1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Bothel

Einsatz für Kröten

Erstellt:

Von: Ulla Heyne

Kommentare

Helfen stellen Krötenschutzzaun auf
Alle 25 Meter ein Eimer, pro Segment drei Heringe: So werden die Kröten von der Straße ferngehalten. © Ulla Heyne

Mit ihrem Einsatz wollen sie die Tiere von der gefährlichen Straße fernhalten: Freiwillige des Nabu stellen Krötenschutzzäune auf und helfen den Behörden.

Brockel – „Im Frühtau zu Berge…“ – früh und noch taufeucht ist es am Samstagmorgen an der Landesstraße zwischen Brockel und Rosebruch in der Tat, bergig mitnichten – schließlich liegt der Treffpunkt des guten Dutzends freiwilliger Helfer, die an diesem Morgen ausgezogen sind, um Krötenzäune aufzustellen, mitten im Trochel.

Zünftig ausgerüstet sind die insgesamt 17 ehrenamtlichen Helfer, die der Naturschutzbehörde in guter Tradition beim Aufstellen der rund 30 Zentimeter hohen Amphibienretter aus Gewebe unterstützen. Als mehrheitlich „alte Hasen“ wissen sie, worauf es ankommt, um bei der Arbeit zwischen Laub und Pfützen bis in den Nachmittagsstunden nicht zu frösteln. Gummistiefel, Handschuhe, warme Jacke: Das ist Standard, will man es bei vier Grad einigermaßen aushalten können.

Markus Grützner hilft dem Nabu
Für Markus Grützner ist der Einsatz mit Spaten und Heringen nicht der erste – aber der erste für Kröten. © Ulla Heyne

Immerhin: Die Sonne scheint an diesem Morgen. Markus Grützner hatte am Abend zuvor und beim Aufstehen immer wieder einen Blick auf die Wetter-App geworfen: „Besser als erwartet“, verkündet er zufrieden. Es ist der erste „Kröten-Einsatz“ des Nabu-Mitglieds, zuletzt hat er bei einem Uferabbruch als Nisthilfe für Schwalben geholfen. „Besser, als nur in den eigenen vier Wänden oder im eigenen Garten zu werkeln“, findet der Rotenburger. „Und dazu noch in so netter Gemeinschaft“, fügt Henrik Porthmann hinzu, zum zweiten Mal dabei. Warum er sich hier ehrenamtlich engagiert? Dem Biologielehrer der Eichenschule ist es ein Anliegen, Naturschutz nicht nur in der Theorie zu vermitteln, „sondern auch ganz praktisch etwas zu tun“.

Mitstreiterin Eva Vertesy vermisst etwas die jungen Leute. „Schade, sonst waren mehr Familien dabei“, meint die 54-Jährige. Seit ihre eigenen Söhne erwachsen und weggezogen sind, ist auch sie, vom Alter eher unterer Durchschnitt, allein dabei. „Was ist denn mit deinen Schülern?“, meint jemand zu Porthmann. „Am Samstagmorgen?“, fragt der und lacht. Für ihn ist die Wochenendaktivität auch eine Art Workout.

Wir sind nur die Heringsversenker, die da die Eimer-Einbuddler!

Eine Helferin

Auch der jetzige Rotenburger Vorsitzende Roland Meyer fand einst über einen Schutzzaun-Einsatz zum Nabu, „das muss so 2011 oder 2012 gewesen sein“. Für ihn stimmen heute die erfolgsentscheidenden Faktoren: „An der frischen Luft mit netten Leuten etwas Sinnvolles tun.“ Das Klima ist freundschaftlich, viele unterhalten sich während der Arbeit, einige haben eigenständig eine Arbeitsteilung vorgenommen. „Wir sind nur die Heringsversenker, die da die Eimer-Einbuddler!“, sagt eine Frau mittleren Alters gut gelaunt. Mehr ist an dieser Stelle nicht zu tun, die „beiden Heikos vom Landkreis“, wie Nabu-Mann Roland Meyer sie freundschaftlich nennt, haben schon vorgearbeitet und die zwei 450 Meter langen Stoffbahnen bereits ausgelegt und Stöcker verteilt. So müssen die Helfer nur Eimer eingraben, alle 25 Meter einen, und Heringe befestigen, damit die Kröten nicht unter dem Gewebe auf die Straße durchschlüpfen, sondern daran entlang laufen, bis sie in den nächsten Eimer plumpsen.

Wenn die Krötenwanderung losgeht, und das könnte laut Meyers schon bald sein, sind die Bedingungen – „ab sechs Grad und Feuchte“ – im Vergleich zum Vorjahr doch bereits Wochen früher erfüllt, werden ehrenamtliche Paten jeden Morgen an den Zäunen patrouillieren und die paarungs- und laichwilligen Amphibien auf die andere Straßenseite tragen. Von Meyer, selbst Pate in Helvesiek, bekommen sie einen Sonderservice, den Transport direkt bis an einen Privatteich: „Das ist so nah, das lohnt sonst nicht.“

Gummistiefel im Matsch
Ohne angemessene Kleidung ist keiner der Freiwilligen zum Einsatz zur Rettung der Amphibien erschienen. © Ulla Heyne

Heiko Reichenbach schreitet das fertige Werk noch einmal ab. An einigen Stellen muss nachgebessert werden: „Die Heringe gehören an den Rand, nicht in den Knick – sonst brechen die Kröten da durch“, erklärt er einer der vier „Neuen“. Schwer sei die Arbeit eigentlich nicht, meint Linde Petersen aus Rotenburg, die wie alle am Anfang eine Einführung bekommen hat, und mit einem Grinsen: „Man muss nur mit Augen der Kröte gucken lernen.“ Ein Auto fährt mit gedrosseltem Tempo vorbei, der Fahrer gibt dem Heer der gelben Sicherheitswesten den Daumen hoch. Das ist nicht immer so; eben kam ein Tesla vorbeigeheizt, und das, obwohl die Strecke von beiden Seiten mit je einem Baustellenfahrzeug gekennzeichnet ist.

Nach einer Stunde ist das Werk vollbracht. Ein Nachzügler stößt dazu. „Geboostert?“, fragt ihn Meyer, um ihm anschließend einen Corona-Test auszuhändigen. Trotz der vielen frischen Luft: 2G-plus muss sein, dann darf mit Abstand auch ohne Maske gearbeitet werden. Nach einem Klönschnack und einer Zigarettenpause verteilen sich die Helfer auf die Autos. „Kann ich mein Rad bei Euch hinten drauf schmeißen?“, fragt Frey die Vertreter des Landkreises. Er kann. Nächster Stopp: Jeddingen, später Bullensee, Hastedt und Bothel. Spätestens um 15 Uhr will man mit den Zäunen an fünf unterschiedlichen Stellen fertig sein, fünf von insgesamt 13 Kilometern im Landkreis – und dann können die Kröten kommen.

Auch interessant

Kommentare