1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg

Architekten der Festivalstadt: Hurricane im Aufbau

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Schultz

Kommentare

Noch ruht der Eichenring: Die mehreren hundert Arbeiter erledigen noch die Restaufgaben und sorgen für den letzten Schliff, ehe am Abend mit dem Warm-up das Hurricane Festival eingeläutet wird. Jasper Barendregt spricht über die Planung - und wie „geil“ es ist, eine „Monsterstadt“ zu bauen.

Scheeßel – Ein mit technischem Gerät beladener Stapler fährt surrend vorbei und wirbelt Staub auf. Ihn kreuzt ein geländegängiger Zweisitzer mit zwei Technikern, der von einem Roller mit zwei Ordnern verfolgt wird. Überall wird gehämmert und geschraubt, es ist ein lärmendes Durcheinander auf dem Infield des Hurricane-Festivals in Scheeßel. Am Mittwoch haben hier alle eine Menge zu tun. Einer, der in dieser heißen Phase des Aufbaus vor dem Besucheransturm einen kühlen Kopf bewahrt, ist Jasper Barendregt. Von Nervosität ist bei dem Produktionsleiter keine Spur, er zehrt von anderen Emotionen: „Es ist ein geiles Gefühl, diese Monsterstadt zu bauen.“

Das Zelt der Wild Coast Stage von innen. Überall liegt Gerät zum Aufbau bereit.
Rund 5 000 Quadratmeter bietet die Wild Coast Stage im großen Zelt, das einige vielleicht vom Wacken wiedererkennen. © Ulla Heyne

Eine kleine Stadt mit nahezu 80.000 Einwohnern in Form von Festivalbesuchern und -arbeitern soll es werden. Daran arbeiten bis Donnerstagmittag rund 1000 Menschen: Sie schrauben die Bühnen und Bars zusammen, regeln die Versorgung, bauen Zelte, Treppen, Zäune auf und vieles mehr. Zum Sturm aufs Gelände sind es mit den Betreibern der 50 Food-Stände, den unzähligen Bierbuden „an jeder Ecke“ und dem regulären Personal rund 2500. Dass ausreichend Hände zum Anpacken da sind, ist nach dem coronabedingten Fachkräftemangel keine Selbstverständlichkeit, viele waren in der Pandemie abgewandert. Aber: „Ein guter Teil ist zurück“, stellt Barendregt fest. Genauer beziffern lasse sich das aber nicht.

Schriftzug „Hurricane“ über dem Einlass zum Festival.
Der Hurricane-Schriftzug ist bereits zusammengebastelt - jetzt fehlen noch die Besucher. © Heyne

Wie viel Stahl, Holz und andere Materialien sich seit Baustart dieser Stadt auf dem Gelände bewegen, lasse sich ebenfalls nicht in Zahlen fassen, aber dass allein für die vier Bühnen 40 Lkw voll Stahl zum Ausladen am Eichenring waren, gibt einen Eindruck.

Alles läuft nach Plan. Oder genauer: Bauzeitenplan. „Der ist sozusagen das Rückgrat, daran müssen sich alle halten“, sagt Barendregt. „Wir können hier keinen Tag der offenen Tür veranstalten, wenn jemand sein Zeitfenster nicht halten kann. Dafür ist die Operation einfach zu groß“, verdeutlicht er. Am Anfang von allem stünden stets Toiletten und Duschen für die Crew, die Container mit Betten. Auf solchen grundsätzlichen Sachen baut sich der Rest des Plans auf. Kein Wunder, denn wenn die Crew weder schlafen noch sich säubern kann, dann klappt es auch mit der Stadt nicht – „und genau dafür machen wir doch den Job, dafür, dass wir auf dem Acker eine Stadt bauen, die die normale Bevölkerungsdichte um das Fünffache übersteigt“, sagt der Director Show Creations.

Hurricane: Techniker beim Aufbau der Bühne
Techniker beim Aufbau der Bühne © Heyne

Der Bühnenbau sei zwar das, was sich dem Betrachter des Ganzen optisch aufdrängt, ein großer Teil der Arbeit beginne aber schon viel früher, erklärt er: Die Logistik um Themen wie Toiletten, Zaunbau, Naturschutz und Müll zu klären, sei großer Aufwand. Ebenso die Wasserversorgung: „Dass man mal 500 Meter Leitung legt, ist nicht neu. Wie viele Wasserleitungen wir hier haben, das ist einfach irre“, sagt Barendregt.

Zumindest aus planerischer Sicht ist der Großteil der Arbeit am Mittwoch getan. Während sich der Plan vor seinen Augen in die Tat umsetzt, kann der Produktionsleiter entspannt dabei zuschauen. Den Stress hat er hinter sich. „Was es zu tun gibt, erledige ich vorher, damit ich hier nichts zu tun habe. Aber in der Krise, dann übernehme ich“, sagt er.

Eine Bühne beim Hurricane-Festival
Die Bühne wirkt ohne Besucher noch verwaist. © Ulla Heyne

Bis zum Donnerstag um 11 Uhr werkeln die Arbeiter noch am Aufbau. Bis dahin steht bei ihnen noch einiges auf dem Zettel, zum Beispiel die Einrichtung der doppelten Einbahnstraße zum Festivalgelände. Nachts werden die Verbindungen für die Sperrung vorbereitet, ab 8 Uhr kommt kein motorisiertes Fahrzeug mehr über die Westerveseder Landstraße bis ans Infield – es sei denn, es ist akkreditiert. Wer sich das Festival vom Zaun aus anschauen möchte, ist eingeladen, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Kinderwagen einen Blick von der Behelfsstraße aus zu riskieren. Dazu wird auch noch eine LED-Wand installiert, die ausdrücklich dazu einlädt. Und spätestens zum Soft-Opening gibt es ein bisschen Vorgeschmack für die anvisierte Festivalstadt.

Auch interessant

Kommentare