„Der Luftschiffhafen Wildeshausen“ / Mit 1 500 Kilogramm Spreng- und Brandmunition ging es auf Feindfahrt

Zeppelin zerschellt an Ahlhorner Straße

Wildeshausen - Von Peter Hahn· Bleiben wir weiterhin bei den Luftschiffen – hier hatte ich berichtet, dass die Manöver in großen Höhen oft Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Besatzungen hatte. In der unterhalb des Luftschiffes aufgehängten, meist offenen Führergondel, befanden sich neben den Offizieren auch die Bombenmaate. Eine Bombenlast von 1 500 Kilogramm Spreng- und Brandmunition wurde während der Feindfahrt mitgeführt.

Die Motorengondel befand sich unter dem Heck des Luftschiffes. Den ungünstigsten Platz an Bord hatte der Maschinengewehrschütze. Der offene, nur mit einer Brüstung versehe MG-Stand, befand sich auf dem Rücken des Schiffes und diente der Abwehr feindlicher Flugzeuge. Bedenken Sie, die Besatzungen, vor allem der MG-Schütze, waren über viele Stunden in großer Höhe jedem Wetter ausgesetzt.

Kehren wir noch einmal zur Feindfahrt vom 2./3. September 1916 zurück. Wie gesagt kam das Luftschiff nach 23-stündigem Einsatz zum Heimathafen zurück. Kurz vor der Landung wurden die Halteleinen abgeworfen, mit denen das Schiff vom Bodentrupp in die Halle gezogen werden sollte.

Just in dem Moment geschah das Vorausgesagte. Das Luftschiff konnte wegen querlaufender Winde wieder nicht landen, es drohte, an die Halle gedrückt zu werden. Kurzentschlossen ließ der Luftschiffkapitän die Halteleinen einziehen, trimmte das Luftschiff aus und brachte es wieder auf Höhe. Zum Glück war es bis zum benachbarten Luftschiffhafen Ahlhorn nicht weit, und Kapitän Hacker konnte entlang der Ahlhorner Straße dorthin ausweichen. Erst am folgenden Tag war eine Landung in Wildeshausen möglich.

Im Jahr 1917, so berichtet mir August Spreen, hatte ein anderes Luftschiff die gleichen Probleme. Es wollte nach Ahlhorn ausweichen und zerschellte dabei an der Ahlhorner Straße. War es zu tief gefahren und von einer Windboe niedergedrückt worden ? Man weiß es nicht.

Es lag wohl an der ungünstigen Lage der Luftschiffhalle, dass vom 27. Juli 1916 bis zum 13. Juni 1918 nur wenige Luftschiffe hier stationiert zum Einsatz kamen oder sich zu einer Reparatur in der Halle befanden. Es waren folgende Luftschiffe: „LZ 98“ bis 16. November 1917, „SL 13“ vom 18. November 1916 bis 26. Januar 1917, und das Schiff „LZ 49“ war vom 15. Juni bis 12. Juli 1917 zur Reparatur in der Halle. Danach war lange Zeit Pause und Ruhe auf dem Flughafengelände. Zu der Zeit, am 20. September 1917, wurde der Luftschiffhafen vom Heereskommando an die Marine übergeben. Ende 1917 kam das Luftschiff „LZ 47“ zur Reparatur nach Wildeshausen. Es blieb vier Wochen und kam danach nicht mehr zum Einsatz. Anfang bis Juni 1918 kam der Flugbetrieb zum Erliegen, das Personal wurde drastisch verringert.

Jetzt, liebe Leser, nähern wir uns langsam dem Ende der Wildeshauser Luftschifferei, denn für den 12. Juni 1918 war das letzte Luftschiff – „SL 20“ – für den Anflug auf Wildeshausen angekündigt. Das Luftschiff erschien zu angegebener Zeit über Wildeshausen, aber Kommandant Kapitänleutnant Ratz konnte auch nach viermaligem Versuch wegen der üblichen Querwinde nicht landen und musste wie andere vor ihm nach Ahlhorn ausweichen. Es war ein abermaliger Beweis dafür, dass dieser Luftschiffhafen seinen Zweck nicht erfüllte. Eine Woche vor diesem letzten Flug wurde der Luftschiffertrupp mit einer Mannschaft von extra 300 Marinern und dem gesamten Pferde bespannten Tross per Bahn aus Bulgarien kommend nach Wildeshausen verlegt.

Wie Sie ersehen können, liebe Leser, war der ganze Aufwand nicht von Erfolg gekrönt. Und zum Leidwesen des Militärs war das ganze eine Fehlinvestition. Die negativen Meinungen der hier anwesenden Luftschiffkapitäne über den Platz drückten natürlich auch die Stimmung und Euphorie der Bevölkerung, die zu Beginn dieser Ära in Wildeshausen herrschte.

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