Rotenburger Realschüler informierten sich über das Fracking

Blick in das Bohrloch

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Die Rotenburger Realschüler an der Bohrstelle Völkersen: In etwa 5 000 Metern Tiefe wird Erdgas erwartet. ·

Rotenburg - „Bei wem von Euch wird zu Hause mit Gas geheizt?“, wollte Dr. Jens Sagemann von den 23 Mädchen und Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren wissen. Zwei, drei Finger zeigten nach oben, sonst fragendes Schweigen.

Die achte Klasse der Rotenburger Realschule war im Rahmen ihrer Projekttage „Bewusst leben“ mit ihren Lehrerinnen Brigitte Matthes-Bliefert und Jana Schülermann an der Bohrstelle Völkersen (Kreis Verden) und wollte sich vor Ort informieren – über das Suchen nach Gas, das Fördern und die ganzen Probleme, die sich anschließen können, vom Fracking bis zum Erdbeben.

Dr. Sagemann ist als Diplom-Geologe Mitarbeiter des Instituts für Geologie und Umwelt und betreut auf neutraler Basis, wie er sagt, den „Info-Point Völkersen“, gleich neben dem RWE/Dea-Bohrturm. Wo Geologen sind, da ist der Weg zu großen Zahlen nicht weit: Im porösen Sandstein, etwa 250 Millionen Jahre alt, in etwa 5 000 Metern Tiefe habe sich das Gas gesammelt, berichtet Sagemann. Dabei vergaß der Wissenschaftler, so interessant sein Vortrag auch war, dass vor ihm Laien saßen, die Probleme hatten, ihm bei seiner Reise in das Erdinnere zu folgen.

Teil des Referats waren Fragen zum heiß diskutierten Fracking und seinen gefährlichen Folgen. Zum Beispiel das Lagerstättenwasser, das mit dem radioaktiven Radium und Quecksilber beladen an die Erdoberfläche gelangt und ohne Schaden für den Menschen anschließend „verpresst“ werden muss. Oder das giftige Benzol, das in Völkersen in kleineren Mengen ausgetreten ist und aufwendig entsorgt werden musste. Im Raum Völkersen, Rotenburg und Söhlingen wackelt die Erde immer wieder: In Abständen weniger Jahre kommt es zu leichten Erdstößen, die von den Menschen als Erdbeben eingeordnet werden und undefinierbare Angst vor etwas bisher völlig Unbekanntem erzeugen. Kaum noch jemand, der leugnet, die Erdstöße hätten nichts mit der Erdgasförderung zu tun. Längst haben Wissenschaftler entsprechende Gutachten erstellt. Die langen Risse in unzähligen Häusern führen allzu „gradlinig“ zu den Erdstößen.

Auf die direkte Frage nach einer Gefährdung der sensiblen Rotenburger Rinne durch Bohrmaßnahmen kommt von dem Geologen Jens Sagemann die überzeugte Antwort: Werde „ordentlich durchgebohrt“, dann „geht es“, ja, dann könne er garantieren, dass nichts passiere.

Als zweiten Teil hörte die Projektgruppe in der Realschule ein Referat von Jochen Richert von der Bürgerinitiative „Frack-loses Gasbohren“ im Landkreis Rotenburg. Die Reinheit des Trinkwassers, so der Vorwurf und die Sorge der Bürgerinitiative, werde leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Richert zum verpressten Lagerstättenwasser: „Wissenschaftler haben gesagt, dass, wenn wir so weitermachen, das ganze Zeug in 20 bis 25 Jahren nach oben kommt.“ · bn

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