Kernortausschuss beschäftigt sich mit Neupflanzung auf dem Marktplatz

Baum ist nicht gleich Baum

Landschaftsarchitektin Claudia Hübner ·
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Landschaftsarchitektin Claudia Hübner ·

Scheessel - Der Blick auf die Tagesordnung ließ nichts Böses erahnen, sollte im Kernortausschuss am Dienstagabend doch lediglich eine Auswahl der Baumarten für Neupflanzungen auf dem Marktplatz getroffen werden. Dennoch geriet die Sitzung zu einem Paradebeispiel wahlkämpferischer Taktik, bei der einmal mehr die Fetzen flogen.

Das wollte Ralf Münkel so nicht durchgehen lassen: Eine aus seiner Sicht lückenhafte Beschlussvorlage, über die er an Ort und Stelle entscheiden soll? Der Sprecher der Gruppe 57 sah sich in einem „politischem Dilemma“ und sparte nicht mit Kritik an der Verwaltung. Diese hatte in der Vorlage die Auswahl der acht neu zu pflanzenden Bäume noch völlig offen gelassen – und das, obwohl die Anwohnerschaft während einer Versammlung im Februar bereits konkrete Wünsche gegenüber der Verwaltung und dem für die Gestaltung beauftragten Bremer Landschaftarchitektenbüro „Horeis und Blatt“ geäußert hatte, welche Gewächse ab Frühjahr den Parkplatz sowie das Düsenfeld schmücken sollten. „Da man uns die Infos vorab nicht mitgeteilt hat, konnten wir uns nicht beraten“, brachte der Westerholzer seinen Unmut zum Ausdruck. Und auch Thomas Twesten (Bündnis90/Grüne), sonst eher ein stiller Vertreter im Gemeinderat, zeigte sich angesichts der vollendeten Tatsachen verwundert: „Warum sind wir Ausschussmitglieder nicht gleich zu der Anliegerversammlung eingeladen worden, dann hätten wir uns ein Bild machen können?“

„Wenn ich gewusst hätte, dass das so schwierig ist, hätte ich das sicher in Betracht gezogen“, erwiderte der sichtlich um Fassung ringende Verwaltungsmitarbeiter Stefan Behrens, der auch die Vorlage erstellt hatte. Er habe bewusst die Vorgabe der Anlieger ausgelassen, um die Mandatsträger nicht in eine Richtung zu lenken. „Ich wollte nicht so tun, als sei alles vorentschieden, sonst bräuchten wir auch nicht so eine Sitzung wie diese“, setzte er sich zu Wehr. Darüber hinaus sei die Idee ja nicht eins zu eins in Stein gemeißelt, sodass die Politik durchaus andere Vorstellungen einbringen könne.

Welche Bäume für das derzeit noch im Umbau befindliche Areal in planerischer und ökologischer Hinsicht in Betracht kommen, stellte Landschaftsarchitektin Claudia Hübner vor. Demnach sei für den Parkplatzbereich ein Mix aus einheimischem Spitzahorn, amerikanischer Esche und ungarischer Eiche angedacht. Alle Baumarten seien sowohl stress- als auch hitzeresistent, für bebaute Flächen geeignet und hätten eine satte Herbstfärbung.

Den direkt an die Zevener Straße angrenzenden Platz im Platz mit dem Wasserspiel soll indes – quasi als Hingucker – künftig ein hochstämmiger Rotahornbaum schmücken. Für Jürgen Wahlers (SPD) ein glatter Fehlgriff: „Ahorn ist nicht mehr als Unkraut, da muss für einen exponierten Platz etwas Besonderes hin“, echauffierte sich der Jeersdorfer lautstark. Fraglich sei zudem, ob die Anwohner tatsächlich so geschlossen hinter der Auswahl steht, wie es die Verwaltung darstellt. Wahlers: „Mir ist da etwas anderes bekannt.“ 

Die CDU, während der Sitzung auffällig zurückhaltend, stand geschlossen hinter der Vorlage. Das reichte, um mit ihren Stimmen das Projekt durchzuwinken. Ein letztes Mal wird das Thema heute im Verwaltungsausschuss verhandelt. · lw

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