24-jähriger Frank Dupree lieferte seine Show in der Rotenburger Realschule ab

„Der Teufel“ im Pianisten

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Der 24-jährige Frank Dupree haut bei den „Rotenburger Konzerten“ so richtig in die Tasten und tritt auf die Pedale.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Ohne Umschweife kam Ausnahme-Pianist Frank Dupree (24) zur Sache, als er am Donnerstag die Bühne in der Rotenburger Realschule betrat und förmlich mit Brahms entschwebte. Mitreißen und leidenschaftlich zeigte sich der Karlsruher Solist – alles frei aus dem Kopf, ohne Noten. Mit den Sechs Klavierstücken, opus 118 von Johannes Brahms gelang Dupree ein tief beeindruckender Auftakt des Solo-Abends der Rotenburger Konzerte.

Brahms statt Maurice Ravel, Franz Schubert statt George Gershwin bekamen die Zuhörer anders als geplant zu hören. Auf Wunsch des Musikers war das Programm geändert worden. „Natürlich habe ich mich dem gerne gebeugt“, sagte Niels Kruse, zweiter Vorsitzender und künstlerischer Leiter des Vereins Rotenburger Konzerte, augenzwinkernd.

Dupree ergänzte später: „Das hat einen ganz einfachen Grund: In ein paar Tagen habe ich ein großes Konzert in Köln beim Deutschlandfunk.“ Da dachte sich der junge Pianist: „Da bringe ich Brahms und Schubert mit, bevor ich sie live im Radio spiele.“

Es war, als würden die Noten den Körper Duprees durchfließen. Dabei verstand Brahms es, seine charaktervollen Werke auf das Wesentliche zu reduzieren, gleichzeitig aber enthusiastische Leidenschaft darin unterzubringen. So empfand es damals wohl auch Clara Schumann, die von Experten als heimliche Widmungsträgerin der sechs Klavierstücke gehalten wird.

„Eine wahre Quelle von Genuss, Alles, Poesie, Leidenschaft, Schwärmerei, Innigkeit, voll der wunderbarsten Klangeffekte ... In diesen Stücken fühle ich endlich wieder musikalisches Leben in meine Seele ziehen“, vertraute Schumann 1892 ihrem Tagebuch an. Und genau das war es, was die Zuhörer am Donnerstag erleben konnten, wenn sie sich Duprees Kunst zuwandten.

In seinem Spiel von Brahms Stücken fanden sich freudige Zugewandtheit genauso wieder wie nachdenkliche, verträumte und bedrückende Stellen, im Intermezzo in es-moll, „der traurigsten Tonart überhaupt“, so Dupree. „Schubert ist komplett anders. Seine Wanderer-Fantasie ist fast schon wie ein kompletter Jahresrückblick, Frühling, Sommer ...“.

Laut Dupree sprudelt das Werk nicht nur aus dem Kopf, sondern auch aus dem Klavier. „Schubert hat versucht alles, was damals aus dem Klavier rauszuholen war, herauszuholen. Man hat viel Zeit, Noten auf Papier zu übertragen, aber es vom Papier aufs Klavier zu übertragen ...“, sagte Dupree. „Als Schubert es übte, um es seinen Freunden vorzutragen sagte er eines Tages: ,Soll’s doch der Teufel spielen.‘“

Den erlebte wahrhaftig das Rotenburger Publikum: Frank Dupree. „Er ist der Teufel“, hieß es in der Pause vermehrt in voller Hochachtung vor der mitreißenden Fingerfertigkeit von den Zuhörern. Schnell musste es nicht nur auf den Tasten gehen, auch die Pedale wurden viel genutzt und stellten ein Abbild des zurückzulegenden Weges dar. Wandern war herauszuhören, fröhlich – wie die aufwendigen Blumenarrangements auf der Bühne.

Zwischen Klage, Leidenschaft und Verzweiflung riss es offenbar erst Robert Schumann bei der Komposition seiner Fantasie in C-Dur hin und her, jetzt Dupree. Den tiefsten Klangnerv treffend, weckte er Lebensgeister. Die einzelnen Sätze flossen nur so aus den Fingern, mit so viel Hingabe und Gefühl gespielt, dem Publikum war zwischen den einzelnen Sätzen nach Klatschen. Einer tat das auch, was Maestro keineswegs aus dem Konzept brachte und er mit einem Lächeln quittierte.

Doch was die Zuhörer zum Abschluss erwartete, war das reinste Fingerfeuerwerk. Wie ein Derwisch flog Dupree bei der Toccata in C-Dur von Schumann über die Tastatur, einem Klavierstück in gefühlter Schallgeschwindigkeit. „Die Toccata ist ein sehr selten in Konzerten gespieltes Werk. Das hat seinen Grund“, sagte der 24-Jährige. Der Kreiszeitung verriet „der Teufel“, einem sympathischen, jungenhaften, entspannten, zugänglichen und wohl erzogenen jungen Mann: „Sie ist einfach unmenschlich.“ Und dieser Pianist ist einfach unglaublich, unglaublich genial.

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