Forstoberrat Jürgen Cassier ist froh über Renaturierung / Arbeit trägt Früchte

Das Moor lebt wieder

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Jürgen Cassier am größten der fünf Kolke: Der Leiter des Amtes für Naturschutz und Landschaftspflege ist mit dem Erreichten zufrieden.

Kirchwalsede - Von Wieland Bonath. „Immer wieder gehen wir diesen schönen Weg. Bewundert die Welt.“ Das hat Ende November ein Paar in das Gästebuch auf dem Aussichtsturm am Moorerlebnispfad im Naturschutzgebiet „Großes und Weißes Moor“ bei Kirchwalsede geschrieben. Einen Monat später sind wir zusammen mit dem Leiter des Amtes für Naturschutz und Landschafts- pflege, Forstoberrat Jürgen Cassier, ebenfalls in diesem Bereich.

Der Kreisbeamte, der im März kommenden Jahres in den Ruhestand tritt, der die Wiedervernässung und damit die Renaturierung der Moore im Wümme-Kreis zu einem besonderen Anliegen seiner 29-jährigen Rotenburger Dienstzeit gemacht hat, will am Beispiel des „Großen und Weißen Moores“ Bilanz ziehen. Eine Arbeit zusammen mit vielen anderen, die jetzt Früchte trägt.

Verwaltung und Politik des Landkreises standen und stehen im Wesentlichen auf der Seite der Naturschützer. Aber Cassier weiß auch: „Wir haben noch erheblich zu tun in Sachen Moorschutz. Die Ausweisung als Naturschutzgebiete kann die erforderliche Wiedervernässung von Mooren unterstützen, entscheidend ist jedoch die möglichst konfliktfreie Anhebung des Wasserspiegels im Moorkörper. Dies wird in der Regel nur möglich sein, wenn sich die Grundstücke in öffentlicher Hand befinden.“

Ziel bleibe, die Zahl der wichtigen Naturschutzgebiete zu erhöhen. Für den Erwerb von weiteren Grundstücken habe der Kreis in seinem neuen Haushalt 200000 Euro zur Verfügung gestellt, darüber hinaus Ersatzgelder von 1,4 Millionen Euro. Dazu komme die Beteiligung des Landes. Jürgen Cassier geht „mit einem guten Gefühl“ in Pension: Die Wiedervernässung habe wie im „Großen und Weißen Moor“ dazu beigetragen, die Natur wieder in die Waage zu bringen und auf den richtigen Weg zu führen.

Cassier schlägt den großen Bogen zur Klimakonferenz in Paris: „Dort hat jedes Land bemerkt, dass wir alle betroffen sind. Wir können also den Bereich des Moorschutzes beim globalen Klima nicht ausklammern – drei Prozent der Erde sind Moor- und Sumpfgebiete, von denen global 30 Prozent Kohlenstoffreserven gebunden werden. „Zum Klimaschutz gehört auch die aktive Vernässung der Moore.“

Damit sind wir wieder vor Ort im jungen Naturschutzgebiet „Großes und Weißes Moor“, wo die ersten Rettungsmaßnahmen für eine einmalige Natur mit den fünf seltenen Kolken auf die 50er Jahre zurückgehen.

Heute ist dieses Naturschutzgebiet mit dem Großen und Kleinen Bullensee am Rande, 438 Hektar groß, FFH-Gebiet und eines der am besten erhaltenen Hochmoore Nordwestdeutschlands. Ein Bereich mit lebendem Hochmoor und stillen Moorwäldern, längst ein Geheimtipp von Naturfreunden und das nicht zuletzt aufgrund des Wanderwegesystems, das in Zusammenarbeit mit dem Nabu als Moorerlebniszone angelegt wurde.

Das führt um das Naturschutzgebiet mit Abstechern zum Fuhlbach. Dorthin, wo zu Beginn der Wiedervernässung der Moorwasserabfluss unterbrochen wurde: Eine regulierende Maßnahme, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Es geht vorbei an Handtorfstichen, wo die Bauern einmal ihr Brennmaterial und Streu für die Tiere holten, vorbei an einer Heidefläche, die von einem Hirten mit Schafen und Ziegen gepflegt wird. Es geht weiter zum Aussichtsturm, über den Knüppeldamm und vorbei an den Informationstafeln.

Das Moor lebt: In dem kleinen Wasserlauf gluckst es, Methangas steigt auf. In der Nähe, umgeben von Birken, eine kleine Fläche, die den Besucher das „schaukelnde“ Moor unter den Schuhen spüren lässt. Nicht weit davon entfernt eine abgestorbene Kiefer, die, wie alles in diesem Naturschutzgebiet, nicht „weggeräumt“ werden darf. Im Frühjahr wird dort wieder Wollgras blühen und Sonnentau auf Insekten warten. Wasservögel schwimmen in der „Tabuzone“, auf dem sensiblen Bereich dieser etwa einen Meter tiefen Kolke, die über alten versandeten Seen liegen.

Jürgen Cassier nennt diejenigen, durch die das alles erreicht worden sei, „verständnisvolle Chefs und Politiker, begeisterte Mitarbeiter und ehrenamtliche Naturschützer und Bürger die wissen, dass es nur gemeinsam mit der Natur geht“.

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