Auffallend hohe Werte bei Bellener Ehepaar / Gift in der Luft an Erdgasanlagen?

Benzol im Blut: Rentner will ExxonMobil verklagen

Rotenburg - Von Jens WietersBELLEN · Was haben die Erdgasbohrungen des US-Konzerns ExxonMobil in der Region Bellen mit einer auffallend hohen Schadstoffbelastung im Blut der Anwohner von drei Pumpstationen zu tun? „Fakt ist“, sagt Erdwin Schoon, „dass bei mir und meiner Frau Christa erhöhte Benzol- und Quecksilberwerte festgestellt wurden.“

Für die Familie ist die Sache klar: „Das kann nur mit den Anlagen der Exxon zusammenhängen.“ Aufgeschreckt durch die Berichterstattung über die Bodenverunreinigungen mit giftigen Kohlenwasserstoffen an einer Exxon-Rohrleitung, hat sich Schoon im Januar bei einem Arzt in Schneverdingen Blut abnehmen und in einem Labor untersuchen lassen. „Nach drei Wochen kam das Ergebnis, dass mein Blut auffallend hohe Benzol- und Quecksilberbelastungen enthält. Das war schon ein Schock“, sagt der 72-Jährige, der seit 16 Jahren am Ortsrand der kleinen Gemarkung Bellen wohnt. Auch bei seiner 70-jährigen Frau sei von einem anderen Institut die hohen Benzolwerte festgestellt worden.

„Auch wenn die Werte noch nicht ganz so dramatisch sind, wie Fachleute mir bestätigt haben, fühle ich mich in meiner Lebensqualität arg eingeschränkt“, unterstreicht Schoon, der jetzt von einem Anwalt rechtliche Schritte gegen den Bohr- und Pumpbetrieb in seiner Nachbarschaft prüfen lässt und gegebenenfalls klagt..

Das Landesbergamt reagierte gestern ebenfalls auf entsprechende Meldungen. Zusammen mit anderen Behörden wolle das Amt herausfinden, welche Emissionsquellen Auslöser für die erhöhten Werte sein können, sagte der Leitende Bergdirektor Klaus Söntgerath.

Dass die Anwohner die Schadstoffe aus dem Boden aufgenommen haben könnten, sei aus seiner Sicht eher unwahrscheinlich, sagte Söntgerath. Möglicherweise seien die erhöhten Schadstoffwerte über die Luft gekommen. „Wir müssen jetzt mit Hilfe anderer Behörden, vor allem dem Gesundheitsamt, die Lage dort bewerten“, betonte er. Das Landesbergamt überprüfe jetzt auch die Luftemissionen der Gasförderstätten, betonte Söntgerath. „Wir arbeiten auf jeden Fall unsere Vorschriften ab, die wir einhalten müssen, und da ist schon einiges in dieser Hinsicht gemacht worden.“ Wenn das Bergamt Hinweise aus der Bevölkerung bekomme, werde das sofort überprüft.

„Und das muss auch so sein“, sagt Erdwin Schoon, „denn wenn der kleine Mann auf dem eigenen Hof Ölwechsel am Auto macht, gibt es reichlich Ärger, und solch ein Konzern soll mit solch einer Umweltbelastung ungestraft davonkommen. Das geht doch nicht!“ Gestern hat sich Familie Schoon mit dem Gesundheitsamt Rotenburg in Verbindung gesetzt. „Jetzt wird auch unsere Tochter komplett durchgecheckt. Und ich hoffe, dass noch mehr Menschen unserem Beispiel folgen. Auch wenn unser Ergebnis nicht gerade schön ist.“

Ein ExxonMobil-Sprecher war gestern bis Redaktionsschluss nicht ans Telefon zu bekommen. Dafür aber Visselhövedes Bürgermeisterin Franka Strehse, die „jetzt eine lückenlose Aufklärung“ verlangt. „Wenn sich bestätigt, dass die Belastungen über die Luft in die Körper dringen, wäre es eine ganz schlimme Geschichte.“

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