Mit 65 Jahren hat Luise Knoop ein Archäologie-Studium begonnen

Ärztin auf den Spuren von Indiana Jones

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Luise Knoop mit einer „Fluchtstange“: Die pensionierte Ärztin macht jetzt ihren großen Traum wahr, sie studiert in Hamburg Archäologie.

Visselhövede · „Jette“, die braune Pudelhündin, die sie fast immer begleitet, ist stattliche 16 Jahre alt, der blaue Polo, mit dem sie wöchentlich zwei- bis dreimal nach Hamburg fährt, zählt schon zwölf Jahre, und Dr. Luise Knoop, von der hier die Rede ist, hat immerhin das Rentenalter erreicht.

Die Hände in den Schoß legen, das erfolgreiche Allgemein-Mediziner-Leben immer wieder an sich vorbeiziehen lassen? Das kommt für die lebenslustige 65-Jährige nicht in Frage. Sie verwirklicht sich im Ruhestand vielmehr einen Lebenstraum. Luise Knoop studiert an der Uni Hamburg Vor- und Frühgeschichte.

Der Umweg über das Medizinstudium und die vielen Jahre als Ärztin hatten ihren Grund: „Ich habe das Medizinstudium gewählt“, erklärt Knoop, die als junge Studentin für ein paar Semester in die Archäologie hineingeschnuppert hatte, „weil es gut strukturiert war. Das Archäologiestudium war durch seine Komplexität und Unübersichtlichkeit überwältigend. Das war der Grund dafür, dass ich das Studium nicht weiter verfolgt habe. Aber die Archäologie blieb mein Traum. Gleichzeitig war ich unglaublich gern Ärztin.“

Mit der Pensionierung vor drei Jahren bot sich ihr dann die Chance, beim Rotenburger Kreisarchäologen Dr. Stefan Hesse als ehrenamtliche Grabungshelferin zu arbeiten. Noch heute könne sie sich an den Geruch der Erde bei der ersten Grabung nach den Resten einer jungsteinzeitlichen Siedlung in der Nähe von Lavenstedt bei Seedorf erinnern. Endlich war Luise Knoop bei „ihrer“ Archäologie angekommen.

Für das folgende Winterhalbjahr wartete auf die Ehrenamtliche eine umfangreiche Aufgabe: Die alle zehn Jahre notwendige Kontrolle von rund 50 Denkmälern im Raum Visselhövede/Bleckwedel. In den meisten Fällen handelte es sich um Hügelgräber. Mit der rot-weißen Fluchtstange und dem sogenannten Meterschritt lassen sich die Maße ziemlich genau feststellen. In einen Vordruck werden wichtige Daten eingetragen: Veränderungen von Höhe, Durchmesser oder Form? Wie sieht es mit dem Bewuchs aus, gibt es eine Gefährdung durch Tiergänge?

Bei ihrer Arbeit hat Luise Knoop auf den Hügelgräbern immer wieder eine Delle entdeckt. Nach ihren Informationen sind es besonders Lehrer und Pastoren, die sich, ausgerüstet mit einem Spaten, an Wochenenden auf den Spaziergang machten und in den Hügelgräbern nach wertvollen Grabbeigaben suchen ...

Die Arbeit als ehrenamtliche Grabungshelferin in Kooperation mit der Kreisarchäologie begeistert Knoop. Kein Eimer mit schwerer Erde ist zu viel. Sonne, Regen und Wind lassen sie nie das oberste Prinzip der Archäologie vergessen: Absolute Vorsicht bei der Suche nach Resten der Vergangenheit. Jedes Stück ist ein Mosaikstein, um den Blick auf die Geschichte zu schärfen.

Parallel zu ihrer praktischen archäologischen Arbeit war Knoop Gasthörerin der Archäologischen Fakultät der Universität Hamburg. Auf fünf bis zehn Prozent schätzt sie die Zahl der Rentner im Hörsaal. Ablehnung von Seiten der jungen Studenten sei ihr im ersten Semester nicht begegnet, so Knoop. „Ich habe nur extrem freundliche junge Studenten erlebt. Meine Erfahrungen bei der Zusammenarbeit der jüngeren und der älteren Studenten sind auch deswegen gut, weil die Älteren sich zurücknehmen. Hinzu kommt, dass die jungen Studenten ein sehr offenes Verhalten zeigen.“

Sie könne sich sehr gut vorstellen, ihr Archäologiestudium zu Ende zu führen, erklärt Knoop. Und als wollte sie ihrer Aussage Nachdruck verleihen, ergänzt sie: „Wenn ich im Urlaub bin und andere an den Strand gehen, führt unser Weg zuerst auf eine keltische Burg.“ · bn

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