Hemsbünde: „Forty Around“ macht das Beste draus

Schwere Zeit für Chöre

Renate Scheele (v.l.), Annette Bürger, Dörte Delventhal, Kerstin Reinhard, Inga Delventhal, Marlies von Elling, Carmen Wilk und Sabine Nittke singen weiter – trotz der ein oder anderen pandemiebedingten Hürde.
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Renate Scheele (v.l.), Annette Bürger, Dörte Delventhal, Kerstin Reinhard, Inga Delventhal, Marlies von Elling, Carmen Wilk und Sabine Nittke singen weiter – trotz der ein oder anderen pandemiebedingten Hürde.

Hemsbünde – 2008 wurde der Frauenchor „Forty Around“ gegründet, „inzwischen sind wir alle etwas älter geworden“, so eine der gut 13 Damen schmunzelnd, die sich alle zwei Wochen im Dorfgemeinschaftshaus Hastedt/Worth treffen, um zu singen. So ganz stimmt das mit dem Alter ohnehin nicht, ist doch das jüngste Mitglied der munteren Truppe gerade mal 20 geworden.

Ohnehin, das betonen auch alle Anwesenden, geht es bei der ganzen Sache vor allem um eines: den Spaß am Singen. „Hier muss niemand perfekt sein, es darf auch mal ein falscher Ton angeschlagen werden“, erklärt Chorleiterin Dörte Delventhal.

Der reine Frauenchor ist Teil der Singgemeinschaft Hemsbünde. Diese feierte gerade ihr 60-jähriges Bestehen. „Wir halten die Tradition aufrecht, wir wollen dies auch in Zukunft beibehalten“, so Marlies von Elling, die nun Vorsitzende der Singgemeinschaft geworden ist. Während die Gruppe als gemischter Chor aufgetreten ist, ist „Forty Around“ ein reiner Frauenchor. Das habe sich einfach so ergeben, so die Sängerinnen.

Die Frauen kommen aus dem ganzen Landkreis zusammen, auch von etwas weiter weg fahren sie in die Gemeinde – nur um zu singen. Delventhal ist schon seit 16 Jahren im Chor, mittlerweile ist auch ihre Tochter Inga dabei. „Ich bin aber nicht als Leiterin hier, wir lernen alle voneinander und miteinander“, erklärt sie. Es geht ums Singen, aber auch um Körperhaltung, Aussprache, Atmung. „Auch Fremdsprachen lernt man, es ist ein Gedächtnistraining und eine Gehörschulung zugleich“, wissen die Musikliebhaberinnen. Gesungen wird in mehreren Stimmlagen, dabei dürfen sich die Sängerinnen auch einmal ausprobieren und eine bis dato ungeübte Stimmlage anschlagen. „Wir sind eine lockere Gemeinschaft“, betonen sie lachend – trotz aller Probleme.

Denn seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist gemeinsames Singen nur noch bedingt möglich. „Wir hatten gerade erst wieder mit den Proben begonnen. Am 3. November haben wir uns zum ersten Mal wieder getroffen“, berichtet Delventhal. Man sei bewusst sehr vorsichtig gewesen, um niemanden zu gefährden. Viele Mitglieder hätten ältere Verwandte im eigenen Haushalt, darauf müsse man Rücksicht nehmen.

„Natürlich ist es eine belastende Situation“, da sind sich alle einig. Zwar singen alle für sich, zu Hause, im Auto und auch mal unter der Dusche. „Mein Auto ist zur Konzerthalle geworden“, lacht Inga Delventhal. „Aber das ist einfach etwas anderes, als gemeinsam zu singen“, ergänzt Mutter Dörte. Der Klang der anderen Stimmen fehle, auch die Kondition lasse nach. „Man kommt einfach aus der Übung“, weiß auch von Elling. Auf die sogenannten „Zoom-Proben“, also online gemeinsam singen, ist die Gruppe nicht umgestiegen. „Jeder PC hat eine andere Tonlage, jeder Laptop hört sich anders an, das ist wirklich schwierig“, so die Chorleiterin. Man wolle sich auch einfach gerne ansehen beim gemeinsamen Singen. Und so waren alle positiv überrascht, wie gut alles bei der ersten Probe wieder abrufbar war. „Singen ist wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht“, so die beruhigende Feststellung, die alle gemeinsam erleben konnten.

Konzerte und Auftritte sind momentan nicht möglich, aber die Gruppe ist durchaus ehrgeizig und strebt an, wieder aufzutreten, sobald dies eben machbar ist. Gesungen wird querbeet alles: Gospel, Schlager, Andreas Bourani oder ein Hit von Trude Herr. Auch ein plattdeutsches Weihnachtslied wurde schon eingeprobt, der Chor ist offen für allerlei Ideen. „Wir haben sogar ein eigenes Lied komponiert“, so Delventhal.

Vor zwei Jahren war der letzte Auftritt, in Fintel waren die „Forty Arounds“ bei der „Nacht der Chöre“ aktiv. „Es war nicht nur der letzte, sondern auch der schönste Auftritt“, seufzen die Sängerinnen – keine Frage, im Moment ist es nicht einfach, das geliebte Hobby zu leben. Die Laune ist dennoch gut, „und wir würden uns wirklich auch über Nachwuchs und weitere Frauen freuen, die mitmachen wollen“, betonen die Damen.

Dennoch sei es schwierig, Nachwuchs zu akquirieren. „Wir sind alle in einem Alter, in dem auch anderes wichtig ist. Familie, Beruf, Sport, andere Hobbys – leider wissen die meisten nicht, wie viel positive Energie einem der Chor im Alltag gibt“, führt Delventhal aus. Tochter Inga hat auch schon ab und an versucht, ihre Freundinnen mitzubringen. „Aber oft heißt es dann ,ich habe keine Zeit’“, berichtet sie.

Sie wisse auch, dass ihre Generation vor allem über soziale Medien ansprechbar sei, und da sei der Chor eben nicht vertreten. „Für mich passt das aber alles, ich kann hier so gut abschalten, mir gibt die Probe sehr viel. Aber das muss jeder für sich selbst erst einmal so erleben“, beschreibt sie.

Eines ist ebenfalls wichtig: „Man muss einfach auch Lust zum Singen haben“, betont Dörte Delventhal. Wer dies nun hat, der ist willkommen bei „Forty Around“. Eine Schnupperstunde ist jederzeit möglich, sofern die Proben in Anbetracht der steigenden Inzidenzen aktuell stattfinden können. Alle zwei Wochen trifft sich der Chor mittwochs um 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus, die Kontaktdaten gibt es auch auf der Seite www.sg-hemsbuende.kcv-row.de.

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