Heringsessen: Bundeswehr zeigt Einsatz-Szenario / Kirsten Baden ist neue „Matjestätin“

„Beeindruckend wie beklemmend“

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Die Situation eskaliert: Mit Schlagstöcken und Schilden wehren die Soldaten die gewaltbereiten Demonstranten ab. ·

Scheessel - Von Lars Warnecke. Es ist ein Szenario, wie es sich so jeden Tag für die deutschen Bundeswehrsoldaten im krisengeschüttelten Kosovo zutragen könnte: Ein aufgebrachter Mob will gewaltsam in ein von Einsatztruppen bewachtes Gerichtsgebäude eindringen. Wie die Soldaten bemüht sind, die Lage unter Kontrolle zu bringen, bekamen am Mittwoch die Teilnehmer des diesjährigen Heringsessens direkt vor ihren Augen präsentiert.

Gab den Gästen Einblicke in die Arbeit seines Bataillons: Kommandeur Roger Ries.

Es hat gute Tradition: Bevor am Abend im Meyerhof bei Hering in verschiedenen Variationen sowie Bratkartoffeln und anderen Beilagen die neue „Matjestät“ gekürt wird, erhalten die geladenen Vertreter von Politik, Vereinen, Verwaltung und Wirtschaft Einblicke in die sonst eher verschlossene Welt des Militärs. Dieses Mal hatte das Logistikbataillon 3, neben der Gemeinde und dem Vorstand der Sparkasse Scheeßel einer der Organisatoren des Heringsessens, in die Rotenburger Lent-Kaserne geladen. Dort berichtete Oberstleutnant Roger Ries zunächst über die künftigen Aufgaben seiner Einheit. Konzentriere man sich derzeit auf den Auftrag Zuhause, verlagere sich der Einsatzschwerpunkt im kommenden Jahr in Krisengebiete auf dem Balkan, in Afghanistan und Afrika, so der Bataillonskommandeur.

Eine strahlende Heringskönigin: Kirsten Baden.

Ein Aspekt, der für die Soldaten bei ihren Auslandseinsätzen immer eine Rolle spiele und für den sie ausgebildet würden, sei die Überwachung von unfriedlichen Menschenansammlungen sowie die Eindämmung von Krawallen, im Bundeswehrjargon „Crowd and Riot Control“ (CRC) genannt. „So ein Einsatz umfasst alle Maßnahmen zur Verhinderung oder Auflösung von Menschengruppen, von denen Gewalt ausgeht oder Gewaltanwendung ausgehen kann“,  erklärte Kompaniechef Major Marcus Herbert Jansen den Gästen und machte einen derartigen Einsatz am Beispiel Kosovo fest. Unter anderem dürften die Soldaten mit militärischer Gewalt Personen aus der Zivilbevölkerung daran hindern, von der Kosovo-Truppe geschützte Bereiche unbefugt zu betreten. Auch das Anhalten, Entwaffnen und Durchsuchen sei unter gegebenen Umständen möglich, so Jansen.

Wie das in der Praxis aussehen kann, verdeutlichten rund 60 Soldaten eindrucksvoll mit der Vorführung eines Szenarios. Schauplatz ist ein kosovianisches Gerichtsgebäude, gesichert von deutschen Einsatzkräften. Drinnen muss sich Slobodan Krasniqi, ein bekannter und beliebter Kämpfer der Untergrundarmee UCK, für seine Gräueltaten im Bürgerkrieg gegen Teile der serbisch-stämmigen Bevölkerung verantworten. Da damit zu rechnen ist, dass Sympathisanten des Angeklagten die Verhandlungen stören wollen, sind die Soldaten gewarnt.

Und in der Tat: Ein Mann erscheint und gibt sich als Krasniqis Bruder aus. Da er keine gültigen Papiere mit sich führt, weisen ihn die Bewacher ab. Wutentbrannt zieht sich der Zivilist zurück, nur um wenig später mit rund 30 Demonstranten im Schlepptau wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. „Slobodan raus! Slobodan raus!“ ruft die aufgebrachte Menge. Als ihr weiterhin der Zutritt in das Gebäude verwehrt wird, eskaliert die Situation. Mit Gewalt wollen sich die Demonstranten nunmehr durchkämpfen – doch die mit Schild und Schlagstock ausgerüsteten Soldaten gewinnen am Ende die Oberhand.

„Das war ebenso beeindruckend wie beklemmend“, befand Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele am Abend im Meyerhof. Als Mitglied der Findungskommission mit Werner Schulz, Bataillonskommandeur Roger Ries und Sparkassen-Direktor Jürgen Lange kürte die Verwaltungschefin schließlich Kirsten Baden zur neuen Heringskönigin.

Der Vizeposten fiel mit ihrer Schwester Ute Rothe ebenfalls in weibliche Hand – eine derartige Besetzung hatte es in der 28-jährigen Geschichte des Scheeßeler Heringsessens bisher noch nicht gegeben.

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