Kirchhatter mit vielen Ideen zur Umgestaltung der Ortsdurchfahrt / Tempo raus durch „shared space“

Ziel: Zurück zur Gemütlichkeit

Angeregt brüteten die Bürger während der „Planungswerkstatt“ über den Plänen der Ortsdurchfahrt Kirchhattens.

Kirchhatten - (ck) · Von Kirchhatter „Ureinwohnern“ wie Heimatautor Wolfgang Martens bis Neubürgern wie Franz Haverkort aus den Niederlanden, den es erst vor einem Jahr in dieses Grundzentrum zog – sie alle brüteten am Montagabend angeregt über den Plänen, die Stadtplaner Axel König und seine Kollegin Dörthe Meyer vom Büro „Grontmij Gfl“ im Gasthof „Zum Deutschen Hause“ ausgelegt hatten: Mehr als 30 Bürger – Geschäftsleute, Verwaltungskollegen mit Hattens Bürgermeisterin Elke Szepanski an der Spitze, Kirchenvertreter und „normale“ Anwohner arbeiteten mit in der ersten „Planungswerkstatt“ zur Ortsdurchfahrt.

Dass Haverkort mitmischte, schien fast logisch – schließlich stammt der Niederländer aus dem Mutterland der Idee „shared space“ (geteilter Raum), die ein städtebaulicher Experte dort vor 20 Jahren geboren hatte und dem das Verkehrsprinzip „Miteinander statt Maßregelung“ – zugrunde liegt. Und genau solch ein „shared space“ soll es auch entlang der Hauptstraße in Kirchhatten geben, urteilten die Anwohner unisono. „Wir wollen ein Stück zurück zur Gemütlichkeit“, fasste Christa Tacke im Namen ihrer Tischgruppe während der Sammlung aller Anregungen zusammen. Das bedeutet: maximal 25 km/h für alle Verkehrsteilnehmer und damit weniger Raserei, Lärm und Gefahr. Die Hauptstraße solle nicht länger als „Fluchtweg“ für Maut-Muffel dienen. Zudem regten sie und ihre Mitstreiter die „Rechts-vor-Links“-Vorfahrtsregelung an, sprachen sich für einheitliche Pflasterungen ohne Bordsteine aus und plädierten für einen Park & Ride-Platz an der Sandhatter Straße. Dies soll das Dauerparker-Problem an anderen Stellen lösen, denn „unser Marktplatz ist zu einem Parkplatz verkommen“.

Derartige bauliche Ziele kosten natürlich Geld – und einige Zuschüsse stehen Kirchhatten seit seiner Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm zu. Zwar veränderte schon vor mehr als 20 Jahren eine solche Dorferneuerung das Bild des Orts, aber offenbar nicht mit dem Ergebnis, wie es sich die Bürger von heute wünschen.

Mit Blick auf die aktuellen Vorbereitungen bezeichnete es Bürgermeisterin Szepanski als ein „Novum, dass wir nun zusätzlich noch eine Planungswerkstatt zum Thema Verkehr haben“. Sie freute sich über die starke Resonanz ihrer Bürger – sowohl während der ersten Sitzung vom „Arbeitskreis Dorferneuerung“ als auch nun am Montagabend.

Aber Kreativität hatten die Bewohner schon vorher bewiesen – mit dem Appell zu freiwilligen „30 Sekunden für Kirchhatten“, das seitdem auf Schildern die Autofahrer zu 30 statt 50 km/h im Ort bewegen will. Dies senkt den Lärm, erhöht die Sicherheit – und kostet den Einzelnen nur eine halbe Minute Zeitverlust.

Daraus entstanden die Überlegungen, wie etwa in Bohmte auch in Kirchhatten ein „shared space“ zu entwickeln. „Unsere Besuche in einigen dementsprechend umgestalteten Gemeinden der Niederlande haben mich überzeugt“, verriet Szepanski: „Die Menschen nehmen Rücksicht, und es geht weniger hektisch zu.“

Stadtplaner König „outete“ sich ebenfalls als Verfechter dieses Modells: „Der Straßenraum ist für alle in der Gesellschaft da – nicht nur für Lastwagen und Autos.“ Der Wegfall von Schildern reduziere automatisch die Geschwindigkeit – oder anders ausgedrückt: „Unsicherheit schafft mehr Sicherheit.“ Denn die Gewissheit, im Ort 50 km/h fahren zu dürfen, sei gefährlich, weil es das Denken ersetze.

Die zusammen getragenen Vorschläge zur baulichen Umgestaltung des Zentrums nahmen die Planer mit nach Bremen. Aber die Kirchhatter sind noch lange nicht aus ihren Überlegungen „entlassen“: Bis zum Juli soll der Arbeitskreis zur Dorferneuerung noch sechsmal tagen, die Planungswerkstatt steht bis dahin zwei- bis dreimal an. Als nächsten Termin vereinbarten die Mitwirkenden den 12. April. Im Herbst entsteht aus den Anregungen der Dorferneuerungsplan, der bis zum Winter in die Ausschussberatungen und in den Gemeinderat zur Abstimmung wandert. Danach kommt der Projektkatalog zur Genehmigung in die Behörde für Geoinforamation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL).

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