Bei Gewitter umgestürzte Bäume werden in Hemsbünde für Markt vorbereitet

Erst ein Sturmschaden, bald ein Möbelstück

Säge zerteilt bei Feldmeyer eine Eiche.
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In Hochgeschwindigkeit sägt die große Bandsäge die blau markierten Stämme in dicke Bretter.

Hemsbünde – Die mächtigen Naturgewalten des Gewittersturms in der Samtgemeinde Bothel haben im vergangenen Sommer etliche alte Eichen in wenigen Minuten umstürzen lassen. Nun sind die Laubbäume im Sägewerk Hinrich Feldmeyer bei den Spezialisten für europäisches Laubholz in Hemsbünde weiterverarbeitet worden.

„Noch nie habe ich in so kurzer Zeit, in ganz wenigen Stunden, so viele Festmeter Holz – nämlich 1 000 – direkt vor der Haustür eingekauft. Dabei bin ich aber schon 30 Jahre im Holzeinkauf tätig“, erinnert sich Geschäftsführer Jan Stoll. Im hochmodernen Sägewerk, das Anfang 2019 nach einem aufwendigen Neubau den Betrieb wieder aufgenommen hatte, dauert es nur einige Sekunden, bis die dicken Eichenstämme in 52 Millimeter starke Brettern geteilt werden.

Gekonnt mit geschultem Blick bedient Kolja Brosig die Steuerungsknüppel im Sägestand wie bei einer Playstation. Schon schnappt die Anlage nach dem Knopfdruck den nächsten tonnenschweren Stamm der Hastedter Eiche, und der Schlitten rollt am riesigen Sägeblatt vorbei, bis die dicke Planke auf das Förderband rutscht, um zur Stapelanlage weitertransportiert zu werden. Die Größe der Eichen sei für die Anlage noch zu bewältigen gewesen. Bei einem Meter Durchmesser sei Schluss mit der Beförderung auf den Bändern. Eigentlich würden aber meistens nur bis 80 Zentimeter dicke Bäume verarbeitet.

Das Hartholz bleibt danach aber noch mindestens zwei Jahre in Hemsbünde. Es ist noch nass und muss vor der Weiterverarbeitung trocknen. Deshalb liegen die Bretterstapel zunächst auf der riesigen Lagerfläche des Werks. Die Unmengen von Holz, die auf diese Weise an der Luft trocknen, lassen sich von der Bundesstraße aus erkennen. Nach zwei Jahren wird dem Holz etwa vier Wochen lang die Restfeuchte in großen Trockenkammern entzogen..

In mühseliger Handarbeit werden die Metallstücke aus den Stämmen herausgearbeitet, zeigt Jan Stoll.

Insofern hatten die Waldbesitzer aus dem vom Sturm getroffenen Flächen in Hastedt, Worth, Bothel und Hemsbünde noch Glück im Unglück, weil mit dem Betrieb Feldmeyer ein kompetenter Spezialist vor Ort ist, der in seinen Trockenkammern auch diesen harten, aber empfindlichen Rohstoff für die Möbelindustrie vorbereiten kann. Das Eichenholz sollte bei Auslieferung acht bis zehn Prozent Restfeuchte haben. „Deswegen werden die Eichen sonst nie im Sommer eingeschlagen. Dann stehen sie voll im Saft und sind besonders empfindlich beim Trocknen“, schilderte Stoll. Im Winter habe das Holz nur etwa 60 Prozent Wassergehalt statt ungefähr 90 Prozent in der warmen Jahreszeit. Allerdings konnte Stoll bei der nahen Lage der Stämme zum Sägewerk nicht ablehnen, weil einerseits die Frachtkosten eben sehr gering ausfielen und anderseits die Geschäftsbeziehungen mit den privaten Waldbesitzern über die Firma Waldkonsulting und mit den Landesforsten vertrauensvoll gewachsen seien. „Alle Beteiligen wissen, dass sie den Partner nicht im Regen stehen lassen, auch wenn es mal Hagel und Sturm gibt“, fasste er bildlich zusammen. Denn in Zeiten, wo das Futter für die Sägeblätter knapp werde, kümmerten sich die Vermarkter der hiesigen Waldbesitzer auch um Nachschub für das Werk in Hemsbünde. Auch deswegen setze der Fachmann im Holzmarkt zu 60 bis 70 Prozent auf den Einkauf in Niedersachsen. Im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft setze das Hemsbünder Unternehmen laut Stoll nun nur auf Bäume aus Deutschland und importiere kein Holz aus dem Ausland.

Teures Sägeblatt muss geschützt werden

Bezüglich der Nachhaltigkeit liegt das Sägewerk auch mit seiner Technik voll im Trend der Zeit und betreibt die komplette Trocknungsanlage mit dem Abfall der Entrindungsanlage und der Kappstation. Der Heizkessel werde mit einer Unterschubfeuerung betrieben, wodurch die feuchte Rinde vor den Flammen schon langsam auf dem Vorderband mit der Abwärme getrocknet werde. Auch die Sägespäne gehen an Spanplattenwerke, wie zum Beispiel nach Nettgau wenige Kilometer hinter der Landesgrenze in Sachsen-Anhalt. „Bei uns bleibt so gut nichts übrig von den angelieferten Stämmen“, so Stoll. Oft würde aber bei vielen Stämmen der Metallschrott aussortiert, der sich oft in den Bäumen finden lässt. Dafür hat das Werk vor der großen Säge mit einem wertvollen Bandsägeblatt, das etwa 1 500 Euro kostet, einen leistungsfähigen Metalldetektor geschaltet. Dort fährt das Holz durch. Ein kurzes Piepen und schon rollte der kontaminierte Stamm zur Seite, wo ein Mitarbeiter mit dem Handgerät auf Spurensuche geht und das Altmetall mühsam aus dem Holz herausarbeitet. Sonst werde das sehr schnell laufende Sägeblatt sehr schnell verschlissen, und ein kostspieliger Stillstand könnte die Folge sein, so Stoll. Bei der Charge aus dem Forst bei Bothel gingen die Helfer sogar schon vor Ort auf Spurensuche, weil bekannt war, dass dort im Zweiten Weltkrieg Kampfhandlungen stattgefunden und Granatsplitter im Holz hinterlassen haben. Durch dieses Vorgehen sollten die betroffenen Stämme mit dem Spuren des Krieges gar nicht erst im Werk ankommen.

Nach der Verarbeitung kann das Gewitterholz ganz normal vermarktet werden, und es könnte durchaus sein, dass eine dieser Eichen als massive Tischplatte oder Treppenstufe wieder in die Region zurückkehrt.

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