Erschütternde Bilder

Film über Kindertransporte stößt im Rathaus auf große Resonanz

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Inge Hansen-Schaberg und Matthias Bant begrüßen die Gäste des Filmabends im Rathaus.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Erschüttert und nachdenklich verließen am Mittwochabend die meisten Besucher nach einer Stunde den Rathaussaal. Der Förderverein Cohn-Scheune hatte eingeladen zur Dokumentation „Rettung der Zehntausend – Die Kindertransporte“.

Vor 80 Jahren – die „Reichspogromnacht“ war über Deutschland hinweggezogen, der Zweite Weltkrieg stand bevor – hatten jüdische Eltern die Möglichkeit ergriffen, ihre Kinder vor den Nazis zu retten.

Großbritannien gehörte zu den wenigen europäischen Ländern, die diese Mädchen und Jungen aufnahmen. Am 29. November 1938 verließ der erste Transport mit 196 Kindern den Bahnhof Friedrichstraße in Berlin und weiter über die Niederlande in das rettende Großbritannien. Für die meisten Mädchen und Jungen ein endgültiger Abschied: Ihre Mütter und Väter kamen in den Konzentrationslagern um.

Während ihrer kurzen Begrüßung im voll besetzten Rathaussaal erinnerten die Vorsitzende des Fördervereins, Professorin Inge Hansen-Schaberg, und Beiratsmitglied Dr. Matthias Bantz an die Zeit, als in Deutschland Menschlichkeit und überkommene Werte von politischen Fanatikern weitgehend verdrängt und von blindem Hass abgelöst wurden. Auch heute, warnten beide, sei unter manchen Menschen ablehnendes Verhalten Fremden gegenüber zu beobachten.

Hildegard Cohn

Die Dokumentation über die Kindertransporte nach Großbritannien war vom ZDF im Rahmen der Reihe „History“ gesendet worden: Mehr als 40 Minuten hatten Betroffene und Zeitzeugen das Wort – Tragik, Hoffnung, Hilflosigkeit, Dankbarkeit und Mut wechselten sich ab, verlangten von jungen Menschen in der Obhut schützender Familien, unbekannter Umgebung und ungewisser Zukunft ein besonderes Maß an „Anpassungsfähigkeit“.

Als ältere und alte Menschen berichteten Jungen und Mädchen der einstigen Kindertransporte von ihrem Alltag als jüdische Kinder in ihren „neuen“ Familien. Aktuelle Aufnahmen wurden ergänzt durch historische Bilder, die Mädchen und Jungen bei ihrem Abschied von ihren Eltern zeigen, die sie in den meisten Fällen niemals wiedersehen sollten. 

Erinnert wurde an den britischen Premierminister Chamberlain, an die jüdischen Organisationen und an die christliche Glaubensgemeinschaft der Quäker, denen es unter anderem zu verdanken war, dass es zu den Kindertransporten kam. Die Rettungsaktion jüdischer Kinder und Jugendlicher endete mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 und der Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich.

Ein Teil der Kinder, die einst als junge Juden in das Königreich gekommen waren und Schutz gefunden hatten, beteiligten sich an diesem Kampf, der 1945 mit der deutschen Kapitulation endete. Ein Neuanfang, begleitet von gegenseitigem Sich-die-Hände-reichen. Erinnert wurde am Ende der Veranstaltung an die Rotenburgerin Hildegard Cohn, die jüngste Tochter von Hermann und Gertrud Cohn. Ihr gelang es, nach Großbritannien zu emigrieren. Sie bekam eine Anstellung in einem Heim für Kindertransport-Kinder.

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