Ein Besuch im Freibad des Ronolulu zu Corona-Zeiten

Ab ins kühle Nass

Es ist gut was los in den beiden Außenbecken des Ronolulu – aber die Schwimmer halten Abstand und bemühen sich sehr, aufeinander zu achten. Ein ungewohntes Bild zum Trubel im Becken an warmen Tagen im vergangenen Jahr. 
Foto: Beims
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Es ist gut was los in den beiden Außenbecken des Ronolulu – aber die Schwimmer halten Abstand und bemühen sich sehr, aufeinander zu achten. Ein ungewohntes Bild zum Trubel im Becken an warmen Tagen im vergangenen Jahr. Foto: Beims
  • Ann-Christin Beims
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Rotenburg – Es ist viertel vor 9 an diesem Donnerstagmorgen, das Ronolulu hat seit fast einer Stunde geöffnet. Die Sonne brennt bereits jetzt vom wolkenlosen Himmel, und mir wird von Minute zu Minute wärmer. Ein wenig neidisch schaut die Reporterin vom Beckenrand auf die Schwimmer, die sich im kühlen Nass tummeln. Was auf den ersten Blick so normal scheint, ist es aber nicht ganz. Denn es gibt einige Auflagen, die die Badbesucher beachten müssen, um sich in eines der beiden Außenbecken zu begeben.

Das beginnt bereits am Eingang: Ein Einbahnstraßensystem führt die Schwimmer – die am besten schon in Badekleidung kommen – an der Kasse vorbei zu den Einlassschranken. Dort steht Gianna Bockholt. Die Fachangestellte für Bäderbetriebe desinfiziert alle Oberflächen, die Besucher berühren könnten. Einmal zu jeder vollen Stunde geschieht das. „Eine Runde dauert etwa 15 bis 20 Minuten“, erklärt sie. Handschuhe und jedes Mal ein neuer Lappen sind Pflicht. So geht sie durch alle Toiletten, Umkleiden und reinigt alle Griffe. In einem der Schränke liegt eine schwarze Uhr. Bockholt packt sie ein. „Die kommt zu den Fundsachen.“

Die Sammelumkleiden sind geöffnet, dort dürfen sich maximal zwei Besucher zur selben Zeit aufhalten. Bockholt fährt mit dem Lappen die weißen Bänke entlang – und hält zwischendurch einen Plausch mit Frühschwimmern. Das sind vor allem ältere Besucher, die teilweise seit Jahren regelmäßig ihre Runden drehen. Man kennt sich und die Freude, dass wieder offen ist, ist groß – auch wenn es beim Thema Eintrittspreise hier und da geteilte Meinungen gibt. Immerhin ist ab Montag wieder ab 6 Uhr offen. Hallenband und Sauna bleiben vorerst zu.

Manuela von Massow fährt aus Winkeldorf ins Ronolulu, da das Sottrumer Bad geschlossen ist. Sie kann nicht ohne Stöcke gehen, hat einen Behindertenausweis mit 70 Prozent. „Es gibt keine Preise für Behinderte, das ist alles ein Einheitspreis, das finde ich ein bisschen blöd.“ Sie stoppt kurz am Beckenrand, um zu erzählen, schwimmt dann aber direkt weiter. Denn kurz ist das Stichwort, die Zeit ist auf zweieinhalb Stunden beschränkt, sonst wird es richtig teuer: 15 Euro pro Stunde drauf. Da gilt: weniger reden, mehr schwimmen. Die Besucherzahl ist begrenzt, alle sollen die Chance haben, zu baden. Das Wasser hat 25  Grad, genau richtig.

Neben von Massow ziehen weitere Besucher im Schwimmerbecken ihre Bahnen. Durch die rot-weiße Absperrung im Wasser getrennt ruft eine Frau fröhlich zu der ihr auf der anderen Seite Entgegenkommenden: „Guten Morgen! Auch wieder da?“ Denn: Wer hier schwimmt, muss aufpassen. Das Becken ist in drei Bahnen unterteilt, geschwommen wird im Einbahnstraßensystem. Das Freibad füllt sich nach und nach, auch wenn aktuell nur 300 Leute zur gleichen Zeit im Bad sein dürfen – kein Vergleich zu warmen Tagen in Corona-freien Jahren. „Heute Morgen ist es sehr voll, das war die letzten Tage noch nicht so“, nickt Bockholt. Die Liegen um die Becken sind in Abständen aufgebaut, maximal zwei nebeneinander.

Was sehr auffällt: Es ist ruhig. Hin und wieder hört man ein kleines „Platsch“, wenn jemand ins Wasser springt oder hineinrutscht. Das stetige Plätschern des kleinen Wasserfalls im Nichtschwimmerbecken macht das lauteste Geräusch, die Schwimmer unterhalten sich, wenn überhaupt, eher leise. Drei Frauen drehen im kleinen Becken stetig ihre Runden, dort gibt es keine vorgeschriebene Schwimmrichtung, aber Abstand ist wichtig. Ein Paar sitzt auf den Whirlliegen und tritt Wasser, beobachtet das Geschehen. Die Düsen werden nicht angemacht, auch der Strudel bleibt aus. „Schade“, sagt ein Junge, der danach gefragt hatte. Dinge, die es in Zeiten der Pandemie nicht gibt. Auch Spielzeug bleibt vorerst im Schrank. Kein Problem für Jana Hammerschmidt und ihre Tochter Jule – es gibt ja noch die Rutsche. Die beiden sind aus Sottrum. Die Sechstklässlerin ist nach einer Woche Schule wieder für eine Woche im Modus „Lernen zuhause“. Die Tour ins Schwimmbad ist da eine kurze Abwechslung.

Was aber auch fehlt: Wassersport- und Schwimmkurse. Letzteres ist besonders schade, so Bockholt. „Der Sommer beginnt, und die Kinder können das Schwimmen nicht lernen – Schulen sind ja auch nicht hier.“ Viele, die gerade angefangen hatten, müssen vielleicht wieder ganz von vorne beginnen. Unterricht wenigstens in kleinen Gruppen, das würde sie sich wünschen.

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