Der Kreislandvolkvorsitzende Gerhard Eimer äußert sich im RK/VN-Interview

Biogas: Mais ist den meisten Feldfrüchten überlegen

Gerhard Eimer an einem Maisschlag mit vorgelagerter Bienenweide als Blühstreifen. Im Hintergrund eine Biogasanlage und ein Windrad. ·
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Gerhard Eimer an einem Maisschlag mit vorgelagerter Bienenweide als Blühstreifen. Im Hintergrund eine Biogasanlage und ein Windrad. ·

Kreis Rotenburg - Die Diskussion und die warnenden Stimmen im Zusammenhang mit den Biogasanlagen im Landkreis Rotenburg wollen nicht enden. Besonders die Naturschützer warnen vor den Folgen eines falschen Umgangs mit der Anlagen-Technik und den verbreiteten Mais(mono-)kulturen.

Im Interview äußert sich Kreislandvolkvorsitzender Gerhard Eimer zu der Sicherheit von Biogasanlagen, den Herausforderungen durch die Energiewende und der Lernfähigkeit der Landwirte.

Herr Eimer, eine Fahrt durch den Landkreis Rotenburg lässt fast Vergleiche mit den USA und China zu: Überall Maisfelder, angeblich sind inzwischen etwa 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche damit bepflanzt, um „Futter“ für die rund 140 Biogasanlagen im Kreis zu haben. Ist es nicht langsam Zeit, einen Riegel vor das Ganze zu schieben? Ernst zu nehmende Kritiker gibt es genug.

Wann erwarten Sie denn ein Zurückgehen der kritisierten Maismonokulturen?

Eimer: Es wird intensiv geforscht, um Alternativen nutzbar zu machen, zum Beispiel im Bereich von Kräutern. Selbst in der Verwertung von Grünlandaufwuchs für Biogasanlagen sind neue Erkenntnisse gewonnen worden.

Was sagen Sie zu den jüngsten Schadensfällen in Biogasanlagen im Kreisgebiet?

Eimer: Im Kreisgebiet weiß ich von zwei publizierten Havarien. Die Frage ist, wie Störfälle gemanagt werden. Auswirkungen auf Natur und Umwelt darf man nicht leichtfertig in Kauf nehmen.

Das aber wird Ihren Berufskollegen immer wieder unterstellt.

Eimer: Wir stellen uns den Vorwürfen. Trotzdem kann ich kein großes Ausmaß an Störungen und Leichtfertigkeit feststellen. Wo Menschen arbeiten, kommt es leider auch zu Unfällen. Wichtig ist, die Ursachen zu erkennen und zu beseitigen.

Was kann, was muss ihrer Meinung nach besser werden, um die Biogasanlagen sicherer zu machen?

Eimer: Vorschriften zur Bauausführung und technischer Fortschritt machen die Anlagen sicherer. Das gilt aber auch für sonstige Produktions- und Fertigungsbereiche. Glücklicherweise sind Arbeitsunfälle rückläufig. Biogasanlagen gibt es bei uns erst seit zehn Jahren, und beim Betreiben dieser Anlagen deckt man Schwachpunkte auf.

Ist die Kritik an Ihren Berufskollegen überzogen?

Eimer: Ja. Wir Bauern sind lernfähig und nicht überzeugungsresistent.

Produzieren Sie Biogas?

Eimer: Nein, aber ich erzeuge Mais für Biogasanlagen, möchte auch Zuckerrüben für Biogasanlagen anbauen.

Rechtfertigt der Aufwand das Ergebnis? Biogas kann mit Windrädern und Photovoltaik längst nicht mithalten!

Eimer: Es wird vielfach anders gesehen, aber ich halte die Biogaserzeugung für eine sinnvolle Bereicherung im Energiemix. Nach wie vor ist Biogas im Kostenvergleich gegenüber Photovoltaik im Vorteil. Bei den alternativen Energien ist die Windkraft bezüglich der Erzeugungskosten konkurrenzlos. Der Windkraft gepaart mit entsprechender Speichertechnologie gehört die Zukunft.

Also weiter mit der „Verspargelung“ der Landschaft?

Eimer: Welche Konsequenzen sind wir bereit zu tragen, frage ich mich. Energiewende bedeutet Veränderung und auch erwartete Akzeptanz. · bn

Eimer: Warum sollten wir einen Riegel vorschieben bei Dingen, die sich von selbst erledigen? Der Biogasanlagen-Neubau ist praktisch zum Erliegen gekommen. Auch in diesem Jahr erleben wir üppig entwickelte Maisfelder, unabhängig vom Einsatz in den Biogasanlagen ist der Mais im Bereich von Ertrag und Sicherheit den meisten übrigen Feldfrüchten überlegen. Für Biogasanlagen entwickelt sich die Zuckerrübe zu einer Mais-Alternative. Die Verarbeitungstechnik ist leider noch nicht ausgereift.

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