Auf Entdeckungsreise

Drittklässler aus Kirchwalsede besuchen Milchproduzenten

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Erste Kontaktaufnahme zu den Rindern auf dem Betrieb Lindhorst.

Süderwalsede - Von Bettina Diercks. Nichts geht über praktische und haptische Erfahrung. Das findet auch die Grundschule Kirchwalsede, die 2010 zur ersten Kneipp-Schule in Niedersachsen wurde. Die dritte Klasse der Bildungseinrichtung hat derzeit das Thema Getreide im Sachkundeunterricht. Da liegt es nahe, gemeinsam mit den Landfrauen einen Vormittag in der Küche zu verbringen und einen mit Landwirten auf dem Bauernhof.

Die Fahrt geht ins benachbarte Süderwalsede zum Hof Lindhorst. Dort warten 200 Kühe der Rasse „Schwarzbunte“ auf die 17 Drittklässler. Die Milchproduzenten machen mindestens genauso große Augen wie die Kinder, die auf dem Hof einiges zum Staunen finden und als erstes das in der Nacht frisch geborene Kalb begutachten dürfen. Kurzerhand wird es „Bella“ getauft.

Vom Kälberstall geht es mit Landwirtin Karin Lindhorst zurück zu dem einen der beiden Boxenlaufställe des Betriebes. Dort dürfen die Kinder den Milchtanklastwagenfahrer Löcher in den Bauch fragen. So erfahren sie, dass er 30 000 Liter mitbekommt und gerade 12 000 Liter auf dem Hof abgeholt hat und sie bei vier bis fünf Grad kühlt. „Wie warm ist die Milch denn, wenn sie aus der Kuh kommt?“, fragt Lindhorst. Von fünf bis 50 Grad ist an Antworten aus dem Kindermund alles dabei. „38 bis 39 Grad hat die Milch, weil sie in etwa die Körpertemperatur der Kuh hat. Damit sie frisch bleibt, wird sie in unserem Tank herunter gekühlt“, erklärt Lindhorst, die anschließend fragt: „Früher hatten alle Höfe ja Schweine, Kühe, Pferde, Hühner, Schafe und Ziegen. Weshalb ist das heute nicht mehr so?“ 

Keine Lust zu Schweinen

Eine kluge Schülerin kommt der Antwort schon recht nahe: „Das wäre zu viel Arbeit und viel zu teuer.“ Die Landwirtin nickt und erklärt: „Wir hatten früher auch Schweine. Den Kuhstall gab es auch schon. Dann sind die Schweinställe alt geworden und wir hätten neu bauen müssen. Das wäre sehr teuer geworden. So wurden es weniger Schweine und dann haben wir noch einen neuen Kuhstall gebaut. Mein Mann hatte keine Lust zu Schweinen und das ist auch eine ganz andere Arbeit als mit Kühen, also haben wir damit aufgehört. Wir wollen das mit den Tieren gut machen. Und das kann man nur gut machen, wenn man eine Art Tiere hält.“

Die Schüler durften eine Tagesration für eine Milchkuh abwiegen.

Der Betrieb Lindhorst hält für die Drittklässler verschiedene Stationen parat: Getreide, Melken, Futter, Kuhstall und in der Küche dürfen die Kinder zum Abschluss selbst Butter schütteln. Etwas, was sie bisher noch niemals zuvor gemacht haben.

Beim Thema Getreide müssen die Kinder auf dem benachbarten Feld eine junge Roggenpflanze ausbuddeln. Nebenbei gilt es, aufmerksam zuzuhören. Denn sie sollen für ihre Fragebogen herausfinden, wie viel Pflanzen und damit Ähren aus einem Korn wachsen und wie viel Körner das am Ende ergibt. Die Lösung liefert Gerd Lindhorst: Ein Roggensaatkorn ergibt fünf bis sechs Ähren mit jeweils 30 bis 40 Körnern.

Kinder legen selbst Hand an

Im Stall müssen die Schüler selber Hand anlegen und eine Tagesfutterration für eine Kuh abwiegen. Gerd Lindhorst hat zuvor erklärt, dass eine seiner Schwarzbunten pro Tag 27 Kilogramm Mais- und 13 Kilogramm Grassilo frisst sowie ein Kilogramm Stroh und etwa anderthalb Kilogramm Getreidemehl.

Auf dem Weg zu den einzelnen Stationen kommt die Schulklasse an Thermometer und Regenmesser vorbei. Karin Lindhorst zu den Niederschlagsmengen: „Man kann es nicht ändern, aber für den Landwirt ist es wichtig zu wissen. Wenn es zu viel geregnet hat, braucht er zum Beispiel gar nicht zum Feld rauszufahren, weil er weiß, dass es da viel zu matschig ist. Oder beim Blick auf das Thermometer weiß er bei Frost, dass er heute keine Kartoffeln rodet, weil sie sonst Schaden nehmen würden.“

Unterstützt werden diese Lehrtage vom Bildungsträger und gemeinnützigen Verein „NEUA – Förderverein für nachhaltige Ernährung, Umweltbildung und Agrarwirtschaft“ aus Verden, der vom Landvolk-Kreisverband Rotenburg-Verden getragen wird. NEUA fördert das Projekt „Vom Hof auf den Teller“, das zur EU-Initiative „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ gehört.

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