Serie: 60 Minuten

Zu Besuch bei den Frühschwimmern im Botheler Freibad

Gleichmäßig ziehen die Schwimmer ihre Bahnen im beheizten Becken. Bei 25 Grad Wassertemperatur macht auch die kühle Außenluft nichts.
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Gleichmäßig ziehen die Schwimmer ihre Bahnen im beheizten Becken. Bei 25 Grad Wassertemperatur macht auch die kühle Außenluft nichts.

Bothel – Wenn der Tag so langsam erwacht, herrscht oft eine besondere Ruhe. Es ist noch nicht ganz hell, aber auch nicht so dunkel, dass nichts zu erkennen wäre. Auch im Botheler Freibad ist es um halb sechs Uhr noch ruhig. Die Wasseroberfläche ist glatt, nur das leise Plätschern des Wassers, das die blau-weiße Rutsche im kleinen Becken runterrinnt, ist zu hören. Ein leichter Chlorgeruch liegt in der Luft. Der Rasen rund um die Anlage ist feucht, auch die Bänke sind nass vom Regen der vergangenen Nacht.

Während andere sich noch einmal gemütlich im Bett umdrehen, ist Sönke Bachor schon auf den Beinen. Er hat die Frühschicht und bereitet das Freibad vor. Das große Schwimmerbecken ist getestet, jetzt misst er die Temperatur im kleinen Becken. „25,2 Grad, perfekt“, meint er und bückt sich, um eine Wasserprobe zu nehmen. Drei verschiedene Beprobungen führt er im Büro durch, alle Werte sind bestens und Bachor zufrieden. „Das hat uns auch das Gesundheitsamt bescheinigt, das war gestern erst hier.“ Danach geht es eine Etage tiefer, in den Technikraum. Läuft alles, wie es soll? Bachor notiert ein paar Zahlen, und auch hier: alles bestens.

Mittlerweile ist es drei Minuten vor sechs. Der erste Badegast kommt durch den Eingang. Die Frühschwimmer sind hartgesotten und lassen sich auch von den kühlen Temperaturen und dunklen Regenwolken nicht davon abhalten, ihre Bahnen zu ziehen – allerdings tut das beheizte Becken sein übriges, sie zu ermuntern, die Treppe oder die Leiter ins Nass zu steigen.

Es macht leise Klick bei jedem, der durch das Tor kommt. Bachor hält einen Zähler in der Hand, weiß so am Ende des Tages, wie viele Badegäste da waren. Viele sind es derzeit nicht. Das Wetter macht ihnen in diesem Sommer einen großen Strich durch die Rechnung, die pandemiebedingt ohnehin nicht aufgeht.

Sönke Bachor testet die Wassertemperatur.

Aber auf die Frühschwimmer ist Verlass, der harte Kern ist treu. Sogar aus Fintel kommen sie, solange dort das Bad saniert wird. Normalerweise sind es zwischen 14 und 20 Frühschwimmer, heute nur elf – „die Damen fehlen“, merkt ein Badegast an, während er über die Treppe am Beckenrand ins Wasser hinuntersteigt. Ein paar Frühschwimmerinnen haben sich angefreundet und sind zusammen weggefahren.

Es ist eine kleine Gemeinschaft, Frühschwimmer unter sich, jeder kennt jeden. Deswegen muss keiner seine Karte vorzeigen, Bachor kennt sie – alles Dauerkarteninhaber. Sie kommen einfach rein. Die meisten verschwinden zuerst hinter dem aufgestellten Sichtschutzzelt und ziehen ihre Straßenklamotten aus. Mit den Füßen geht es dann in Badekleidung durch das Zugangsbecken, unter die Dusche, die leicht hin- und herwackelt, wenn jemand mit zu viel Elan den Knopf drückt. Vorsicht Stolpergefahr heißt es nur beim silbernen Stöpsel – das Becken ist ganz schlicht wie eine Badewanne verschlossen.

Bauhofmitarbeiter Manfred Murso hält derweil am kleinen Becken. Dienstag ist Putztag. In seiner markanten orangenen Kleidung setzt er einen Saugroboter an den Rand und lässt ihn vorsichtig ins Wasser. Das Gerät fährt jetzt für zwei Stunden auf dem Boden, lautlos, gemächlich.

Die Wasserproben werden direkt geprüft.

Mit der Ruhe im Bad ist es hingegen vorbei, und irgendwie auch wieder nicht. Hin und wieder platscht es, wenn jemand durch das Wasser zieht, meistens ist ein gleichmäßiges Rauschen zu hören. Die Frühschwimmer kraulen ihre Bahnen, es hat etwas monoton beruhigendes, ihnen zuzusehen. Zwischendurch ein nettes Wort, ein neuer Schwimmer wird begrüßt. Dann blubbert es. Bachor, der mit seinem dampfenden Kaffeebecher auf einer Bank sitzt und alles im Blick hat, registriert das zufrieden. „Dann ist der Wasserstand top.“

Er steht auf, läuft um das Becken herum. Aber an diesem Morgen ist alles ruhig, alles erfahrene Schwimmer. Anders sieht es nachmittags mit Kindern aus. Durch die Corona-Pause fehlt ihnen Sicherheit, andere können noch nicht schwimmen. Teils passen auch die Eltern nicht auf, kritisiert Bachor, selber Rettungsschwimmer. Er wirft dann umso mehr ein Auge auf alles. Aber heute Morgen ist alles ruhig. Um acht wird der letzte Frühschwimmer verschwinden, dann liegt das Wasser wieder ruhig da.

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