Heimatverein-Vorsitzende von niedersächsischer Ministerin für Kultur geehrt

Behrens: „Man lebt durch Begegnungen“

„Das war schon etwas Besonderes.“ – Christine Behrens mit der Urkunde, die sie aus den Händen von Dr. Gabriele Heinen-Klajic überreicht bekam. ·
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„Das war schon etwas Besonderes.“ – Christine Behrens mit der Urkunde, die sie aus den Händen von Dr. Gabriele Heinen-Klajic überreicht bekam. ·

Scheeßel - Gerade wurde die Vorsitzende des Scheeßeler Heimatvereins Christine Behrens als eine von zwölf Ehrenamtlichen vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen einer Feier im Opernhaus Hannover für ihre Kulturarbeit geehrt.

Auf den Vorschlag des Landschaftsverbands Stade erhielt die 79-jährige die Auszeichnung für ihre Verdienste um die Heimatpflege, vor allem das Bewahren des Erbes der beiden großen Söhne Scheeßels, Ernst Müller-Scheeßel und Heinz Fehling.

Frau Behrens, das war bestimmt nicht Ihr erster Preis?

Christine Behrens: Nein, inzwischen könnte ich schon eine Wand tapezieren. Aber die niedersächsische Kultur- und Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Klajic persönlich in kleinem Kreis kennen zu lernen, von ihr persönlich die Laudatio zu hören, das war schon etwas Besonderes. Ganz abgesehen vom reichhaltigen Beiprogramm: Führung durchs Opernhaus durch den Intendanten selbst, durch die Restaurierungswerkstätten im Amt für Denkmalpflege ...

Wurden alle zwölf Geehrten aus je einem Landkreis für Heimatpflege geehrt?

Behrens: Nein, da war ich die einzige. Als mein Text verlesen wurde, der ja etwas länger war, weil ich mich schon seit 1959 im Heimatverein engagiere, seit 1976 als Leiterin der Galerie und seit 1979 auch offiziell als Schriftführerin, in den letzten elf Jahren als Vorsitzende, ging schon ein Raunen durch den Saal. In der Zeit konnte ich aber auch eine Menge bewegen: Verbindungen nach Bremen knüpfen, um die Sammlung Müller-Scheeßels wieder zusammen zu bekommen – ich hatte da durch Zufall eine Angehörige der Reederfamilie Lührsen kennen gelernt, die in seiner Zeit in der Böttcherstraße seine Nachbarin war…. Das hat Türen geöffnet, auch wenn es später um Leihgaben aus Bremer Privatsammlungen ging. Man lebt eben durch Begegnungen…

…und die anderen Ehrungen?

Behrens: ... waren eher für Kulturarbeit, Musik und Integration. Einer hatte seinen Bauernhof als Begegnungsstätte umbauen lassen. Das ist auch wichtig: Dass diejenigen, die sich bemühen, hier sesshaft zu werden, sich wohl fühlen. Nach dem Krieg haben wir hier ja auch Flüchtlinge integriert. Ich habe Spinndörnsen-Abende angeboten, da haben die wir den Zugezogenen aus Schlesien oder Pommern Platt beigebracht und sie haben uns ihre Sprachen näher gebracht. So sind die Spinnkurse entstanden. 1977 waren ja noch alle Spinnräder kaputt – das Leder gebrochen, die Tritte kaputt. Die haben seitdem unsere eigenen Handwerker in Schuss gehalten.

Was würden Sie als Ihr größtes Verdienst ansehen?

Behrens: Den Aufbau und die Betreuung der beiden Sammlungen - also Inventarisierung des Werks von Müller-Scheeßel in 30 Jahren Forschungsarbeit. Allein das Werksverzeichnis ist damals mit 100.000 DM zu Buche geschlagen. Und dann natürlich, Gelder für die Fehlingsammlung mit Restaurierung, Rahmung und Katalog zusammen zu bekommen. Dazu habe ich in den 70er Jahren Diavorträge gehalten. Meine Referentinnentätigkeit hat dazu beigetragen, dass wir es von anfangs 500 Besuchern in Spitzenzeiten auf 22.000 gebracht haben. Heute sind wir immerhin noch bei zirka 12.000 jährlich.

Stirbt die Heimatpflege aus?

Behrens: Ganz im Gegenteil: Wir sehen eine Neubelebung, zum Beispiel bei den eben erwähnten Spinn- und Webkursen. Für die sind wir heute im Elbe-Weser-Raum das Zentrum. Da sehe ich mich bestätigt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Behrens: Dass das Wort „Heimat“ mehr aufgewertet wird. Eine Zeit lang war es ja regelrecht verpönt. Jetzt beim laufenden Zertifizierungsverfahren wurde uns vom Museumsverband geraten, es unbedingt beizubehalten, und das haben wir von jungen Leuten gehört. Konkret würde ich mir wünschen, dass es mit der Zertifizierung für die nächsten sieben Jahre klappt. Das braucht man für die Beantragung von Landesmitteln. Schließlich brauchen wir dringend ein Depot für unsere Sammlungen.

Hält Sie Ihr Ehrenamt jung?

Behrens: Das tun wohl eher meine Enkel. Wenn ich mit dem Siebenjährigen Federball spiele…. Noch gewinne ich aber – ich kenne da so Tricks. · hey

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