Eisvogel-Bestand in der Region erholt sich – auch Dank der Nabu-Nisthilfen

Die Population nimmt zu

Nabu-Eisvogelschützer Holger Bargemann (l.) und Henrik Scheunemann mit den künstlichen Nisthilfen.
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Nabu-Eisvogelschützer Holger Bargemann (l.) und Henrik Scheunemann mit den künstlichen Nisthilfen.

Worth – Bunt wie ein „fliegender Tuschkasten”, manche sprechen auch von „fliegenden Edelsteinen”: Auf jeden Fall sind viele Naturfreunde seit eh und je von diesen kleinen Federschönheiten, den Eisvögeln, fasziniert. Der Nabu Rotenburg, mit seinen mehr als 3 000 Mitgliedern zuständig für den ehrenamtlichen Naturschutz im Südkreis, hat den Eisvögeln in einem umfangreichen Programm einen besonderen Stellenwert eingeräumt. Jürgen Hicke, Vorgänger vom Nabu-Vorsitzenden Roland Meyer, war es, der vor rund 20 Jahren den überregional bekannten Eisvogelbrutcontainer entwickelt hat, um den zeitweise stark in seinem Bestand dezimierten Fisch- und Insektenjäger zu retten. Inzwischen, seit gut vier Jahren, gibt es dieses Nabu-Eisvogelteam, das sich den Schutz dieser kleinen Vögel auf seine Fahnen geschrieben hat: Holger Bargemann, Heike Vullmer, und Henrik Scheunemann.

Bargemann, seit 45 Jahren Nabu-Mitglied, ist zufrieden. „Dem Eisvogel geht es zur Zeit gut. Man sieht diese scheuen Vögel inzwischen an vielen naturnahen und natürlichen Gewässern”, sagt der 61-Jährige im Gespräch mit der Kreiszeitung auf der Terrasse seines Hauses in Worth. Blauer Himmel, strahlende Frühsommersonne, vielstimmiger Vogelgesang. Gerade eben habe er einen Anruf eines Naturfreundes aus dem Landkreis Rotenburg erhalten mit der Bitte um fachlichen Rat. Der Mann habe wissen wollen, wie eine künstliche Nisthilfe für den Eisvogel, der sich auf seinem Grundstück aufhalte, aussehen müsse. „Natürlich”, so Holger Bargemann, „werde ich ihm vor Ort gern entsprechende Tipps geben.”

Henrik Scheunemann kommt hinzu. Er hat einen Brutcontainer mitgebracht, eine Weiterentwicklung des Teams von Jürgen Hickes Eisvogelbrutcontainer, zum Teil aus Holzbeton. Zu den wichtigen Teilen gehören die 80 Zentimeter lange, leicht nach oben steigende Röhren, durch die die Eisvögel zu ihrer schützenden Nisthöhle gelangen. Eingegraben und von einer Lehmdecke abgeschlossen wird die gesamte Konstruktion meistens in einer Abbruchkante an einem fließenden oder stehenden Gewässer mit entsprechendem Nahrungsangebot.

Das ehrenamtlich tätige Trio Vullmer, Scheunemann und Bargemann hat bisher zwölf künstliche Nisthilfen eingerichtet. Zum Beispiel an der Wümme, Wiedau und Rodau, Veerse, Wieste, an kleinen, schnell fließenden Wasserläufen zur Wümme und an stehenden Gewässern. Zur Zeit haben die Eisvögel Brutzeit. Im Herbst startet das Team zu Kontrollfahrten: Welcher Container wurde angenommen? Wo ist es sinnvoll, eine zusätzliche künstliche Nisthilfe zu installieren? Fest steht, dass die Zahl der Brutcontainer im Südkreis wachsen wird.

Der Eisvogel mit seinem bunt schillernden Gefieder, mit seinem kurzen und gedrungenen Körper, seinem spitzen Schnabel und seiner Flügelspannweite von etwa 25 Zentimetern besiedelt mit Ausnahme von Nordskandinavien weite Teile Europas, Asiens und das westliche Nordafrika. Der Vogel ist, zumindest in Deutschland, streng geschützt und wurde vom Nabu 1973 und 2009 zum Vogel des Jahres gewählt.

Dass die Population der Eisvögel zur Zeit ausgesprochen günstig ist, erklärt Holger Bargemann so: „Die ungewöhnlich milde Witterung. Harte Winter sind der größte Feind für die Eisvögel. Bei geschlossenen Eisdecken können die Vögel nämlich nicht an ihre Nahrung, an kleine Fische etwa, gelangen. Ein Tag ohne Nahrungsaufnahme, und die Eisvögel sind verhungert.” Um die Art beziehungsweise den gefiederten Nachwuchs zu schützen, kommt es bei Eisvögeln zu bis zu drei Jahresbruten mit jeweils durchschnittlich sechs Eiern. Ein „Trick” der Natur, um die Wahrscheinlichkeit des Überlebens der Population zu vergrößern.

Eisvögel sitzen längere Zeit reglos auf Ästen von Bäumen, um plötzlich pfeilschnell ins Wasser zu schießen und dann mit einem kleinen Fisch, einer Kaulquappe, einem Insekt oder einem Frosch wieder aufzutauchen. Das Ganze wird unterstützt von einer Raffinesse der Natur: Der Eisvogel „berechnet” bei seinem Sturzflug blitzschnell den Lichtbrechungswinkel des Wasserspiegels, um sein Opfer – meistens – exakt zu greifen. Auch deshalb sagen Holger Bargemann und Henrik Scheunemann dem Eisvogel eine positive Zukunft voraus: Glücklicherweise sei die jahrelange Begradigung vieler Wasserläufe inzwischen von Renaturierungsmaßnahmen abgelöst worden. Der Eisvogel finde dadurch mit anderen Tieren zunehmend seine natürlichen Lebensgrundlagen.  bn

Eisvögel bevorzugen fließende und stehende Gewässer als Lebensraum.

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