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Anke Rautenberg über ihre Landfrauen-Ortsgruppe und deren Zukunft

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Seit 2013 leitet Anke Rautenberg die Landfrauen Hemslingen, Söhlingen und Umgebung. Ein paar Jahre möchte sie noch Vorsitzende sein, danach alles geordnet übergeben.
Seit 2013 leitet Anke Rautenberg die Landfrauen Hemslingen, Söhlingen und Umgebung. Ein paar Jahre möchte sie noch Vorsitzende sein, danach alles geordnet übergeben. © privat

Nein, ein Verein von Landwirtsfrauen sind die Landfrauen nicht, sagt Anke Rautenberg. Sie führt die Ortsgruppe Hemslingen an. Drei Jahre noch möchte sie das machen. Und sie macht sich bereits Gedanken, wie die Institution Landfrauen bis dahin aufgestellt ist.

Söhlingen – Die Erntezeit neigt sich dem Ende zu. Nicht nur Feldfrüchte wurden eingefahren, sondern auch Erfolge auf anderen Ebenen. Das kann auch Anke Rautenberg von den Landfrauen Hemslingen, Söhlingen und Umgebung bestätigen. Sie und ihre Mitstreiterinnen sind 2022 mit einem vollen Programm durchgestartet – und räumen mit Klischees auf. Der Verein ist im Wachstum.

Rautenberg hat den Vorsitz seit 2013 inne. In drei Jahren will sie ihr Amt angeben, um auch anderen Frauen eine Chance zu geben. „2025 bin ich zwölf Jahre im Amt. Dann wird es Zeit für eine Veränderung im Verein“, sagt sie. Doch sind die Landfrauen noch zeitgemäß? Sind sie nicht die Frauen der Bauern, die Kuchen fürs Dorffest backen und sonst nicht viel zu tun haben? Rautenberg kennt die Landfrauen gut und weiß, dass das Klischee keinesfalls der Realität entspricht. Landfrauen seien nicht nur die Ehefrauen der Landwirte, sondern alle Frauen, die auf dem Land leben. „Vielen jüngeren Frauen, die nichts mit Landwirtschaft zu tun haben, ist das nicht bekannt“, so Rautenberg. „Aber es geht schlicht um Frauen in den ländlichen Regionen. Da gibt es solche und solche Frauen. Wir nehmen sie alle.“

Zuletzt gab es Zuwachs

Die Powerfrau lächelt und weist stolz darauf hin, dass allein in diesem Jahr viele neue Landfrauen gewonnen werden konnten. „Viele treten bei uns ein, wenn ihre Kinder erwachsen sind. Plötzlich gibt es mehr Zeit und das Interesse an Veranstaltungen und Weiterbildung wächst.“ Der Altersdurchschnitt ist dennoch hoch, die älteste Landfrau in der Ortsgruppe ist 96 Jahre alt, die jüngste gerade 24. Frauen mittleren Alters, also zwischen 50 und 60 Jahren, stellen die Mehrheit dar.

Anke Rautenberg ist ein Organisationstalent und wird von einem Vorstand unterstützt. Das Jahresprogramm enthält beinahe 20 Veranstaltungen – vom kreativen Beisammensein über Vorträge bin zu Mehrtagesfahrten. Mit Themen wie dem richtigen Atmen, dem ökologischen Fußabdruck und einer Besichtigung der VW-Werke in Wolfsburg werden verschiedene Interessen abgedeckt. Bildung und Qualifizierung sind ebenso berücksichtigt wie die Beschäftigung mit gesellschaftlichen und politischen Themen.

Trotzdem macht sich Rautenberg Gedanken um die Zukunft der Landfrauen: „Wir sind einer der größten Frauenverbände in Niedersachsen. Unser Ziel ist es, das Leben auf dem Land attraktiv und lebenswert zu gestalten. Die Gewinnung neuer, auch jüngerer Frauen, ist wichtig.“ Die Landfrauen hätten den Frauen viel zu bieten, erklärt die Vorsitzende. So könnten Netzwerke aufgebaut werden und Kontakte geschlossen werden.

Eine Chance, um anzukommen

Gerade für junge Frauen, die in den ländlichen Raum ziehen, böten die Landfrauen eine Chance, anzukommen. Gleichzeitig ist vielen nicht bekannt, dass auch solche Frauen Landfrauen werden können, die keinerlei Berührungspunkte mit der Landwirtschaft haben. „Nicht der Beruf, sondern der Wohnort ist das Kriterium“, erklärt sie. „Wir sind offen für Frauen aus allen beruflichen Branchen. Je vielfältiger die Lebensführungen unserer Mitglieder sind, umso interessanter kann unsere Arbeit sich gestalten.“

Rautenberg und ihr Team geben sich viel Mühe, neue Frauen anzusprechen. Nicht nur der Internetauftritt, sondern auch Whatsapp-Gruppen zeigen, dass die Landfrauen mit der Zeit gehen. „Wir bewahren nicht nur Traditionen, wir suchen auch nach neuen Perspektiven für das Frauenleben auf dem Land. Mehr als 140 Frauen sind aktuell im Verein vor Ort, es gibt noch Luft nach oben.“

Der Ortsverein

Das Programm der Landfrauen Hemslingen, Söhlingen und Umgebung ist auf der Website www.landfrauen-hemslingen.de zu finden. Dort gibt es auch die Kontaktdaten, falls jemand zum Schnuppern vorbeischauen kommen möchte.

An Themen mangelt es nicht. Umwelt und Natur werden ebenso berücksichtigt wie die Selbstfürsorge oder kulturelle Themen. Die Vielfalt, die die verschiedensten Lebenskontexte der modernen Frauen bietet, spiegelt sich in der Arbeit wider. „Je mehr Frauen sich einbringen, umso abwechslungsreicher wird unser Programm“, erklärt Rautenberg.

„Die Arbeit für und mit Frauen ist wichtig. Oft melden sich sogar Männer, die unsere Veranstaltungen besuchen wollen.“ Das sei ein Hinweis darauf, dass die Landfrauen den Zahn der Zeit treffen. „Wir haben nichts dagegen, wenn Männer unsere Veranstaltungen besuchen. Sie müssen dann allerdings damit klarkommen, in der Minderheit zu sein.“ Rautenberg schmunzelt. „Manche Männer fühlen sich unwohl, wenn sie allein im Kreis von Frauen sind.“

Nach ihren Wünschen für die Zukunft der Landfrauen gefragt, weiß sie schnell eine Antwort. „Ich möchte eine Nachfolgerin finden, der ich alles gut übergeben kann. Ich freue mich, wenn sie ihren eigenen Weg mit den Landfrauen findet und der Verein sich so verändert, wie es die gesellschaftliche Realität der Frauen erfordert.“

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