1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Bothel

Bothel: Klimaliste fordert Umdenken bei Agrarsubventionen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jens Wieters

Kommentare

Arthur Lempert und Uta Tümler wollen, dass Bauern, die für den Bedarf vor Ort produzieren, Hilfe bekommen.
Arthur Lempert und Uta Tümler wollen, dass nur Bauern, die für den Bedarf vor Ort produzieren, Hilfe bekommen. © Wieters

Arthur Lempert aus Scheeßel und Uta Tümler aus Bothel von der Klimaliste fordern angesichts der bald leeren Kornkammer Ukraine, dass hiesige Bauern nur Unterstützung bekommen, wenn sie Lebensmittel für den Bedarf vor Ort produzieren.

Bothel – „Um die Produktion von Nahrungsmitteln für den Eigenbedarf hat sich in den vergangenen Jahren weder Landes- noch Bundesregierung gekümmert“, betonen Arthur Lempert aus Scheeßel und Uta Tümler aus Bothel von der Klimaliste Niedersachsen. Die beiden Landesvorsitzenden fordern: „Es dürfen nur Landwirte unterstützt werden, die Nahrungsmittel für den heimischen Bedarf anbauen.“

Denn aktuell stünden die Menschen in Europa nämlich einer Ernährungssituation gegenüber, die sie nie für möglich gehalten hätten. „Denn die Kornkammer des Westens, die Ukraine, kann den deutschen und europäischen Markt nicht mehr versorgen“, ergänzt Uta Tümler, die mit Lempert die Doppelspitze der Klimaliste bildet.

Beide fordern gemeinsam mit dem Landesvorstand der Klimaliste den amtierenden Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) auf, „Maßnahmen zu ergreifen, die dringend erforderlich sind, um der derzeitigen Lebensmittel- und Klimakrise entgegenzuwirken“.

Ein entsprechendes Schreiben haben Tümler und Lempert in der vergangenen Woche an die niedersächsische Staatskanzlei geschickt. „Wir setzen nicht nur darauf, dass wir eine Antwort bekommen, sondern auch, dass über unsere Forderungen nicht nur nachgedacht, sondern sie auch umgesetzt werden“, wird Lempert deutlich.

Niedersachsen sei nicht nur das zweitgrößte Flächenbundesland, sondern auch bei den Agrarflächen der Bundesländer nehme das Land eine Spitzenposition ein. „Tatsächlich wird in Niedersachsen viel zu viel Mais für sogenannte Biomasseanlagen angebaut oder Getreide für die enorm hohe Zahl an Tierfabriken. Das muss sich sofort ändern“, fordern die beiden.

Statt Nahrungsmittelanbau für den heimischen Bedarf zu fördern, werde mehrheitlich die Produktion für den Export subventioniert wie zum Beispiel für Milchpulver nach China, Geflügelfabriken für den Fleischexport nach Afrika. „Der Fokus muss sich einfach ändern und wir können das Steuer noch herumreißen“, betont Lempert, der von der Landesregierung dahingehend ein Umdenken fordert, dass nur noch die Höfe subventioniert werden, die Lebensmittel für den Bedarf vor Ort produzieren.“ Die Landesregierung müsse sich im Bundesrat für einen Erlass einsetzen, der dieses auch auf Bundesebene veranlasse. „Seit Jahrzehnten steigen die Preise für gesunde Lebensmittel und der Anbau von Bio-Produkten hinkt hinterher. Dieses muss sich sofort ändern, und die niedersächsischen Landwirte sind in der Pflicht, ihren Anteil zu leisten, ohne dafür noch mehr Subventionen zu erhalten.“

Weiterhin müsse es ein Sofortpaket an Maßnahmen geben, das dafür sorgt, dass in Niedersachsen der Ausbau an regenerativer Energie signifikant steige. „Wir fordern die Landesregierung auf, das 100- Milliarden-Euro-Programm für den Ausbau der Bundes wehr im Bundesrat nicht zu unterstützen. Denn wir brauchen nicht mehr Bundeswehr, die uns mit noch mehr Waffen, dennoch nicht verteidigen kann.“

Stattdessen müsse dieses Geld sinnvoll in die Erweiterung von Umweltmaßnahmen investiert werden, heißt es in dem Brief an Landesvater Weil.

„Nicht die militärische Hochrüstung ist wichtig, sondern ein konsequenter und intelligenter Schutz vor der Klimakrise und deren Auswirkungen“, sagen Tümler und Lempert übereinstimmend.

Beide lassen übrigens kein gutes Haar an den Grünen in der aktuellen Bundesregierung: „Mit den Gesprächen in Katar begeben wird uns von einer Abhängigkeit in die nächste“, so Tümler, die viele Jahrzehnte Mitglied der Grünen war und sich jetzt voll und ganz der Klimaliste verschrieben hat, weil die „jetzt so ist, wie die Grünen früher waren“.

Ob die Liste im Oktober bei der Landtagswahl antrete, sei nach Aussagen Lemperts noch nicht ganz klar: „Wir sind in Gesprächen und suchen geeignete Kandidaten.“

Auch interessant

Kommentare