Hermann Wilke entdecke im Wald Reste einer Ju 88 aus Zweitem Weltkrieg / Crew kam ums Leben

Ein Zufallsfund deckt Drama auf

Steffen Faß unterstützte den Ahlhorner während der Suche nach weiteren Wrackteilen im Waldstück mit einem Metalldetektor.

Ahlhorn - Von Cord Krüger· Ziemlich viele Zufälle kamen zusammen, als Hermann Wilke vor einigen Wochen in Ahlhorn auf einen sensationellen Fund stieß. Erstens grub er beim Aufforsten seines Walds ausgerechnet dort, wo sich dicht unter der Erdoberfläche ein kleines Stück Blech befand. „Das war eine Chance von eins zu einer Million“, urteilte der Ahlhorner. Zweitens wusste er als ehemaliger Bundeswehr-Berufssoldat sofort, dass es sich hier um eine Erkennungsmarke handelte. Drittens erinnerte sich der 57-Jährige an Zeitzeugen, die ihm einst den Absturz eines Flugzeugs am 13. Januar 1945 geschildert hatten.

Wilke grub weiter – und fand weitere Wrackteile. Unter anderem legte er ein Druckinstrument mit vier Anzeige-Skalen frei, stieß auf Reste von Gurtzeug, verschiedene Klappen und Teile des Tanks. Zur Verstärkung bat er Dirk und Steffen Faß ins Unterholz. Denn Vater Dirk hatte sich mal einen Metalldetektor zugelegt, und Sohn Steffen spürte damit nun weitere Stellen auf. Manchmal kam nur bis zum Pulver oxidiertes Aluminium ans Tageslicht, manchmal größere Überbleibsel. Inzwischen beendeten die Männer ihre Aktion. „Zu Hause habe ich mehrere Kartons mit 150 bis 200 Fundstücken“, schildert Wilke.

So steht nun fest, dass es sich beim Flugzeug um eine Junkers (Ju) 88 handelte. An jenem 13. Januar stürzten jedoch gleich zwei Maschinen dieses Typs über Ahlhorn ab. Weitere Hilfe während der Recherche erhielt Wilke von Werner Oeltjebruns aus Wardenburg. Als Mitglied des eingetragenen und anerkannten Vereins „Flieger-Flugzeuge-Schicksale“ hat er sich während der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte bereits einen Namen in der Forschung nach gefallenen Luftwaffen-Angehörigen gemacht. Oeltjebruns vermutet, dass es sich nur um die Ju von Leutnant Friedrich Burghard gehandelt haben kann. Der Offizier hatte zudem noch Feldwebel Erich Bargies, Unteroffizier Helmut Schneider und den Obergefreiten Harald Splittgeber an Bord. Diese Crew gehörte dem Nachtjägergeschwader 2 aus Stade an, ihre Maschine startete aber vom Fliegerhorst Ahlhorn aus – wie die ebenfalls abgestürzte andere Ju 88 dieses Tages. Beide gingen offenbar ohne feindlichen Beschuss verloren. „Gerüchten zufolge handelte es sich um Sabotage“, erzählt der 57-jährige Wilke.

Die Funde lösten bei ihm natürlich keine ungeteilte Euphorie aus. Denn er selbst zählte während seiner Bundeswehrzeit als Co-Pilot selbst zum fliegenden Personal – in Hubschraubern vom Typ Bell UH-1D. Der ehemalige Stabsfeldwebel kann erahnen, welche Dramen sich im Cockpit der Junkers abgespielt haben müssen: „Das waren natürlich schlimme Schicksale – aber es ist gut, dass ich wenigstens eine Erkennungsmarke gefunden habe.“

Die darauf eingestanzte Personenkennziffer faxte der Ahlhorner an die „Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht“ in Berlin. Dort laufen jetzt die Recherchen – und die können sich nach Angaben des Abteilungsleiters Peter Dönigus noch „etwa drei Monate hinziehen“. Vieles sei an datenschutzrechtlichen Vorgaben zu beachten – und täglich erreicht die Sachbearbeiter mindestens eine neue Nachricht von gefundenen Erkennungsmarken. „Die Anfragen kommen von fast allen Schauplätzen des Zweiten Weltkriegs“, berichtet Dönigus. Vor allem seit dem Ende der Sowjetunion und der Öffnung des Ostblocks für Mitarbeiter des „Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ kommen immer mehr Fundorte von Kriegstoten ans Tageslicht.

Dirk Faß verfolgt den Fall aus Ahlhorn als Heimatforscher der Gemeinde Großenkneten besonders interessiert. Denn Oeltjebruns brachte zudem noch in Erfahrung, dass es zwei Piloten mit diesem Namen gab – allerdings in unterschiedlicher Schreibweise. Erstens besagten Friedrich Burghard, zweitens einen Oberleutnant Friedrich Burkhardt. Beide Offiziere liegen auf dem Ahlhorner Ehrenfriedhof bestattet – denn Burkhardt wurde am 31. Januar 1945 mit seiner FW 190 D-9 ebenfalls über Kneter Gebiet abgeschossen: Er kam auf dem Gelände der heutigen Erdgasaufbereitungsanlage ums Leben.

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