Der Waffensener Ortsrat sucht das Gespräch mit Bürgern sowie Werke-Bewohnern und -Mitarbeitern

Betreutes Wohnen im Dorf

+
Friedhelm Sager (l.) und Hartmut Leefers beantworteten im MGH Fragen. ·

Rotenburg - Von Heidi StahlWAFFENSEN · Als im Herbst des vergangenen Jahres bekannt geworden war, dass die Rotenburger Werke unter der Federführung der Bereichsleiter Friedhelm Sager und Bernd Schröder einen weiteren Standort neben Scheeßel und Falkenburg für eine betreute Wohngemeinschaft im Umkreis von Rotenburg suchten, stieß das nicht bei allen Waffensener Bürgern auf ungeteilte Zustimmung. Damit sich Unentschlossene ein Bild von den möglichen neuen Nachbarn machen konnten, hatte Ortsbürgermeister Hartmut Leefers durch Handzettel und persönliche Ansprache, wie es eben in einem 830 Seelen Ort wie Waffensen üblich und möglich ist, die Bürger am Sonnabend zu einem geselligen Zusammensein ins Mehrgenerationenhaus eingeladen.

Hier konnte eine erste unvoreingenommene Begegnung mit einigen Bewohnern der Rotenburger Werke stattfinden, die gerne in eine betreute Wohngemeinschaft nach Waffensen ziehen möchten. An langen, liebevoll gedeckten Tischen mischten sich 15 Bewohner des Kalandshofes mit ihren Betreuern bei Kaffee und Kuchen unter die zahlreich gekommenen Waffenser.

Jobst Deventer von den Rotenburger Werken gab mit Bildern der letztjährigen Weihnachtsfeier der Bewohner einen kurzen Einblick über das Zusammenleben der behinderten Menschen. Als die Bilder einer Theateraufführung gezeigt wurden, die die Bewohner selbst gestaltet hatten, kamen spontan die vier jungen Schauspieler Hanna, Henrieke, Nicole und Till mit nach vorn und zeigten voller Freude, dass sie von den Texten des aufgeführten Märchens vom „Froschkönig“ noch nichts vergessen hatten. Viel Beifall des überraschten Publikums belohnte ihre Spielfreude. Stefan Orth, der Kantor der Kirche zum guten Hirten, setzte sich an das Klavier und auch Hartmut Leefers hatte sein Akkordeon mitgebracht und beim gemeinsamen Singen von „Die Gedanken sind frei“ oder „Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen“ konnte man keinen Unterschied mehr zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen feststellen.

Danach erläuterte Friedhelm Sager dem vollständig erschienenen Ortsrat und den zahlreichen Gästen im MGH das geplante Vorhaben. Ein Wohngemeinschaftshaus mit 20 bis 24 Bewohnern und einer 24-Stunden-Rundumbetreuung durch ausgebildete und erfahrene Betreuer soll in Waffensen gebaut werden, um den behinderten Menschen ein Leben in möglichst großer Normalität zu ermöglichen. Ein Standort hierfür wird im Ort noch gesucht. So gut die Betreuung auf dem großen Gelände der Rotenburger Werke auch ist, so ist es doch nicht das normale Leben mit Nachbarn und den alltäglichen Wagnissen und Ereignissen eines nicht so geschützten Raumes, wie es der „normale“ Bürger erfährt. Die Bewohner sollen auch endlich ein Zimmer mit Bad für sich allein bekommen, bis jetzt müssen sie immer noch zu zweit oder zu dritt in einem Zimmer zusammen leben. Die Bewohner, die jetzt schon in den Werkstätten arbeiten, werden auch weiterhin mit Bussen nach Rotenburg zu ihrer Arbeitsstelle gebracht. Angedacht ist aber auch, dass in Waffensen eine Tagestätte mit Arbeitsmöglichkeiten entstehen soll. Bei dem gesamten Vorhaben ergäbe sich für die Waffensener auch eine „Win-win-Situation“, wie Hartmut Leefers erläuterte. Es würden Arbeitsplätze geschaffen, Waffensener Betriebe könnten bei den Bauarbeiten mit einbezogen werden und nicht zuletzt bestehe die Möglichkeit, dass die Betreuer nach Waffensen ziehen und durch ihre Familien und Kinder die Bevölkerungszahl im Ort vergrößerten, was dringend erwünscht ist.

Bei diesem ersten Kennenlern-Nachmittag ergaben sich noch viele Fragen von Seiten der Besucher, die in einer von Hartmut Leefers angekündigten Bürgerversammlung zeitnah beantwortet werden sollen. Auch wenn rein juristisch keine Zustimmung des Ortsrates und der Einwohner nötig und möglich ist, so wolle man doch in eine Umgebung ziehen, wo man erwünscht ist und auf den guten Willen der Nachbarn zählen kann, betonte abschließend Friedhelm Sager.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Tief "Axel" bringt viel Regen: Feuerwehr im Dauereinsatz

Tief "Axel" bringt viel Regen: Feuerwehr im Dauereinsatz

Bewertungen beim Onlineshopping nicht blind vertrauen

Bewertungen beim Onlineshopping nicht blind vertrauen

Der Mann mit der roten Kappe: Niki Lauda bleibt unvergessen

Der Mann mit der roten Kappe: Niki Lauda bleibt unvergessen

Auf Elba wird der Traum vom Jachtsegeln wahr

Auf Elba wird der Traum vom Jachtsegeln wahr

Meistgelesene Artikel

Unfall auf der B71 zwischen Rotenburg und Hemsbünde: Mann in Lebensgefahr

Unfall auf der B71 zwischen Rotenburg und Hemsbünde: Mann in Lebensgefahr

Der Zusammenhalt zählt

Der Zusammenhalt zählt

„Jetzt ist eine rote Linie überschritten“

„Jetzt ist eine rote Linie überschritten“

Schwerer Verkehrsunfall auf der B75 führt zu Sperrung

Schwerer Verkehrsunfall auf der B75 führt zu Sperrung

Kommentare