Heimatverein veranstaltet nostalgischen Filmabend im Meyerhof

Alte Streifen mit Aha-Effekt

Heimatvereinsvorsitzende Christine Behrens (Mitte) bedankte sich bei den Referenten Helga Behrens und Jochen Beckmann. ·
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Heimatvereinsvorsitzende Christine Behrens (Mitte) bedankte sich bei den Referenten Helga Behrens und Jochen Beckmann. ·

Scheessel - In „Scheeßelalgie” schwelgten kürzlich diejenigen, die den Filmvortrag im Meyerhof besuchten. Helga Behrens und Jochen Beckmann vom Heimatverein nämlich hatten aus dem Archiv ausgewählte alte Schätzchen hervor geholt, die das damalige Leben auf dem Lande zeigen – mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Im ersten Streifen, gedreht im Jahre 1930, wird Margarete Lüdemann an der offenen Feuerstelle im jetzigen Heimathaus gezeigt. Dieser Ort war stets der Mittelpunkt des bäuerlichen Lebens, hier fand man sich zusammen, und hier war auch der Platz der Hausfrau, die meist schon morgens um 4 Uhr aufstand, sich um das Feuer kümmerte und Pfannkuchen zubereitete. Wenn auch die Milchsuppe mit Brotstückchen fertig war, dann legte sie schon mal „einen Zahn zu“, indem sie den gusseisernen Topf an der gezackten Eisenschiene höher hängte. Praktisch war auch ein langer Brotröster, in den gleich mehrere Brotscheiben auf einmal hineinpassten. Abends wurde dann ein Topf über die Glut gedeckt, damit sich nicht Katzen oder Mäuse mit dem Feuer auf den Weg machten und das Haus in Brand setzen. Ein üblicher Brauch nach der Hochzeit war es, dass die Frau des Hauses zusammen mit ihrer neuen Schwiegertochter zweimal um die Feuerstelle herumging und ihr dann ihren Kochlöffel überreichte – also „den Löffel abgab“.

Im weiteren Verlauf zeigten die beiden Referenten einen Film über das Handwerk der Gerber und Fotos von der Scheeßeler Lederfabrik, die nach dem verheerenden Brand 1985 nicht mehr aufgebaut werden durfte. Beim Anblick der Bilder wurden bei dem Scheeßeler Hannes Grafelmann Erinnerungen wach: „Ich habe dort zwei Jahre im Akkord gearbeitet, das war keine leichte Arbeit, ich bin danach zur Molkerei gegangen.“

Überhaupt wurde es ein nostalgischer Abend voller Erinnerungen bei den älteren und mit einigen Aha-Effekten bei den jüngeren Zuschauern.

In dem Streifen „Spökenkiekerei“ berichtet Hinrich Meyer (1880-1963) über tragische Ereignisse, die vorhergesagt wurden wie zum Beispiel, dass es auf der Diele im Meyerhof zu einem schweren Unfall kommen würde – und tatsächlich sei dort seine eigene Mutter von einer störrischen Kuh so schwer verletzt worden, dass sie einige Tage später starb. Auch der Unfalltod eines Zimmermanns, der beim Bau eines Hauses auf dem Meyerhof von einem Balken erschlagen wurde, sei gemäß Anekdote einem Mann „mit dem zweiten Gesicht“ durch ein helles Licht angekündigt worden.

Scheeßeler Traditionen wurden in dem Film „Orgelhistorie“ über eine standesgemäße Hochzeit in Festtagstracht mit Brautwagen, Musik und Tanz lebendig, zumal Helga Behrens wunderbar in Plattdeutsch dazu den Text des Hochzeitsbitters vortrug. „Es ist klasse, dass der Heimatverein seine Filmschätze zeigt, man entdeckt immer wieder neue Einzelheiten“, meinte eine Zuschauerin. Und eine andere Besucherin sagte: „Für mich als Neubürgerin war es überaus interessant, mehr über das frühere Leben in Scheeßel zu erfahren.“ · uj

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