Reeßum – vom Chaukendorf zur drittgrößten Gemeinde Sottrums

Alle Orte im Wappen vereint

2006 wurde amtlich, dass auch im Heimbruch eine Burg gestanden hat. Kreisarchäologe Dr. Stefan Hesse (v.l.), Werner Röhrs, Wilfried Kirchner und Pastor Manfred Ringmann zeigten die Bodenveränderungen. ·

Sottrum - Von Antje Holsten-KörnerREESSUM · Mit 1 748 Einwohnern ist Reeßum die drittstärkste Gebietskörperschaft in der Samtgemeinde Sottrum. Sie wurde 1974 durch die Gebietsreform aus den ehemaligen Gemeinden Clüversborstel, Reeßum, Schleeßel und Taaken gegründet, die alle ihren Platz im Wappen der Gemeinde haben.

Die erste Besiedlung soll schon in der Zeit um 4 000 bis 2 000 vor Christi stattgefunden haben. Dies geht aus Gräberfeldern bei Reeßum, Taaken und Schleeßel hervor, heißt es in der Geschichte zur Gemeinde. Und weiter:

Die ersten allgemeinen schriftlichen Berichte von den Römern stammen aus der Zeit um Christi Geburt. Damals war zwischen Ems und Elbe der Stamm der Chauken ansässig. Etwa 200 nach Christi verdrängten die aus Schleswig-Holstein vordringenden Sachsen diese.

Das Gebiet war in Gaue eingeteilt. Reeßum gehörte zum Gau „Waldsati“, was so viel bedeutet wie „Derer die im Walde leben“. Ein Zeichen dafür, dass es in der Gemeinde neben der teilweise sehr sumpfigen Wiesteniederung viel Wald gab. Es wird vermutet, dass der Name des Dorfes Taaken hier seinen Ursprung haben könnte.

Die Menschen wohnten in einem „Tacken“ des Waldes zum Schlippenmoor hin, wo ein größeres Gräberfeld liegt. Ein Indiz dafür: Beim Bau der neuen Schule ist seinerzeit ein Hausgrab gefunden worden, eine Urne, die unter der Wohnung vergraben wurde. Ein größeres Gräberfeld lag ferner nördlich vor Schleeßel. Daher meinte man früher, der Name des Ortes komme von Schädelstätte.

Heute überwiegt jedoch die Deutung, dass es dort einen Schlehenbestand gab.

Eine Urkunde oder eine Erwähnung über die Gründung des Dorfes Reeßum gibt es wohl nicht. Die ersten offiziellen Informationen gibt das Urkundenbuch der Bischöfe und des Domkapitels von Verden. Dort sind die Abgaben der Höfe an den Verdener Bischoff aufgelistet. „Darin erscheint unter anderem der Name Resmere (Reeßum) mit fünf Höfen, wovon drei jährlich Abgaben an den Bischof liefern“, hatte Werner Röhrs, der sich intensiv um Ahnenforschung kümmert, recherchiert. Diese Angaben wurden in der Zeit zwischen 1237 und 1246 erstellt. Sie sind aber nicht vollständig, denn es gab weitere Höfe, die keine Abgabe leisten mussten.

Es gibt jedoch eine Aufstellung aus dem Jahr 1548, worin 13 Höfe aufgezählt werden. „Wenn man pro Hof sechs bis sieben Einwohner einschließlich Knechte und Mägde annimmt, kommt man auf eine Einwohnerzahl von etwa 100“, rechnete Werner Röhrs aus. Und weiter:

„Das ist eine beträchtliche Ortsgröße, denn im Vergleich dazu hatte Sottrum 30 Höfe mit zirka 200 Einwohnern.“ Nach diesen Recherchen hätte der Ort spätestens im Jahr 1996 die 750-Jahrfeier begehen können.

In Clüversborstel gehörte die Burg, von der heute noch Reste zu finden sind, zu den wichtigen Bauten seiner Zeit. „Die Burg stand genau an der Grenze, denn die Wieste trennte das Bistum Verden vom Bistum Bremen. Damals gab es viele Streitigkeiten zwischen ihnen“, berichtet Bürgermeister Wilfried Kirchner. Lange Zeit war nur die Existenz dieser Burg bekannt.

Erst im Jahr 2006 bewahrheitete sich, was Röhrs schon lange vermutet hatte. Durch seine hartnäckigen Recherchen wurden endlich die Beweise im Boden gefunden, sodass Kreisarchäologe Dr. Stefan Hesse bestätigte, dass im Hainbruch (Richtung Otterstedt) vor vielen hunderten von Jahren, wahrscheinlich im 11. und 12. Jahrhundert, eine Niederungsburg gestanden hat.

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