IG Metall fordert Tarifvertrag / Arbeitskampf nicht ausgeschlossen

Borco-Höhns-Chef setzt auf Interessenausgleich

Lothar Geißler will Rotenburg zum Dreh- und Angelpunkt von Borco-Höhns machen.

Rotenburg - ROTENBURG (sf) · Beim Rotenburger Verkaufsfahrzeugehersteller Borco-Höhns herrscht zurzeit weitgehende Funkstille zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat. Grund sind neue betriebliche Strukturen und die Verhandlungen über einen Interessenausgleich, die bislang noch nicht zustande gekommen sind. Die Arbeitnehmervertreter befürchten Einbußen, weil der bisherige Haustarif zur Disposition steht und die Betriebsvereinbarungen über Leistungsentgelte neu verhandelt werden sollen. Lothar Geißler, geschäftsführender Gesellschafter von Borco-Höhns, bedauerte gestern im Gespräch mit der RK/VN-Redaktion die Verhärtung der Fronten.

„Uns geht’s gut, wir wollen Rotenburg zum Dreh- und Angelpunkt unseres Unternehmens machen“, sagt Lothar Geißler. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Standort Hohenaverbergen aufgegeben (wir berichteten), wird die Produktion in Rotenburg zusammengefasst, werden Reparatur- und Ausstellungsbereiche an der Industriestraße deutlich erweitert. Geißler will seinen Kunden die komplette Angebotspalette in Rotenburg präsentieren, will Synergien aus der zusammengefassten Produktion schöpfen, denkt daran, die Marktführerschaft des Unternehmens auszubauen. Dafür will Borco-Höhns im ersten Halbjahr 2011 mehr als 1,5 Millionen Euro an der Industriestraße investieren. Die Pläne, sagt Geißler, stoßen auf breite Zustimmung.

Aber: Im Zuge der Umstrukturierungen sollen die Beschäftigungsverhältnisse der Mitarbeiter in der Produktion von den Fahrzeugwerken Borco-Höhns auf die Seba-Borco-Höhns übergehen. Unter dem Namen hat das Unternehmen in Hohenaverbergen produziert. Seit zwei Jahren, erläutert Lothar Geißler, habe man in dem Unternehmen, das 1991 zur Firmengruppe kam, keine Tarifbindung mehr, zahle Löhne, die am Tarif der IG Metall orientiert seien. In Hohenaverbergen habe man einfachere Fahrzeuge gebaut als in Rotenburg, die geforderten Qualifikationen seien mithin geringer gewesen und entsprechend habe auch der Stundenlohn mit gut 13 Euro das Rotenburger Niveau mit einem Ecklohn von 14,67 Euro nicht erreicht. Mit den Leistungszulagen komme der Arbeitnehmer in Rotenburg auf ein durchschnittliches Stundenentgelt von 17,11 Euro, rechnet Geißler vor.

Die Rotenburger Konditionen möchte die IG Metall für alle Belegschaftsmitglieder durchsetzen. Um die Betriebsräte auf die Verhandlungen vorzubereiten, habe man Berater und Anwälte eingeschaltet. Die Kosten dafür müsse das Unternehmen zahlen, sagt Geißler, der weiterhin auf getrennte Verhandlungen über einen Interessenausgleich mit den beiden Betriebsräten setzt. Die waren auch bereits vereinbart („von allen unterschrieben“), ebenso ein Zeitplan, der für den 11. Januar eine Verhandlungsrunde vorsah. Die wurde Tags zuvor vom Betriebsrat mit dem Hinweis auf angeblich fehlende Unterlagen abgesagt.

Mit Sorge blickt Geißler auf Drohungen mit Arbeitskampf und einem Boykott der für den 27. und 28. Februar vorgesehenen Frühjahrsausstellung. Wenn die ausfalle, könne er gleich ein Schild an die Tür heften, mit der Bitte an alle Kunden, sich doch bei der Konkurrenz umzusehen ...

Dazu müsse es nicht kommen, betont Dieter Reinken von der IG Metall in Bremen. „Knackpunkt“ aus seiner Sicht ist die „Fortgeltung der Tarifverträge“. Dass das Unternehmen den Arbeitnehmern in Rotenburg im November ohne vorherige Absprache mit dem Betriebsrat die Überführung der Arbeitsverhältnisse in die nicht tarifgebundene Seba mitgeteilt habe, empfinde er als Affront. Was Borco-Höhns plane sei „nicht doof“. Und dass man die Leistungen für die Hohenaverbergener Kollegen nur in einem Stufenplan („der muss ja nicht 100 Jahre dauern“) an das Rotenburger Niveau angleichen könne, sei allen bekannt. Die Aufkündigung des Tarifvertrages könne man allerdings nicht akzeptieren. Die IG Metall Küste habe der Geschäftsführung darum ganz formal Tarifverhandlungen angeboten, die so mit dem Betriebsrat – anders als beim Interessenausgleich  – nicht geführt werden könnten. Wenn sich das Unternehmen dem verweigere, müsse man die Gesprächsbereitschaft erzwingen. Reinken: „Ein Arbeitskampf ist dann nicht mehr so fern.“ Am Dienstag ist eine neue Verhandlungsrunde über einen Interessenausgleich anberaumt. Der Gewerkschafter geht davon aus, dass die Gespräche stattfinden. Den Organisationsgrad bei Borco-Höhns beziffert er auf „mehr als 75 Prozent“.

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