Nach Exxon-Panne: Rathjens und Brennecke blicken kritisch auf Grundwassersanierung

Aktivisten im Bellener Wald

Birgit Brennecke und Andreas Rathjens am Zaun der Anlage in Bellen. Sie wollen den Konzernen weiter auf die Finger gucken.
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Birgit Brennecke und Andreas Rathjens am Zaun der Anlage in Bellen. Sie wollen den Konzernen weiter auf die Finger gucken.

Bellen – „Nein, wir lassen nicht nach und werden den Konzernen weiter auf die Finger beziehungsweise auf die Förderrohre gucken“, sagen Birgit Brennecke und Andreas Rathjens am Zaun der Erdgasproduktionsanlage von „ExxonMobil“ in Bellen. Und aktuell haben sie die Grundwassersanierung im Blick, die nach einer früheren Havarie auf dem Exxon-Gelände von den zuständigen Genehmigungsbehörden angeordnet worden war.

2016 war entdeckt worden, dass bereits seit einigen Jahren Dieselkraftstoff aus der Betriebstankstelle und das bei der Gasproduktion aus 5 000 Metern Tiefe mitgeförderte Lagerstättenwasser im Erdreich versickert waren. Die Tankstelle war bis 2011 in Betrieb und wurde ab Ende 2014 Stück für Stück zurückgebaut. Dabei wurde damals Dieselgeruch im Boden festgestellt. 564 Kubikmeter Boden wurden auf dem Exxon-Gelände ausgekoffert und entsorgt. Im Zuge dessen waren in größeren Abständen rings um die alte Tankstelle Bodenproben genommen worden, die eine sogenannte Schadstofffahne in nördliche Richtung ergeben hatten. „Exakte Bohrungen haben bestätigt, dass der betroffene Bereich rund 35 Meter lang ist und direkt am Zaun des Betriebsgeländes am Feuerlöschbrunnen endet“, so Exxon damals.

„Später wurde allerdings nachgewiesen, dass sich die Schadstoffe auch außerhalb des Betriebsplatzes im Grundwasser verteilt haben. Denn dem Wasser ist ein Zaun egal“, so Andreas Rathjens. Die beiden engagierten Gegner der Erdgasförderung in der Region, „auch wegen der immer noch ungeklärten Ursache der vielen Krebsfälle in der Samtgemeinde Bothel“, hätten damals immer wieder das Landesbergamt und die Naturschutzbehörden des Landkreises „genervt“und auch weiterreichende Informationen nach dem Umweltinformationsgesetz verlangt. „Am Ende kam dabei heraus, dass Exxon nun auch auf privaten Flächen in der Nachbarschaft des Betriebsplatzes umfassend sanieren muss“, berichtet Birgit Brennecke.

Die Erdgasfördergegner hatten sich im Sommer Hilfe von Studenten der Technischen Universität Berlin geholt.

„Das stimmt“, sagt „ExxonMobil“-Sprecher Klaus Torp. Die Sanierung auf dem Betriebsplatz sei weitgehend beendet und aktuell würden dort nur noch rund ein Kubikmeter Wasser pro Stunde an die Oberfläche gepumpt, gereinigt und dem Untergrund wieder zugeführt.

„Mit der Sanierung einer Fläche außerhalb des Betriebsplatzes wurde nach der Abstimmung des Konzepts mit den beteiligten Behörden des Landkreises und des Bergamts im Juni begonnen“, so Torp. Das Grundwasser werde dort ebenfalls über kleine Brunnen gehoben, gereinigt und an geeigneter Stelle ortsnah wieder in den Untergrund eingebracht. „Wir rechnen mit einer Dauer von etwa zwei Jahren.“ Beide Sanierungen würden fachgutachterlich begleitet und von einem Umweltplanungsbüro naturschutzfachlich überwacht, um etwaige Auswirkungen auf die umgebende Flora und Fauna frühzeitig erkennen zu können.

„Und Transparenz ist weiterhin dringend nötig, denn die öffentlichen Informationen kamen bei den Behörden nur sehr schleppend“, kritisieren Rathjens und Brennecke, die in diesem Fall auch auf die Unterstützung mehrerer Technischer Universitäten setzen durften, „die sehr aufwendig Daten gesammelt haben. So zum Beispiel, ob Bäume in dem Gebiet Schadstoffe aufnehmen und ausgasen“, erklärt der Landwirt aus Klein Meckelsen.

Er und seine Mitstreiter wollen weiter darauf drängen, dass die „Hotspots der Erdgasindustrie“ im Fokus bleiben und setzen auf die Hilfe der Politik in Land und Landkreis. „In Hannover sollen im kommenden Jahr Gelder freigeben werden für flächendeckende Luftmessungen rund um die Förderanlagen und auf Landkreisebene setzen wir große Hoffnungen auf den neuen CDU-Landrat Marco Prietz, der mit uns schon auf Besichtigungstour an den Förderanlagen war“, betont die Hemslingerin.

Bohrungen außerhalb des Exxon-Geländes.

„Dann wird vielleicht auch von den örtlichen Behörden mal genauer geguckt, was mit dem Regenwasser der Anlagen geschieht, das eigentlich in besonderen Becken aufgefangen werden soll. Die liegen aber oft höher als der Betonboden. Aber vielleicht fließt im Rotenburger Raum das Wasser bergauf“, so Rathjens sarkastisch.

Brennecke will genau beobachten, was die Konzerne ab dem 12. Februar 2022 mit dem Lagerstättenwasser machen, das dann nicht mehr in Wasserschutzgebiete und mit Salzwasser gefüllte Gesteinsschichten gepresst werden darf. „Wir befürchten ein undurchsichtiges Geflecht von Subunternehmern in mehreren Bundesländern, verschiedenen Gewerbeaufsichtsämtern und Landkreisbehörden und einem damit verbundenen Wirrwarr von Zuständigkeiten, sodass am Ende niemand mehr genau sagen kann, wo wer was entsorgt hat“, heben Rathjens und Brennecke hervor. „Aber auch da bleiben wir dran!“

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