Londoner Student dreht in Hellwege Teile eines Psychothrillers

Ein Beutel voller Blut

Blutige Tricks waren gefragt.

Rotenburg - Von Mareike BannaschHELLWEGE · Mit aller Kraft wuchtet er den leblosen Körper hoch. Packt ihn unter den Armen. Zieht ihn langsam durch den nächsten Raum und um die Ecke. Eine breite Spur aus Blut markiert den Weg der Beiden. Der Mörder hat zugeschlagen und beseitigt sein brutal verstümmeltes Opfer.

Ein einsames, verlassenes Haus in Stelle wird momentan von einer Filmcrew bevölkert. Dort werden die blutigen Sequenzen eines 20-minütigen Psychothrillers mit Schockelementen gedreht. „Das Haus soll sowieso abgerissen werden, und netterweise lässt uns der Besitzer hier vorher noch mal arbeiten“, erzählt Regisseur Dominik Götz. Ursprünglich stammt der 31-jährige Student aus Ottersberg und ist somit mit der Region bestens vertraut. Doch jetzt lebt er in der britischen Hauptstadt und besucht dort die London Metropolitan University. Für den Kurzfilm hat er sich einen straffen Zeitplan gesetzt. „Ich fliege am 17. September zurück, dann muss der Film fertig sein“, betont Götz. Somit kommt auf ihn und seine Crew, die übrigens das erste Mal zusammen arbeitet, noch eine Menge Arbeit hinzu.

Mit im Team ist auch Joanna Semmelrogge. Die Schauspielerin spielt die weibliche Hauptrolle, die 19-jährige Marie. Diese ist Autorin und flüchtet über das Schreiben aus der realen Welt – bis sie einen Schriftsteller à la Steven King, gespielt von Hannes Ducke, in ihrem Dorf trifft. Von ihm erhofft sie sich neue Inspiration, allerdings hat der Mann ein dunkles Geheimnis. „Ich wollte schon immer mal in einem Psychothriller mitspielen, deshalb habe ich sofort zugesagt“, so die 21-Jährige.

Bis vor kurzem hat sie noch in Bremen am Theater gespielt, deshalb war der Weg nach Hellwege auch nicht allzu weit. Vom Drehort ist die Jungdarstellerin sehr begeistert. „Das Haus hat Geschichte, das Ganze könnte sich hier wirklich zugetragen haben“, sagt sie und blickt auf die grauen Mauern. Doch nicht nur der Drehort ist wichtig, auch andere Details wie das Blut im Badezimmer oder die tiefen Wunden auf der Haut des Opfers machen die Geschichte erst realistisch. Für die Maske ist dabei Karin Lokita zuständig. Ungefähr zwei Stunden verbringt sie damit, Schnitte auf den Armen oder Beinen des Opfers Jan Kahrs aufzutragen. Dabei müssen die extra modellierten Verletzungen ständig beobachtet und manchmal sogar erneuert werden. „Ich gucke mir im Vorfeld Bilder von Schnitten an und modelliere die dann nach“, schildert Lokita ihre Aufgabe. Seit rund 30 Jahren arbeitet sie im Bereich der Maske und wird ab September am Bremer Waldau-Theater wieder Hand an die Darsteller legen. Bei den Dreharbeiten erstellt sie jedoch nicht nur schwere Schnitte und offene Brüche, sie versorgt die Filmcrew auch mit Schweineblut, das später vom Rücken des Opfers laufen wird. „Es gibt auch künstlich hergestelltes, aber das ist viel teurer als das Schweineblut vom Schlachter“, erklärt die Maskenbildnerin und befestigt einen kleinen Beutel am Rücken von Jan Kahrs. Aus diesem wird dann später die dicke rote Blutspur über den Boden laufen.

Wie der Kampf zwischen Opfer und Täter genau aussieht und was eine Badewanne damit zu tun hat, wird aber nicht im Fernsehen zu sehen sein. Dominik Götz will das Ergebnis nämlich bei deutsch- und englischsprachigen Filmfestivals zeigen. Dabei hofft er, trotz des kleinen Budgets einige Preise zu gewinnen, denn mit Auszeichnungen sei es einfacher, finanzielle Unterstützung für seine Abschlussarbeit Ende des Jahres zu bekommen. Um das Ergebnis des Drehs auch in Nordamerika, England und Kanada präsentieren zu können, werden die Szenen später noch einmal mit englischen Sprechern synchronisiert. „Aber wir machen auf jeden Fall noch eine Premiere in Bremen, da ein Großteil der Crew aus der Stadt oder drum herum kommt“, versichert Götz – und beginnt mit der nächsten Szene.

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