Neffe erinnert sich an Leben und Wirken des Heimatkünstlers Gustav Könsen

Der berühmte Onkel

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Hans-Richard Buthmann (l.) mit Könsen-Neffe Klaus vor dem Bild, das der Heimatkünstler besonders geliebt hat: „Die Spinnerin“. ·

Sottrum - STUCKENBORSTEL · „Klaus, hör to, man kann di allens im Läben nähm, Hus un Hoff, ober wat du in Kopp häst, dat kann di keener nähm.“ An diesen Rat von „Onkel Gustav“ erinnert sich sein Neffe Klaus Könsen auch heute noch ganz deutlich. Gustav Könsen, ein ungewöhnlich vielseitiger Heimatkünstler, ist im Dezember 1957 im Alter von 69 Jahren gestorben. Sein Neffe Klaus, jetzt 70 Jahre, hat noch viele Jahre mit seinem Onkel Gustav in Stuckenborstel unter einem Dach gelebt.

Es sollte zu einem besonderen Abschnitt in seinem Leben werden, der ihn stark geprägt hat: „Ich habe meinem Onkel so viel zu verdanken, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.“ Und Kaufmann Klaus Könsen, inzwischen im Ruhestand, sollte selbst erleben, dass der Onkel mit seiner plattdeutschen Weisheit recht hatte.

Die Zeit zwang den jetzt 70-Jährigen nämlich, das von ihm geführte Lebensmittelgeschäft und die liebenswürdige Kneipe mit dem ausgefallenen Namen „Im Krug zum grünen Kranze“ zu schließen. Alles ist noch da, blankgeputzt bis zur letzten Schraube – die Regale, die Schneidemaschinen im Geschäft, in der kleinen Gaststube der Tresen mit der blitzenden Schankanlage. Alles könnte morgen wieder in Gang gesetzt werden, aber der Schlaf wird weitergehen. Ehefrau Brigitte benutzt den Laden jetzt zur eigenen Vorratshaltung.

Gleich nebenan, im ehemaligen Clubraum, die Begegnung mit dem Künstler, mit dem Maler Gustav Könsen. Seine Ölbilder, die an die Meister der Worpswede-Szene erinnern. Könsen hat an der Seite der Künstler dort zwischen den Weltkriegen einige Jahre gelebt. Unter den Werken „Die Spinnerin“, ein Bild, das Gustav Könsen besonders geliebt hat. Neffe Klaus versucht, den Arbeiten seines bekannten Onkels einen angemessenen Platz zu geben. Trotzdem: Alles befindet sich abseits von interessierten Augen.

Bekannter Onkel? Gustav Könsen ist in seinem Heimatort Stuckenborstel, in Sottrum und der Umgebung lebendig geblieben, seine Werke, ob es nun die Bilder, die Theaterstücke („Wo na slecht de Deern“ und „De Deern wart vulljährig“) oder die Bücher („Fiedjen Duukdi“, „Vergnögde Seelen“ und „Buern-Geschichten“) sind, haben längst ihren selbstverständlichen Platz. Aber beispielsweise in Rotenburg ist dieser Heimatkünstler kaum bekannt.

Der Mann, der oft die letzten Einzelheiten zu Gustav Könsen und seinen Werken weiß, ist Hans-Richard Buthmann (74) aus Stuckenborstel. (Klaus Könsen bewundernd zu Buthmann: „Unsere lebende Festplatte.“) Der Industriekaufmann im Ruhestand steht immer an vorderster Front, wenn es darum geht, das Gestern zu erhalten und zu pflegen.

Hans-Richard Buthmann über Gustav Könsen, bei dem er besonders stolz ist, dass seine Heimat das kleine Dorf Stuckenborstel ist: „Gustav Könsen war ein weiser Freund, ein treuer Ratgeber und ein gerechter Schiedsmann.“ Eine gute Entscheidung, so Buthmann, sei es gewesen, die Straße gleich gegenüber nach Könsen zu benennen.

Jetzt hat das Büchlein „Dat Döörp lacht“ von Gustav Könsen sozusagen „Beine bekommen“ und den Weg auf einen Flohmarkt in Neuenkirchen (Heidekreis) gefunden. Hilde Dieckhoff, Frau des Vorsitzenden des Plattdeutschen Vereins Rotenburg, Gerhard Dieckhoff (81), brachte die kleine Kostbarkeit (111 Seiten) für zwei Euro mit nach Hause. Kurzgeschichten mit wahrem Hintergrund, dazu bestimmt, den Soldaten, „us düchtigen Jungens ... een Stück Heimat vörzaubern“.

Vielleicht bekommt Gustav Könsen mit seinen liebenswürdigen Geschichten in nüchterner Gegenwart seinen verdienten, erweiterten Platz: Hilde Dieckhoff hat daraus bereits im Vereinslokal „Domshof“ begeisterten Liebhabern des Plattdeutschen vorgelesen. · bn

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