Bothels Samtgemeindebürgermeister Eberle kritisiert Exxon

„Dünne Argumente“

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Die Vorwürfe zielen Richtung Exxon. Das Unternehmen wehrt sich – mit guten Argumenten?

Rotenburg/Bothel - Von Michael Krüger. Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle (parteilos) kritisiert die Aussagen des Energiekonzerns „ExxonMobil“ zu möglichen Ursachen der erhöhten Krebszahlen in der Region scharf. Auch Bürgerinitiativen wehren sich gegen die Positionen, mit denen das Unternehmen in dieser Woche entgegen der früheren Strategie offensiv nach außen getreten ist – wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, an dem die Gründe für die Erkrankungen noch unklar sind.

In einem offenen Brief an die Unternehmensführung schreibt Eberle: „Die Samtgemeinde Bothel wird auch weiter kompromisslos das Ziel verfolgen, die Ursachen für die vielen Krebsfälle in der Region zu ermitteln, ohne auf dünnen Argumenten basierende, voreilige Ergebnisfilterung zu akzeptieren.“ Er nimmt damit direkten Bezug auf die Aussagen von Exxon. Das Unternehmen hatte am Dienstag in einem Pressegepräch mitgeteilt, was Literaturstudien, Gespräche mit Experten und Untersuchungsergebnisse bei eigenen Mitarbeitern ergeben hätten: „Wir schließen aus, dass die beschriebenen Auffälligkeiten auf unsere Erdgasförderung zurückzuführen sind.“ Bestünden diesbezüglich auch nur geringe Zweifel, würde man den Betrieb vor Ort einstellen.

Im September war erstmals bekannt geworden, dass in der Samtgemeinde Bothel deutlich mehr ältere Männer an bestimmten Blutkrebsarten erkranken, ein ähnliches Ergebnis folgte für die Stadt Rotenburg. Die behördlichen Auswertungen einer großen Fragebogenaktion werden im Herbst erwartet. Bislang stand zwar die Vermutung im Raum, Erdgasförderung könnte die Ursache der Zahlen sein, aber alle Stellen hielten sich mit Mutmaßungen zurück. Auch Exxon in eigener Sache – bis jetzt.

Und das geht Eberle zu weit. An Exxon gewandt schreibt er: „Sie verlangen von allen Beteiligten Fairness und Sachlichkeit in der Diskussion und ein Abwarten der Untersuchungen des Gesundheitsamtes, stellen aber ohne diese Ergebnisse mitten im Untersuchungsverfahren schon einmal fest, dass die Erdgasförderung nicht die Ursache ist? Sie behaupten, die Zahl der Erkrankungen sei nicht untypisch für unsere Region, obwohl bewiesen ist, dass es eine Häufung von Fällen zweier Krebsarten in der Samtgemeinde Bothel gibt, die vom statistischen Mittel in der Region Lüneburg um 100 Prozent abweicht? Wie ist da Ihre Äußerung, sie wollen dem Bauchgefühl der Leute mit Aufklärung und Transparenz begegnen, zu verstehen?“ Zudem kritisiert Eberle, dass das Unternehmen nicht an einem Informationsabend teilnehmen will, den der Samtgemeinderat am 18. Mai zur neuen Reststoffbehandlungsanlage auf dem Exxon-Betriebsplatz Bellen veranstalten will. Das Unternehmen müsse akzeptieren, dass die verschiedenen Aspekte des Gesamtthemas als „kritische, bedrohliche Gesamt-Gemengelage betrachtet werden“. Es reiche nicht aus, eigene Veranstaltungen anzubieten.

Eberle appelliert an Exxon: „Der einzige Weg zu einer gesunden und gleichzeitig für ,ExxonMobil’ wirtschaftlichen Zukunft ist der gegenseitige Respekt und eine bedingungslose Aufklärung sich stellender Fragen.“ Diese Aufklärung fordert unter anderem auch die Bürgerinitiative gegen Gasbohren im Landkreis Rotenburg. Deren Sprecher Jochen Richert bezeichnet die jüngsten Exxon-Aussagen als „Teil einer großen Kommunikationsoffensive, zu der auch die Hemslinger Bürgerdialoge gehören“. Wenn das Unternehmen sage, nur das im Gas enthaltene Benzol löse Krebs aus, verschweige es, dass „mit jedem Barrel Öl und jedem Kubikmeter Gas die Pumpen ungeahnte Mengen radioaktiver Abfälle an die Oberfläche fördern“. Schlämme, Abwässer und Ablagerungen versetzt mit Quecksilber, Radium 226 und anderen gefährlichen Stoffen würden als Sondermüll zurück in die Erde gepumpt werden.

Exxon, so Eberle, müsse sich zwar auch manch „unfairem Angriff selbsternannter Experten“ erwehren, aber dass man sich nun an den Pranger gestellt fühle, müsse relativiert werden: „Diese Opferrolle ist nicht auf Sie beschränkt, es gibt hier Menschen, die aus irgendeinem Grund an Krebs erkranken und sterben!“

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