Atemlos mit Abstand

Tanzen im Quadrat: Mariella und Thomas Witassek zeigen, was in Coronazeiten in ihren Kursen beachtet werden muss. 
Foto: Poppe
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Tanzen im Quadrat: Mariella und Thomas Witassek zeigen, was in Coronazeiten in ihren Kursen beachtet werden muss. Foto: Poppe

Es darf wieder getanzt werden. Doch der Weg dahin war nicht leicht – selbst Paare, die in einem Haushalt leben, sollten wegen des Virus ohne Körperkontakt tanzen. Widersprüchliche Verordnungen mussten permanent mit einer positiven Denkweise entschlüsselt werden. Dass das geht, zeigte die Kooperation der Tanzschulen Seel (Rotenburg) und Witassek (Bremervörde).

Rotenburg/Bremervörde – Kürzlich haben es zwei Tanzschulen aus dem Landkreis geschafft, in Kooperation durch innovative Ansätze mit einem besonderen Antrieb ihre beiden Betriebe für ein harmonisches Zusammensein in Zeiten von Covid-19 als einzige in ganz Niedersachsen für drei Tage öffnen zu dürfen – bevor dann vorübergehend wieder Schluss war. Auch wenn die zuständigen Behörden und Ämter daran schuldlos sind – die Vorgaben hatten durchaus latent die Qualität, als Realsatire durchzugehen. Im Interview erläutert der Initiator der Aktionen, Thomas Witassek (33), die Sachverhalte.

Herr Witassek, Sie haben 2018 in Bremervörde Ihre Tanzschule eröffnet. In Zeiten von Covid-19 gab es nun erstmals Turbulenzen in Ihrem Betrieb. Wenn man, abgesehen von den finanziellen Konsequenzen, die derzeit viele Berufszweige zu tragen haben, die Sachverhalte positiv und humoristisch betrachtet: Wie haben Sie es geschafft, gemeinsam mit der Kooperationspartnerin, der Tanzschule Seel aus Rotenburg, als einzige Tanzschulen in Niedersachsen vom 15. bis 17. Mai Ihre Pforten öffnen zu dürfen?

Durch permanente Nachfrage inklusive zahlreicher E-Mails beim Ordnungsamt, Gesundheitsamt, Landkreis, der Landesregierung und dem Krisenstab erhielten wir am 15. Mai morgens um 8 Uhr überraschend per E-Mail eine Nachricht mit der Zusage des Krisenstabs, seit dem 11. Mai gemeinsam mit den Schulen als Bildungsstätte wieder öffnen zu können.

Anschließend wurden die Betriebe jedoch vorübergehend wieder stillgelegt, weil Tanzschulen dann doch keine Bildungsstätten waren…

Richtig, am 18. Mai wurden wir mittags kurz vor Kursbeginn vom Gesundheitsamt informiert, dass der Krisenstab uns eine falsche Information zukommen lassen hatte und die Genehmigung der Öffnung widerrufen wurde. Können Sie sich vorstellen, dass Tanzschulen nicht öffnen dürfen, weil zu viel geatmet werden würde?

Als der Indoor-Sport am 25. Mai wiedereröffnen durfte, waren Sie jedoch erst einmal außen vor, weil plötzlich unklar war, ob Tanzsportbetriebe zum Indoor-Sport gehören…

Da war sich keine von den Behörden einig. Als wir anriefen, nachdem wir erfahren hatten, dass Indoor-Sportanlagen wieder öffnen dürfen, sagte uns die Landesbehörde, sie müsse das mit dem Krisenstab besprechen. Diese wiederum verwies uns an das örtliche Ordnungsamt. Niemand konnte uns mitteilen, ob wir Tanzschulen zum Indoor-Sport oder zum Freizeitvergnügen zählten.

Waren die Ansagen der Landesbehörden widersprüchlich?

Wenn man sich am 24. Mai auf der Seite Niedersachsen.de informieren wollte, was bei Sport zu beachten wäre, konnte man lesen, dass Tanzschulen weiterhin geschlossen bleiben. Gleichzeitig war auf der Seite der Antworten auf häufig gestellte Fragen zu lesen, dass Tanzsport mit entsprechenden Auflagen gestattet ist.

Und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Tanzschule Seel?

Meine Ausbilderin aus Berufsschulzeiten hat einen Corona-Newsletter erstellt und Onlinemeetings abgehalten. Dort wurden viele Punkte zusammengetragen, was beachtet werden muss, um wieder öffnen zu können. Da die Tanzschule Seel und wir die einzigen beiden Tanzschulen im Landkreis Rotenburg sind, die dazugehörten, waren wir der Meinung, dass wir zusammen mehr erreichen können als alleine.

Wie geht es nun weiter? Mit oder ohne Maskenpflicht, markierten Tanzflächen oder latenten Schutzmasken?

Seit dem 25. Mai haben wir unseren Unterricht mit Zustimmung des Ordnungsamtes wieder aufgenommen und freuen uns, vor allem den Kindern wieder einen sportlichen Ausgleich zu bieten – gemeinsam mit Gleichaltrigen. Die Maskenpflicht beschränkt sich auf das Betreten und Verlassen der Tanzschule. Wir haben unsere Tanzflächen in unterschiedlichen Farben in Karrees markiert, um die verschiedenen Kurse aufzugreifen. Die Teilnehmeranzahl wurde begrenzt, wodurch mehr Kurse entstanden sind, damit die Zwei-Meter-Abstandsregelung eingehalten werden kann. Trotz allem freuen wir uns, wieder drei Starttermine für Einsteiger im Gesellschaftstanz anzubieten, denn es warten viele Hochzeitspaare bereits auf die Möglichkeit, ihren Ehrentanz zu üben.

Mit ihrer Informations- und Kooperationspolitik haben die Betriebe bewiesen, worauf es in schwierigen Zeiten ankommt, um sich weiterhin Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft zu erhalten: Zusammenhalt, Innovation, Zielführung. Gleichfalls haben die Tanzschulen gezeigt, dass sich trotz irreführender Ansagen nicht auf der Nase herumtanzen lassen.

Von Ralf G. Poppe

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