Geballtes Wissen

Serie „Mein Buch und ich“: Werner Burkart ist Mitherausgeber des „Atlas der Libellen“

Das sogenannte Paarungsrad bei der Fortpflanzung der Libellen.
+
Das sogenannte Paarungsrad bei der Fortpflanzung der Libellen.

Werner Burkart ist Mitherausgeber des „Atlas der Libellen“. Darin listen er und seine Kollegen alle Libellenarten aus, die in Niedersachsen und Bremen vorkommen.

Wensebrock – Gleich neben der Kreisstraße zwischen Brockel und Bartelsdorf, liegt es: das Libellenbiotop Wensebrock. Hier kennt sich Werner Burkart aus. Der 78-Jährige, von 1985 bis 2014 Naturschutzbeauftragter im Landkreis Rotenburg, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den grazilen Flugkünstlern Libellen, deren Entwicklungsgeschichte etwa 300 Millionen Jahre zurückreicht.

Werner Burkart hat den neuen „Atlas der Libellen in Niedersachsen/Bremen” mitgebracht. Er ist einer der Herausgeber und Autoren dieses lange erwarteten Statusberichts zur Situation der 73 nachgewiesenen Libellenarten in Niedersachsen und Bremen.

Der Atlas, bemerkt Burkart am Biotop, habe eine lange Vorgeschichte. „Sie beginnt mit dem Niedersächsischen Artenerfassungsprogramm Ende der 70er Jahre. Dazu wurden seinerzeit zahlreiche Naturinteressierte ermuntert, ihre Beobachtungen von Pflanzen und Tieren an die Fachbehörde nach Hannover zu melden.“ Während für Pflanzen und Vögel vorbildliche Verbreitungsatlanten erschienen, sei eine zusammenfassende Bearbeitung der Artengruppe Libellen unterblieben. Deshalb habe sich 2013 in Verden die Arbeitsgemeinschaft Libellen in Niedersachsen und Bremen gebildet. „Sie hat die Libellenerfassung noch einmal aktiviert, sodass mittlerweile 300 000 Datensätze ausgewertet werden können.”

Burkart und die Mitautoren konnten sich beim Erarbeiten ihrer Beiträge auf diese Datenfülle stützen. Allerdings haben Niedersachsen und Bremen im Zusammenhang mit dem Libellen-Atlas nicht „die Nase vorn”, denn andere Bundesländer verfügen bereits über Veröffentlichungen. Diese Datensätze – sie wurden überwiegend ehrenamtlich zusammengetragen – sind im bundesweiten Vergleich einmalig: Der große Datenbestand ermöglicht eine sehr differenzierte Darstellung von Verbreitung sowie Bestandssituation und Bestands- entwicklung.

Werner Burkart arbeitet mit am neuen „Atlas der Libellen in Niedersachsen/Bremen”.

„In diesem Buch”, so Burkart, „werden 73 Libellenarten in Niedersachsen und Bremen behandelt.“ Genau genommen sei der Atlas aber schon nicht mehr ganz aktuell, denn in diesem Jahr sei eine neue Art hinzugekommen. „Diese Art, nämlich die Gabel-Azurjungfer, war in den letzten Jahren aus dem Süden bis nach Nordrhein-Westfalen vorgedrungen. Die niedersächsischen Libellenkundler hatten die Art schon erwartet. Man sieht daran, dass auch bei den Libellen viel in Bewegung ist. Der Klimawandel spielt dabei offenbar eine besondere Rolle.”

Die Idee zur Einrichtung eines Artenschutzgewässers Wensebrock geht ursprünglich auf die Stiftung Naturschutz im Landkreis Rotenburg in den 80er Jahren zurück, wurde jedoch verworfen. Auf Anregung von Nabu-Mitglied Heinrich Kröger entschloss sich der Nabu, die Fläche, auf der ursprünglich Sand abgebaut worden war, zu erwerben. Uwe Baumert, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Bremervörde/Zeven, und Werner Burkart machten sich im November 2003 an die fachgerechte Herrichtung der insgesamt etwa vier Hektar großen Fläche. Die Pflege und Betreuung übernahm der Nabu Rotenburg mit Jürgen Hicke und Sarina Pils.

Im Wesentlichen blieb das Gelände, auf dem sich mehrere flache Gewässer befanden, nach Einstellung des Sandabbaus sich selbst überlassen und entwickelte sich zu einem wertvollen Feuchtbiotop. Durch Ausheben unterschiedlich tiefer Bodenmulden wurden zusätzlich feuchte Senken geschaffen. Frösche, Kröten und Insekten, darunter Schmetterlinge und fast 20 Libellenarten machten das Biotop zu einem beliebten Besuchsort für Naturfreunde.

Der „Atlas der Libellen in Niedersachsen/Bremen”.

Umfangreiches Detailwissen über das faszinierende Insekt Libelle zeichnen Werner Burkart aus. Er und der inzwischen gestorbene Libellenkundler Wolfgang Lopau aus Kuhstedter Moor bei Gnarrenburg haben bereits im Jahre 2000 einen Libellen-Atlas für das Kreisgebiet Rotenburg erarbeitet. Er erschien in der Stiftungsreihe unter dem Titel „Libellen im Landkreis Rotenburg”.

Die Libellen gelten mit bis zu 30 000 Facettenaugen unter den Insekten als die mit dem besten Sehsinn. Sie können ihre beiden Flügelpaare unabhängig von einander bewegen und sind in der Lage, abrupte Richtungswechsel zu vollziehen. Sie können in der Luft stehen bleiben oder sogar rückwärts fliegen. Das Prinzip „Hubschrauber” hat die Natur also vor vielen Millionen Jahren erfunden. Die kleinen Tiere erreichen Maximalgeschwindigkeiten bis zu 50 Stundenkilometern. Libellen, die in der Regel wenige Wochen alt werden, leben in Tümpeln, Seen, Teichen und in Mooren, einige Arten in Fließgewässern. Als Jäger fangen sie ihre Beutetiere mit ihren Beinen im Flug. Typisch bei der Fortpflanzung ist bei den Libellen das sogenannte Paarungsrad. Die Weibchen legen die Eier frei ins Wasser ab oder stechen sie in Pflanzenmaterial ein. Die Larven leben zum Teil mehrere Jahre im Wasser, bevor sie an Pflanzenstängeln in die Höhe klettern, schlüpfen und zu einem relativ kurzen Leben als flugfähige und farbige Libelle starten. Grundsätzlich gilt: Alle Libellenarten stehen in Deutschland unter Artenschutz. Libellen können nicht stechen und sind auch nicht giftig. Sie sind für Menschen völlig harmlos und für Naturfreunde eine wahre Augenweide.

Das Buch

„Atlas der Libellen in Niedersachsen/Bremen”, 386 Seiten, reich bebildert, 30 Euro, Bestellung bei Verlag „Natur in Buch und Kunst” (NIBUK) unter 02247/912324 oder per E-Mail an Prestel-Dieter@web.de.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Meistgelesene Artikel

Zu schnell und nicht angeschnallt: 19-Jähriger stirbt bei Autounfall

Zu schnell und nicht angeschnallt: 19-Jähriger stirbt bei Autounfall

Zu schnell und nicht angeschnallt: 19-Jähriger stirbt bei Autounfall
Bald mehr Zeit auf dem Hochsitz

Bald mehr Zeit auf dem Hochsitz

Bald mehr Zeit auf dem Hochsitz
Weg von 3G: Keine Corona-Warnstufe mehr im Kreis Rotenburg

Weg von 3G: Keine Corona-Warnstufe mehr im Kreis Rotenburg

Weg von 3G: Keine Corona-Warnstufe mehr im Kreis Rotenburg
Neu gegründete Mounted-Games-Teams richten Championat aus

Neu gegründete Mounted-Games-Teams richten Championat aus

Neu gegründete Mounted-Games-Teams richten Championat aus

Kommentare