„Kurzer Prozess“ zum Wohl des Kindes: „Kooperative Wildeshauser Familienverfahren“ vorgestellt

Ziel: Nur kein langer Rosenkrieg

Richter, Anwälte, Sozialarbeiter und andere „Profis“ stellen ihre gemeinsame Arbeit für kurze Verfahren auch im Internet vor.

Landkreis - (ck) · In manchen Rosenkriegen stehen die Verlierer schon vorher fest – nämlich die Kinder. Und je länger ein Sorgerechtsstreit zwischen getrennten Eltern dauert, desto schlimmer gestaltet sich ihre Situation. Auch deshalb arbeiten seit fast zwei Jahren Rechtsanwälte und Richter, Sozialarbeiter und Jugendamts-Kollegen, Gutachter und Berater enger zusammen. Sie alle, die mit solchen Fällen vor dem Familiengericht befasst sind, hoben das „Kooperative Wildeshauser Familienverfahren“ für den Amtsgerichtsbezirk Wildeshausen aus der Taufe. Gestern zogen sie eine positive Bilanz. Denn ihr Ziel, gemeinsam mit den Eltern eine Lösung fürs Kind zu finden, beschleunigt solche Vorgänge. Und weder Vater noch Mutter fühlen sich schließlich als Verlierer.

„Je kürzer ein Verfahren dauert, desto weniger Schießpulver können beide Elternteile sammeln“, unterstrich Dirk Emmerich vom Jugendamt des Landkreises. Anwältin Sabine Bremer bestätigte das: „Früher dauerte es ein halbes Jahr, bis es einen Termin beim Familiengericht gab. Heute ist das nach vier Wochen möglich – da haben die Eltern gar nicht erst die Zeit, ein Problem aufzubauschen.“

Alles beginnt nach der Trennung mit dem Termin beim Rechtsanwalt. „Aber wir sind nur Juristen – keine Sozialarbeiter oder Psychologen“, nannte Anwältin Traute Sandkuhl die bisherige Schwierigkeit. Und während manche Kollegen fleißig Argumente sammelten, um sie gegen die andere Seite in Stellung zu bringen, „versuchen wir jetzt, uns nur noch formularmäßig zu äußern. Wir raten den Eltern, die Vergangenheit ruhen zu lassen und sich auf die Zukunft des Kindes zu konzentrieren“, verdeutlichte Sandkuhl. Die Anwälte der gegnerischen Parteien sollen möglichst nicht miteinander in Briefverkehr treten, und das Beantragen eines Termins beim Amtsgericht soll sich auf die Fakten beschränken. Das nimmt weiteren Zündstoff aus dem Konflikt.

Die Anwältin nennt einen weiteren Grund, warum ein Verfahren möglichst schnell enden sollte: „Alles andere verhindert zum Beispiel, dass ein Kindergartenplatz gefunden wird, weil dafür die Unterschrift beider Elternteile nötig ist.“

Zur Verhandlung lädt das Gericht beide Seiten vor. „Das läuft in völlig anderer Umgebung ab als früher“, schilderte Sabine Bremer. „So tragen wir keine Roben und sitzen in einer anderen Atmosphäre zusammen.“ Dies vollzieht sich an einem ovalen Tisch, wie Wildeshausens Amtsgerichtsdirektor Dr. Detlev Lauhöfer beschrieb: „Seit Anfang dieses Monats ist unser umgebauter Saal 4 fertig gestellt, den wir extra entsprechend hergerichtet haben.“ Er ähnele einem Mediationsraum.

Das Kind bekommt einen Verfahrensbeistand. „Zu diesem Zeitpunkt hat es aber schon Kontakt mit dem Jugendamt gehabt, das an einem Lösungsansatz mitarbeitet“, verriet Martin Ahlrichs als leitender Sozialarbeiter des Landkreises.

Verbessertes Kindeswohl galt von Anfang an das Ziel der schnelleren Behandlung eines Vorgangs, wie Richter Albrecht Schachtschneider erklärte: „Das wurde inzwischen durch das Beschleunigungsgebot im Familiengesetz offiziell, und wir erhoffen uns, gemeinsam eine für die Familie tragfähigere Lösung zu finden, ohne dass sie vom Gericht angeordnet werden muss“, sagte Schachtschneider.

Weil sich Jugendamts-Kollegen, Sozialarbeiter, Anwälte, Richter und Psychologen nun besser kennen, beschleunigt sich ebenfalls das Verfahren: „Den Prozess-Stoff so knapp wie möglich zu halten, verringert das Risiko eines Stellvertreter-Kriegs“, urteilt Lauhöfer. Die kurzen Wege in Wildeshausen, „wo ich nur quer vom Gericht über die Straße laufen muss und schon beim Jugendamt bin, erleichtern uns dabei die Arbeit.“

Das hörte Sozialdezernent Robert Wittkowski gern. Kurz nach dem Freischalten der Informationen im Internet unter http://www.amtsgericht-wildeshausen.niedersachsen.de habe er per „Google“ nach dem Schlagwort „Kooperatives Verfahren“ gesucht. „Die ersten vier Treffer brachten mich auf die Seite unseres Angebots. So sieht man, dass wir sprichwörtlich vorn sind.“

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