahre Wundertüten und warum sollte die Überraschung nicht tatsächlich aus Kirchwalsede kommen?“

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