Bötersen – Paradies für Archäologen und Schmiede

Blick über die Erdgeschichte

Der jüngste Bewohner des Ortes, Mattes Lasse Grüning, mit Papa Matthias Grüning und Bürgermeister Hermann Holsten. ·

Sottrum - Von Simone SchloenBÖTERSEN · Die Gemeinde Bötersen liegt etwa zehn Kilometer nordwestlich von Rotenburg entfernt und grenzt an die Lüneburger Heide an. Seit der Gemeindereform im Jahr 1972 gehören auch die Orte Höperhöfen und Jeerhof dazu.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen stammen aus den Jahren zwischen 1237 und 1246. Sie wurden bei der Auflistung der Tafelgüter des Verdener Bistums gemacht. Allerdings wurde bei Ausgrabungen festgestellt, dass es in dem Ort schon sehr viel eher menschliche Ansiedelungen gab. Die frühesten Funde belegen eine Besiedlung des Gebietes um Bötersen schon ab etwa 4 100 vor Christus. Größere archäologische Ausgrabungen fanden auf einem Urnenfriedhof der jüngeren Bronzezeit und älteren vorrömischen Eisenzeit statt. Überregional bekannt wurde Bötersen aufgrund einer dem Gräberfeld benachbarten Feuerstellenreihe, die aus der jüngeren Bronzezeit stammt. Durch Publikationen wurde die Bronzezeitforschung erstmals auf dieses Phänomen aufmerksam.

Zu einer geologischen Sensation wurde im Jahr 1978 die Sandgrube. Dr. Hans Christof Höfle hatte dort sechs Jahre lang gearbeitet. In der Grube sind geologische Schichten zu sehen, die einen Überblick über die vergangenen 300 000 Jahre der Erdgeschichte ermöglichen, was bundesweit einmalig ist.

Der Stamm des Ortsnamens kommt vom althochdeutschen „Buten“ oder „Putirik“, was „Schlauch“ bedeute; die Endung „-sen“ gibt einen Hinweis auf die Entstehung der Siedelung zwischen 500 und 1000.

Hauptsächlich wurde in Bötersen Landwirtschaft betrieben, und durch die Viehwirtschaft siedelten sich vor allem Schmiede an. Die Forstwirtschaft war früher ebenfalls ein fester Bestandteil der Wirtschaft.

Schlimmes erlebten die Menschen im späten Mittelalter als der Hexenwahn in Deutschland um sich griff. So war vor allem im Bistum Verden, was seinerzeit so etwas wie die Landeshauptstadt für Bötersen war, die Hexenverbrennung ein oft durchgeführtes Ritual der Kirche. So hat sich im Jahr 1647 folgende unglaubliche Geschichte zugetragen: Die damals neunjährige Anna Garbers erstatte Anzeige gegen ihre Großmutter, dass diese sie zur Zauberei verführte und regelmäßig Hexenfeste besuche. Aufgrund dieser Anzeige endeten mehrerer Frauen auf dem Scheiterhaufen.

Dies war aber nur eine traurige Ausnahme. Ansonsten waren die politischen Führer sehr um das Wohl der Bewohner bedacht. So kandidierte der ehemalig Bürgermeister Hinrich Holsten (1945 – 1946), allerdings erfolglos, im Jahr 1949 für die Wahl zum Bundestag. Holsten vertrat während des 2. Weltkrieges seine Meinung gegen die NSDAP, wodurch ihm natürlich im Ort das Leben oft schwer gemacht wurde. Verdient machte er sich nach dem Krieg politisch hauptsächlich auf Landtags- und Kreisebene.

Der Bürgermeister Johann Behrens (1970-1976) machte sich vor allem dadurch verdient, dass er dafür sorgte, dass der Schulstandort Bötersen erhalten blieb. Fast jede Gemeinde hatte eine eigene kleine Schule, die nach und nach geschlossen wurden, was Behrens mit hartnäckigem Kampf für seinen Ort verhinderte.

Die Industrie hat auch vor den Toren der drei kleinen Orte nicht halt gemacht. So wurden in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts Erdgasvorkommen entdeckt, deren Förderung sich bis heute noch lohnt.

Auch das Unternehmen Industrie-Service unter Leitung von Dipl-Ing. Gerhard Müller ist in Bötersen beheimatet. Er verkauft Gleitringdichtungen für Kraftwerke, Kläranlagen und chemische Werke. Der Nutzen liegt überall dort, wo Pumpen zum Einsatz kommen. Claus Schumacher ist der letzte Schmied im Ort, der sein Handwerk noch von seinem Vater und dessen Vater übernommen hat, wobei seine Arbeiten nicht nur bei den Ortsansässigen sehr begehrt sind.

Auch das Sottrumer Autohaus Hesse hat in der Gemeinde seine Wurzeln. So stammt der Inhaber Friedel Hesse aus Höperhöfen, wo er heute noch wohnt. Ebenso ist es mit der Sottrumer Fahrschule von Hartwig Müller, der auch in Höperhöfen lebt. Das Geschäft mit dem Auto hat sich in Bötersen etabliert und so reiht sich Stefan Holsten mit einer Kfz-Werkstatt in den Reigen ein. Arno Görnig hingegen lebt erst seit 1999 in der Gemeinde, wobei sein Betrieb ein ganz anderes Terrain bekleidet. Er hat sich dem Garten- und Landschaftsbau verschrieben. Außerdem gibt es in dem kleinen Ort zwei Gaststätten und auch den kleinen Kaufmannsladen Bientzle, in dem immer wieder gerne so mancher Plausch gehalten wird.

Aus den umliegenden Gemeinden können die Kinder in Bötersen die Grundschule besuchen. Die jüngsten haben im Kindergarten Merlin die Gelegenheit, mit Gleichaltrigen zu spielen. Sogar eine kleine Filiale der Volksbank erleichtert den Bewohnern das Leben im Ort. Mit dem Ferienhaus „Storm Hoff“ Nordheide bietet Familie Fajen Ferien in schönster Umgebung für Familien auch gern mit Pferd und Hund auf dem Hof an.

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